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Rokokoschloss Mirow : Das Schmuckkästchen am See

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rokokoschloss-Kleinod Mirow nach 20 Jahren saniert / Wiedereröffnung am Sonnabend

Die deutsche Schlösserlandschaft ist um ein Kleinod reicher: Am Sonnabend wird nach 20 Jahren Sanierung das Schloss und damit auch das Herzstück der Schlossinsel Mirow (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) als Museum wieder eröffnet.

„Das Adelshaus lag faktisch seit dem Tod der letzten Herzogin 1761 im Dornröschenschlaf und wird von Experten wegen der reichhaltigen Rokokoausstattung aus dem 18. Jahrhundert sehr geschätzt“, sagt Kunsthistorikerin Friederike Drinkuth von der Schlösserverwaltung Mecklenburg-Vorpommern.

Seit 1994 wurden rund 17 Millionen Euro in das Gebäudeensemble investiert, davon rund acht Millionen Euro allein in das Schloss mit seinen mehr als 20 Räumen.

Der Bau wurde von 1709 bis 1712 als Witwensitz für das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz errichtet und später ausgebaut.

Die Herzöge hatten enge familiäre Beziehungen zu allen größeren Adelshäusern in Europa. In Mirow wuchs die spätere Königin von Großbritannien, Sophie Charlotte (1744-1818) auf. Aus Mecklenburg-Strelitz kam auch die beliebte Preußenkönigin Luise (1776-1810).

So wurden die Räume in Mirow von deutschen und italienischen Künstlern und Kunsthandwerkern ausgestattet, die auch für den Preußenkönig und „Nachbarn in Rheinsberg“ Friedrich den Großen (1712-1786) tätig waren. Er nannte die adeligen Mirower „Mirokesen.“ „Als Friedrich in den Siebenjährigen Krieg zog, kamen die Künstler ab 1756 nach Mirow, um hier zu arbeiten“, hat Drinkuth herausgefunden. Deshalb können Liebhaber in dem kleinen Ort eine einzigartige friderizianische Rokokodekoration bewundern. „Das Schloss wirkt von außen bescheiden, aber innen ist es ein Schatzkästchen.“ So sind die Räume mit roten oder blauen Seiden bespannt, wurden Ölbilder auf Papiertapeten gemalt oder wie im Stickzimmer, ganze Wände mit aufwendigen Stickereien gestaltet. „Wir hatten nur Reste und alte Bilder zur Orientierung, daran haben 30 Frauen in Berlin drei Jahre lang gestickt“, erzählt Drinkuth.

Zufall und Mangel halfen den Restauratoren. Nach dem Tod der Herzogin 1761 kam die Herzogsfamilie in Mirow nur selten zu Begräbnissen und Trauerfeiern – nebenan liegt die Fürstengruft – zusammen. Die Kriegswirren überstand das Schlossensemble besser als das Adelshaus: Mecklenburg-Strelitz wurde 1918 aufgelöst. Schloss samt Insel fielen in Landeseigentum. Nach 1945 diente es als Altersheim. „Die Dekoration wurde im Unterschied zu Schlössern in anderen Ländern wenig saniert“, erklärte die Expertin. Das war ein Glücksfall.

Zu den Höhepunkten der Rundgänge, die ab Sonnabend starten, zählt auch der reich mit Stuck verzierte, fast fünf Meter hohe Festsaal. Auf 20 000 Besucher im Jahr hoffen die Betreiber für das Schloss, bundesweit seien schon Führungen gebucht worden. Auch für Filme diente Mirow bereits als Kulisse: Die DEFA drehte hier „Das Graupenschloss“ und Teile der „Wahlverwandtschaften“.

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