Versteigerung : Das rote Kleid der Gangsterbraut

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Staatsanwaltschaft lässt einmal im Jahr ihre Asservate versteigern / Von Panzerknacker-Zubehör bis zum rätselhaften Kochtopf

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31. März 2015, 07:33 Uhr

Als die junge Frau nach den beiden Taschenlampen auch noch einen Bolzenschneider ersteigerte, witzelte ihre Freundin, nun brauche sie nur noch die Leiter, um das Einbruchs-Set zu vervollständigen. Auch die hatte Gerichtsvollzieherin Karina Arndt im Angebot. Den Zuschlag bekam für kleines Geld jedoch ein anderer Bieter.

Mit viel Charme und so manchem kecken Spruch brachte Karina Arndt im Saal 7 des Schweriner Landgerichts an den Mann, was die Schweriner Staatsanwaltschaft in ihrer Asservatenkammer angesammelt hatte. Die Strafverfolger dürfen Gegenstände einziehen, die Straftäter benutzt haben, um ihrem unschönen Treiben nachzugehen.

Auch Beute, deren rechtmäßige Eigentümer nicht mehr zu ermitteln sind, kann bei Karina Arndt unter dem Hammer landen. Da jedoch die „kriminelle“ Geschichte des Auktionsguts nicht mitgeliefert wird, konnten die Interessenten ihrer Phantasie freien Lauf lassen.

Taschenlampe, Leiter, Bolzenschneider – wer denkt da nicht an die Panzerknacker aus Donald Ducks Entenhausen? Wurde mit dem Schwingschleifer vielleicht der alte Lack entfernt, bevor der Fluchtwagen eine neue Farbe bekam? Welche schmutzigen Geschäfte wurden per E-Mail auf dem weißen Laptop angebahnt? Rätselhaft blieb, welche Rolle ein silberner Kochtopf in einem Kriminalfall gespielt hat. Wer wollte sich mit dem Bohrhammer in einen Tresorraum vorarbeiten? Welche Gangsterbraut steckte einst in diesem sündhaft teuren Fummel aus dem Hause eines italienischen Designers, der vor 18 Jahren – und da mag einem ein kalter Schauer den Rücken heruntergelaufen sein – ermordet wurde?

Unbeirrt schwärmte Karina Arndt allerdings „von einem Traum in Rot“, als sie das Kleid hochhielt, dessen Neupreis von 620 Euro noch auf dem edlen Karton verzeichnet war. Die wenigen Frauen im Publikum ließ das Angebot kalt. Zwei Männer boten um die Wette, bis der eine den Zuschlag bekam – bei 21 Euro.

Da die Mühlen der Justiz bekanntlich langsam mahlen, war manches Auktionsgut zwar originalverpackt, aber technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand. Denn nur wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliegt, darf die Staatsanwaltschaft ihre Asservate versteigern.

Manche Autoradios, Navigationsgeräte und Werkzeugmaschinen stammten offenbar aus Einbrüchen. Wenn ein altes Handy keinen Abnehmer fand, packte Karina Arndt halt ein Navigationsgerät obendrauf. War immer noch kein Angebot zu hören, legte die Gerichtsvollzieherin – einem Hamburger Fischmarkthändler gleich – einen nagelneuen Kopfhörer obendrauf. Für 35 Euro nahm ein Herr eine Spielkonsole in Empfang und musste die eine Vier-Meter-Leiter mit nach Hause nehmen, die sonst wohl keinen Käufer gefunden hätte.

Wer den Unsinn kennt, den Bart Simpson aus der gleichnamigen Fernsehserie anstellt, wird sich nicht gewundert haben, dass auch zwei Skateboards in der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft gelandet waren. Neu kostet ein mit Elektromotor ausgestattetes Exemplar bis über 1000 Euro. Im Landgericht wechselte es für 25 Euro den Besitzer.

Am Ende hatte Karina Arndt für die Staatskasse rund 800 Euro eingenommen – und in der Asservatenkammer wieder Platz für neue „kriminelle“ Relikte geschaffen.

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