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Rostocker als Stadtschreiber in Reykjavik : "Das Meer gewinnt immer"

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Volker Altwasser zieht es vom Frühling in den Winter: Ab Morgen ist er für einige Wochen Stadtschreiber von Reykjavik. Der Rostocker gewann die Ausschreibung für "Writer in Residence" in der isländischen Hauptstadt.

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erstellt am 30.Apr.2012 | 12:38 Uhr

Rostock | Volker Altwasser zieht es vom Frühling in den Winter: Der Autor packt in diesen Tagen seinen Koffer für Island. Ab Morgen ist der 42-Jährige für einige Wochen Stadtschreiber von Reykjavik. "Ich bin gespannt auf Inspirationen, ich weiß überhaupt nicht, was mich dort erwartet." Der in Rostock lebende Schriftsteller gewann gemeinsam mit dem Kinderbuchautoren Fin-Ole Heinrich die erste Ausschreibung des Goethe-Instituts für den "Writer in Residence" in der isländischen Hauptstadt, für den sich mehr als 80 Autoren beworben hatten.

Auf dem Programm stehen vor allem Begegnungen mit Schriftstellerkollegen, "etwas Kreatives wird von mir dort erstmal nicht erwartet", sagt Altwasser. Island kommt genau zur richtigen Zeit. In den vergangenen vier Jahren hatte der Rostocker täglich an seinen Romanen geschrieben, an drei Ideen gleichzeitig. "Erfahrene Autoren haben mich gewarnt, mich nicht zu verzetteln." Für das Finale der Trilogie "Letzte Haut", "Letztes Schweigen" und "Letzte Fischer" erhielt er den Italo Svevo-Literaturpreis. "Mein alter Mentor hat die Laudatio gehalten, ich fühlte mich sehr geehrt."


Nach der Fließbandarbeit, wie er sie selbst bezeichnet, muss sich Altwasser wieder an den Literaturbetrieb gewöhnen. Ein bisschen eigenbrötlerisch sei er geworden in den vergangenen Monaten, gibt er zu. Jetzt freue er sich auf die Begegnungen mit Kollegen auf Island. "Ich bin gespannt auf das Atmosphärische, ich recherchiere für mein nächstes Projekt: Inselfischer", sagt Altwasser. Über eine Förderung der Robert Bosch-Stiftung entwickelte er die Idee, ein Buch über Krimfischer zu schreiben. In Kombination mit dem Island-Stipendium könnte daraus eine grenzüberschreitende Geschichte werden. Auch einen Arbeitstitel hat Altwasser schon: "Heute kein Fisch". "Ein bisschen schief, die Grammatik, aber das gefällt mir."


Seine Geschichten drehten sich bisher fast immer um Meer und Küste, und niemals haben sie ein Happy End. "Literatur vom Meer ist Literatur vom Scheitern, das Meer gewinnt immer", sagt Altwasser. Auch bei ihm gebe es kämpfende Figuren, die aber nicht sähen, dass sie am Ende verlieren würden. Traurig? "Nein, das ist das Leben." Diese These diskutiert Altwasser gern mit seinem Publikum und mit anderen Autoren.


Obwohl, ja, eine Geschichte mit romantischerem Ausgang könne er sich vielleicht auch einmal vorstellen. "Wie Tucholsky, der immer voller Ironie und Zynismus schrieb. Und dann kommt von ihm eine Liebesgeschichte wie ,Schloss Gripsholm." Gelänge ihm selbst solch eine Erzählung, "das wäre dann für mich großes Kino", sagt Altwasser.


Dass Reykjavik diese Art Inspiration für ihn bereit hält, da ist Altwasser skeptisch. Er recherchiere zu Überfischung, wie sich das Ende der Fischerei auf die Familien auswirke, wie weit die Auswirkungen in die Gesellschaft hinein reichten. "Das ist ja keine Fiktion." Im Herbst 2013 soll die Geschichte erscheinen.

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