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Bizarrer Prozess in Schwerin : „Das machen doch nur Männer“

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Aus der Onlineredaktion

Begegnen sich zwei Männer in ihren Autos auf einer sehr sehr schmalen Brücke. Keiner will weichen. Am Ende kommen Rettungswagen und Polizei. Und der Richter.

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erstellt am 18.Mai.2017 | 21:00 Uhr

Zwei Männer in ihren Autos begegnen sich an der Brücke über den Langen Graben bei Schwerin. Doch auf ihr ist nebeneinander kein Platz für zwei. So kommt es, kurz bevor an diesem schwülen Sonntagnachmittag im August 2016 das drohende Gewitter losbricht, zum Showdown: zwischen einem muskulösen Verkäufer und einem Bundeswehrsoldaten, beide im besten Mannesalter. Am Ende nahen Rettungswagen und Polizei.

„Das machen doch nur Männer, oder?“ fragte die Schweriner Amtsrichterin gestern in den Gerichtssaal hinein – ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Der angeklagte Verkäufer soll seinen Kontrahenten in den Schwitzkasten genommen haben, bis dem die Luft wegblieb. Wie genau es soweit kam, muss noch geklärt werden.

Das blaue Verkehrsschild mit dem weißen und dem roten Pfeil habe ihm Vorfahrt signalisiert, beteuerte der Skoda fahrende Angeklagte. Der Audi-Fahrer sei derart schnell von der anderen Seite auf die Brücke „geschossen“, dass ihm keine Zeit blieb, sein Recht wahrzunehmen. Weil der Skoda dem Audi am anderen Brückenende keine Lücke ließ, standen sie sich mutmaßlich rückzugsresistent gegenüber.

Die Richterin erinnerte den Angeklagten, dass die Straßenverkehrsordnung nicht nur Rechte gewähre, sondern auch Rücksicht einfordere. Der berichtete, der Soldat (damals in Zivil) sei ausgestiegen, habe gepöbelt, ihn durchs Seitenfenster leicht geschlagen und mit dem Handy Fotos gemacht. Da sei er ihm hinterher und entwendete ihm das Handy. Dem Drang, es ins Wasser zu werfen, konnte er wohl noch widerstehen. Es sei „zum Gerangel“ gekommen, er habe den anderen mittels Schwitzkasten „beruhigen“ wollen. Als er von ihm abließ, sei der Audi-Fahrer bereits wieder „zu sich gekommen“.

Eine Zeugin berichtete jedoch, der Audi-Fahrer sei schon vor dem „Gerangel“ bereit gewesen, den Rückwärtsgang einzulegen. Sehr heftig habe der Skoda-Fahrer dann den körperlich unterlegenen Gegner traktiert, bis sie dazwischen gegangen sei. „Der war ganz rot und konnte kaum sprechen“, so die Zeugin, "er hatte Würgemale am Hals". Als der Rettungswagen kam, war der Skoda-Fahrer schon weg. Er habe gedacht, „der andere steht auf und steigt in sein Auto“, berichtete der Angeklagte. Was der Audi-Fahrer dachte, wird erst Ende Mai geklärt.

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