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Flucht in Bützow : „Das lief nicht ganz glatt“

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Aus der Onlineredaktion

Nach der Flucht eines festgenommenen Ladendiebes räumt die Polizei Fehler ein

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Vier Polizisten sollten ihn bewachen – doch der Mann konnte seinen Aufpassern trotzdem entwischen: Nach der Flucht eines festgenommenen Ladendiebes (44) aus einem Bützower Krankenhaus hat die Polizei gestern Fehler bei der Bewachung des Mannes eingeräumt. „Offensichtlich ist da nicht alles glatt gelaufen“, sagte Polizeisprecher Gert Frahm gegenüber unserer Redaktion.

Die genauen Umstände der Flucht am Samstag waren zunächst unklar geblieben – nun gab die Polizei weitere Informationen über den Zwischenfall bekannt. Demnach wurde der Mann im Erdgeschoss in einem Behandlungsraum der Notfallambulanz von einem Arzt untersucht. Beamte waren dabei nicht unmittelbar anwesend. Die Polizisten hatten sich laut Frahm vor der offenen Tür postiert. Der Mann soll während der Untersuchung auch nicht gefesselt gewesen sein. Diese Situation nutzte er offenbar aus und entwischte durch ein Fenster in die Freiheit.

Der 44-Jährige war bereits am Freitag nach einem Ladendiebstahl festgenommen worden. Am Samstag erließ das Amtsgericht Güstrow einen Haftbefehl gegen ihn und ordnete die Überprüfung seiner Hafttauglichkeit in der Bützower Klinik an. Warum die Polizisten nicht mit in das Behandlungszimmer gegangen waren, konnte der Polizeisprecher nicht erklären.

Unklar ist auch, warum der 44-Jährige keine Fesseln trug, die eine Flucht erschwert hätten. Ein Sprecher der Bützower Klinik verwies darauf, dass die Polizei für die Sicherheit zuständig sei. Bisher habe das auch immer gut funktioniert. „Zum Glück ist aber niemandem etwas passiert“, sagte der Kliniksprecher weiter.

Der Zwischenfall in Bützow soll laut Polizeisprecher Frahm in den kommenden Tagen mit den beteiligten Beamten ausgewertet werden. Gestern hatten sie dienstfrei.

Nach seiner Flucht hatte die Polizei eine Großfahndung nach dem Mann ausgelöst. Ein Hubschrauber, ein Suchhund und acht Streifenwagen waren im Einsatz. Der 44-Jährige konnte innerhalb von weniger als zwei Stunden wieder gefasst werden und sitzt seitdem in der Justizvollzugsanstalt Bützow ein.

Der Zwischenfall am Sonnabend war bereits der zweite Fluchtversuch eines festgenommen Straftäters innerhalb von vier Wochen. Einem mutmaßlichen Einbrecher war es im September gelungen, aus der Gewahrsamszelle der Polizei in Pasewalk zu fliehen. Der Mann hatte es geschafft, das Sicherheitsfenster seiner Zelle zu öffnen. Nach Angaben eines Polizeisprechers hatte der Geflüchtete „augenscheinliche Mängel in der Fensterkonstruktion ausgenutzt.“ Barfuß schlug er sich bis zu einer Autobahnauffahrt durch, wo er schließlich von der Besatzung eines Polizeihubschraubers entdeckt und von Streifenbeamten erneut festgenommen werden konnte.

Ausbruch und Flucht sind keine Straftat

Wenn Ausbrecher wieder gefasst werden, können sie allein wegen der Flucht nicht bestraft werden. Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber den natürlichen Freiheitsdrang des Menschen berücksichtigt. Anders sieht es für Helfer aus oder wenn sich mehrere Gefangene zusammentun – für eine Gefangenenbefreiung und Gefangenenmeuterei gibt es jeweils Paragrafen im Strafgesetzbuch. Ganz ohne Strafe dürfte eine Flucht jedoch selten ausgehen. Denn Ausbrecher begehen auf ihrer Flucht meistens verschiedene Straftaten, wenn sie etwa Wachpersonal  attackieren.  Auch Diebstahl und Sachbeschädigung  können dazu gehören, wenn bei der Flucht ein Fahrrad geklaut wird.  

 

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