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Mecklenburg-Vorpommern

21. Oktober 2017 | 06:44 Uhr

Stiftungen in MV : Das Leben reicher machen

vom
Aus der Onlineredaktion

Stiftungen spielen in Mecklenburg-Vorpommern noch immer eine untergeordnete Rolle – im vergangenen Jahr gab es gerade einmal zwei Neugründungen

svz.de von
erstellt am 30.Sep.2017 | 16:00 Uhr

Sie fördern Kunst und Kultur, kümmern sich um sozial schwache Kinder, den Erhalt einer Schule oder einer Gedenkstätte, retten vernachlässigte Tiere oder halten das Andenken an bestimmte Personen oder Ereignisse in Ehren: Stiftungen erfüllen bereits seit Jahrhunderten gemeinnützige Aufgaben. Bundesweit gibt es rund 21 300 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts. 95 Prozent und damit das Gros von ihnen verfolgen gemeinnützige Zwecke.

Mecklenburg-Vorpommern ist allerdings – zusammen mit Brandenburg – bundesweit das Schlusslicht, was das Stiftungswesen betrifft. Das Landes-Justizministerium listet in seinem Verzeichnis der aktiven Stiftungen gerade einmal 166 Einträge auf – 120 weltliche und 46 kirchliche Stiftungen. „Sie alle helfen, unser Leben reicher und schöner zu machen“, betont Dr. Wolf Schmidt, Sprecher des Landesnetzes der Stiftungen in Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings, so Schmidt, wirke sich die vorhandene Struktur- und Kapitalschwäche im Nordosten 27 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer stark aus. Denn nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Stiftungen sind rund zwei Drittel der Stifter in Deutschland Privatpersonen.

So verwundert es auch nicht, dass die wohlhabende Hansestadt Hamburg zugleich auch Deutschlands Stiftungs-Hochburg ist: Auf 100 000 Einwohner kommen dort 78 Stiftungen. In Bremen, das an zweiter Stelle liegt, sind es immerhin noch 49. Hessen (32), Bayern (31) und Baden-Württemberg (39) liegen dahinter schon spürbar zurück. Bei den bundesweiten Schlusslichtern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg kommen auf 100 000 Einwohner sogar nur 10 bzw. 9 Stiftungen. Dazu, so Schmidt, existiert in unserem Bundesland keine einzige große Stiftung mit erheblichem – also mehr als 100 Millionen Euro umfassenden – Kapital.

Und: Der Abstand zu den stiftungsstarken Ländern wird nicht kleiner, sondern größer. Unter den bundesweit 582 Neugründungen im Jahr 2016 gab es lediglich zwei in Mecklenburg-Vorpommern – Statistiken weisen damit einen Zuwachs von 0 Prozent aus. Brandenburg dagegen verzeichnete ein Plus von 5,5 Prozent, in Sachsen kamen im vergangenen Jahr immerhin 3,7 Prozent neue Stiftungen dazu.

„Der Stiftergedanke, Gutes zu tun, muss weiter verbreitet werden“, betont Dr. Wolf Schmidt. Denn wer stiften wolle, müsse nicht reich sein – das Spenden von Zeit sei mehr denn je gefragt. Bürgerstiftungen seien ein guter Weg, um bei schwacher Vermögensstruktur im Land kleine Beiträge zu wirksamem Stiftungskapital zu bündeln. Allerdings sollten diese Stiftungen tatsächlich von Bürgern selbst und nicht aus kommunalen Haushalten gegründet werden.

Bereits seit sechs Jahren gibt es in MV ein Landesnetz der Stiftungen, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Stiftungssektor zu stärken. „Wir werben dafür, sich aktiv für die Zivilgesellschaft einzubringen und bieten Menschen, die Zeit oder Geld spenden wollen, eine Begegnungsplattform“, so Schmidt. Zudem würden auch Beratungen für Stiftungs- und Spendenwillige angeboten.

Am 4. November lädt das Landesnetz zudem zum fünften Mal zum MV-Stiftungstag ein, der in diesem Jahr auf der Burg Neustadt-Glewe stattfindet. Er steht unter dem Motto „Gemeinsam mehr bewirken“ und richtet sich an all jene, die sich in Mecklenburg-Vorpommern mit Stiftungen oder auch nur dem Gedanken daran beschäftigen. Schon jetzt werden 160 Teilnehmer zu der Kontakt- und Kooperationsbörse erwartet.

Von Park bis Musik

Stiftung Schloss Pansevitz: Ein 40 Hektar großer, verwilderter Park auf Rügen war der Anlass für die Gründung vor zehn Jahren. Familie von Knyphausen kaufte den Park von der BVVG. Für die Parkpflege war die Gründung einer Stiftung der Ausweg.

Dreikönigsstiftung Neubrandenburg: „Wir wollten das christliche soziale Engagement würdigen und die Hospizarbeit pflegen, was in der DDR vernachlässigt wurde“, sagt Mit-Gründer Rainer Prachtl. Die Stiftung verleiht jährlich den Siemerling-Sozialpreis und unterhält ein Hospiz.

Bürgerstiftung Wismar: Die erste Bürgerstiftung in den neuen Ländern entstand 1998. Sie wollte gemeinnützige Initiativen unterstützen, für die nicht genug öffentliches Geld da war. Heute gibt es in MV vier echte Bürgerstiftungen in Wismar, Parchim, Rostock, Neubrandenburg.

Festspiele MV-Stiftung: Sie gehört mit rund drei Millionen Euro Kapital zu den größten Stiftungen in MV. Laut Festspiele-Intendant Markus Fein gibt es heute mehr als 200 Stifter – Großstifter ebenso wie Menschen, die 500 Euro aus Liebe zur Musik geben.

Stiftung Biosphäre Schaalsee: Ein vermögender Hamburger war begeistert von der Naturschutzarbeit des Vereins Biosphäre Schaalsee und vererbte ihm eine Million D-Mark. 2001 wurde damit eine Stiftung gegründet.  

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