XXL-Winter bringt Zimmereien in Schwierigkeiten : Das lange Warten auf die Bausaison

<fettakgl>Christian Zühlcke</fettakgl><strong> von der Firma   Holzbau Potts</strong> justiert Teile eines Dachstuhls. Foto: M. Nowitzki
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Christian Zühlcke von der Firma Holzbau Potts justiert Teile eines Dachstuhls. Foto: M. Nowitzki

In Zwiedorf herrscht Ruhe vor dem Start ins neue Bau-Jahr. "Wenn die Bausaison beginnt, dann arbeiten wir auch wieder im Drei-Schicht-System", sagt Norbert Potts. Doch noch liegen die Baustellen im Land still.

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29. März 2013, 07:42 Uhr

Altentreptow | Ein einsamer Gabelstapler kurvt über das Betriebsgelände. Große Hallen, vollgestapelt mit Kanthölzern, säumen den Hof. In den Werkhallen kreischen die computergesteuerten Zuschnittmaschinen. In Zwiedorf bei Altentreptow (Mecklenburgische Seenplatte) herrscht noch Ruhe vor dem Start ins neue Bau-Jahr. "Wenn die Bausaison beginnt, dann arbeiten wir auch wieder im Drei-Schicht-System", sagt Norbert Potts. 50 Angestellte arbeiten bei Holzbau Potts in Zwiedorf. 1500 Kubikmeter Holz werden jeden Monat verbaut, rund 30 Lkw-Ladungen sind das. Das Unternehmen ist damit nicht nur eine der größten Zimmereien des Landes, sie ist auch mit 80 Jahren eine der ältesten. 1933 gründete Josef Potts den Holzbaubetrieb. 1953 wurde er in die LPG integrierte und Mitte der 80er-Jahre gelang seinem Sohn Rudolf die Ausgliederung. Vor einigen Jahren hat der Senior das Unternehmen an seine Söhne, Norbert und Andreas, übergeben.

Auch sie warten, wie andere Zimmereien in Mecklenburg-Vorpommern darauf, dass es endlich wieder losgeht auf dem Start ins Bau-Jahr. Seit vier Monaten liegen die Baustellen im Land still. Einige Unternehmen bringt das allmählich in Schwierigkeiten. "Jetzt bekommen wir langsam Probleme", sagt Jörg Schnell, Hauptgeschäftsführer des Bauverbandes MV. Nicht nur, dass neue Projekte nicht begonnen werden könnten. Bei den alten Aufträgen müssten auch noch Restarbeiten erledigt werden, sonst könnte nicht abgerechnet werden. "Wer sein Geld dafür im Mai bekommt, der ist schon gut."

1,8 Milliarden Euro erwirtschaftet das Baugewerbe, zu dem auch Zimmereien gehören, laut Bauverband MV im vergangenen Jahr. Im Vergleich zu 2011 legte die Branche zu. Und in diesem Jahr? "Ich bin verhalten optimistisch", sagt Jörg Schnell. Die öffentliche Hand und auch die Wirtschaft bauten aber zurückhaltender. "Wir registrieren 20 Prozent weniger Baugenehmigungen", sagt Schnell. Nur der Wohnungsbau legt zu. Eine einseitige Auftragslage, sorgt sich der Hauptgeschäftsführer.

Die Zwiedorfer Zimmerei produziert Dachstühle, Carports, Binderkonstruktionen für Dachdeckereien und Zimmereien und Holzrahmenbauten. Sechs Dachstühle können, vom automatisierten Zuschnitt bis zum Nageln, täglich produziert werden. Auf der Mensa in Eberswalde, auf Kindergärten in Rostock und Wismar und einer großen Ferienhaussiedlung auf Usedom liegen die Konstruktionen aus Zwiedorf. Aber die Dokumentation für Bauprojekte ist aufwändig. "Jeder Auftrag bekommt eine Akte", erklärt Norbert Potts. Bis zum letzten Dübel ist aufgeführt, was wie verbaut wurde. Doch die Holzbauer haben Probleme - mit dem Holz. "Unsere größte Sorge ist, dass die Fichte knapp wird", sagt Norbert Potts. Ihren Brotbaum nennen sie den Nadelbaum. "In Mecklenburg-Vorpommern wird viel zu wenig davon angebaut." Das Zwiedorfer Unternehmen bezieht sein Holz vor allem aus dem Schwarzwald und dem Sauerland. Aber auch hier werden die Bestände dünner.

3000 Kubikmeter Holz lagern auf Vorrat in den Hallen. Bis zu 13 Meter lang sind die Kanthölzer. "Dicke Stämme findet man kaum noch", sagt der Senior Rudolf Potts. Schlagreif sei eine Fichte nach 80 bis 100 Jahren. "Heute werden sie schon mit 30 bis 40 Jahren geschlagen." Das wird nicht nur technisch eine Herausforderung. Sinkendes Angebot treibt auch die Preise hoch. Deshalb wird nach Alternativen gesucht, um aus möglichst wenig Holz möglichst viel Baustoff zu machen. Das Keil-Zink-Verfahren brachte vor einigen Jahren einen Durchbruch. Dabei werden schlechte Stücke, etwa Astlöcher, aus den Stämmen herausgeschnitten. Die verbleibenden Holzteile werden wie mit einem Reißverschluss wieder zusammengefügt. Die neueste Entwicklung ist ein Verbund von Holz und Stahl. Damit erhöht sich die Tragfähigkeit von Doppel-T-Trägern und auch ihre Spannweite. Doch bis Innovationen rentabel arbeiten, braucht es Zeit.

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