Wahl-Umfrage : Das lange Siechtum der SPD

Schweriner Schloss: Sitz des Landtags
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Schweriner Schloss: Sitz des Landtags

Forsa-Chef Manfred Güllner zu den Ergebnissen unserer großen Meinungsumfrage zur politischen Stimmung in MV.

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02. Juli 2018, 20:45 Uhr

Wenn am Sonntag Wahlen in MV wären, würde die SPD/CDU-Koalition in Schwerin ihre Mehrheit verlieren, berichteten wir am Sonnabend über eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag unserer Zeitung. Max-Stefan Koslik sprach mit Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner über die Interpretation dieser Resultate.

Herr Güllner, die führenden Koalitionspolitiker in Schwerin verweisen angesichts der gesunkenen Zustimmung auf den Bundestrend. Was ist Bundestrend und was ist in MV hausgemacht?
Güllner: Der Bundestrend hat immer einen Einfluss, auch wenn es um regionale Wahlen geht. Aber wir sehen gerade am Beispiel Mecklenburg-Vorpommern, dass es schon immer deutliche Unterschiede gab zwischen Landtagswahlen und Bundestagswahlen. Also, dass SPD und CDU nicht so gut dastehen, kann man jetzt nicht allein auf den Bundestrend schieben. Wiewohl die Landes-SPD bei Landtagswahlen immer noch einen gewissen Bonus hat, während die CDU einen Landesmalus hat. Im Vergleich zu manchen anderen Ländern ist es immer noch gut.

Ministerpräsidentin Manuel Schwesig ist am Mittwoch ein Jahr im Amt und zieht eine überwiegend positive Bilanz ihrer Arbeit, Digitaloffensive, kostenlose Kita, mehr Polizisten, Theaterpakt - kommt das bei den Bürgern nicht an?
Das kommt durchaus an, das zeigt unsere Umfrage ja auch. Aber wenn sonst das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit und Potenz einer Partei angekratzt ist, dann schlagen einzelne Maßnahmen nicht zwingend in Vertrauen um. Es muss insgesamt das Gefühl hinzukommen, dass eine Partei Kompetenz hat, dass sie vertrauenswürdig ist.

Und das ist die SPD nicht?
Die SPD hat seit dem Abgang von Gerhard Schröder ein grundsätzliches Problem. Schröder gelang es, Wähler aus der Mitte zu binden. Aber zwischen 1998 und 2009 verlor die Partei massiv Wähler – 10 Millionen. Und die Verluste gingen weiter. Das hat nichts mit der aktuellen Entwicklung zu tun, nichts mit der AfD. In einigen Ländern wird die SPD von zehn Prozent der Wähler und weniger gewählt. Das ist ein langes Siechtum. Das zeigt sich in unseren Bundesumfragen und in Umfragen auf regionaler Ebene.

Ist die Zeit der Volksparteien vorbei?
Wenn CDU und SPD nicht endlich aus den Befindlichkeiten der Menschen lernen, dann ist ihre Zeit zu Ende. Beide Parteien müssen sich endlich wieder um die Interessen der Mehrheit der Menschen in der Mitte der Gesellschaft kümmern. Uns sagen viele Befragte, dass sich die großen Parteien immer nur um Randgruppen kümmern. Wir sehen es aktuell. Die Flüchtlingsfrage ist vielleicht für einige ein wichtiges Thema, aber nicht das einzige. Eigentlich ist die Flüchtlingsfrage nur für die AfD-Anhänger das wichtigste Thema. Und was die CSU zurzeit macht, stärkt ganz eindeutig die AfD.

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