25 Jahre „Chapeau Rouge“ Heringsdorf : Das knallrote Theaterzelt

Am 27. Mai wird die 25. Saison des Theaterzeltes „Chapeau Rouge“ eröffnet.
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Am 27. Mai wird die 25. Saison des Theaterzeltes „Chapeau Rouge“ eröffnet.

Nach der Wende war das Theater Anklam totgesagt. Doch die Akteure wehrten sich – mit Kunst.

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23. Mai 2017, 12:00 Uhr

Das knallrote Theaterzelt „Chapeau Rouge“ gehört im Sommer zu Heringsdorf wie Fischbrötchen und Möwengeschrei. Die Theatermacher um Intendant Wolfgang Bordel haben in diesem Jahr erneut das Zelt auf der Insel Usedom aufgeschlagen, unter dessen Dach sich in dem vergangenen Vierteljahrhundert reihenweise Dramen und Komödien ereigneten: Othello ermordete hier aus Eifersucht seine Frau Desdemona und die widerspenstige Katharina wurde gezähmt. Vom Puppenspiel über Kabarett und Lesungen bis zum klassischen Theater bietet das Theaterzelt Urlaubern und Einheimischen von Mai bis September anspruchsvolle Unterhaltung auf der Insel.

Die 25. Theatersaison des „Chapeau Rouge“ wird am Sonnabend mit Peter Shaffers „Komödie im Dunkeln“ eröffnet.

Für die Vorpommersche Landesbühne Anklam ist das rote Zelt die Herzkammer ihres Theaterbetriebes. „Das Theaterzelt hat uns das Überleben nach innen und nach außen gesichert“, erinnert sich Wolfgang Bordel. Dem Projekt in Heringsdorf, das in den ersten Jahren mit bis zu vier Vorstellungen pro Tag die Besucherzahlen in die Höhe schnellen ließ, folgten später Open-Airs in Zinnowitz, Barth, Usedom-Stadt und Wolgast. Die Landesbühne Anklam mit ihren Sommerspielstätten ist zu einem Wirtschaftsfaktor in der Region geworden. 1991 war das Theater totgesagt, der Deutsche Bühnenverein bescheinigte dem Theater in Anklam ein schnelles Ende.

Doch der Querdenker Bordel wollte sich den bundesdeutschen Standards nicht beugen. Im Jahr 1992 wurde das Theater Anklam in die Trägerschaft der Kulturfa-brik überführt und somit vor der Schließung bewahrt. Die etwa 35 Kollegen legten ihre Abfindungen zusammen und kauften für etwa eine Million Mark ihr erstes Theaterzelt, um auf Usedom mit seinen Hunderttausenden von Sommerurlaubern eine zweite Spielstätte zu eröffnen.

Das Konzept ging auf. Statt in Kurmuscheln gegen Bockwurst und Lärm anzuspielen, hatte das Theater einen festen Spielort, den das Publikum dankbar annahm. Die Besucherzahlen des Theaters schnellten von 35 000 auf nahezu 77 000 pro Jahr in die Höhe. „Ohne das Theaterzelt wären wir heute nicht mehr da“, sagt Bordel.

Mit ihrem achtbaren Erfolg nahm die Landesbühne eine Vorreiterrolle ein. Einen Monat nach dem „Chapeau Rouge“ starteten auf Rügen die „Störtebeker-Festspiele“, 1997 brachte die Landesbühne Anklam mit den Vineta-Festspielen ihr zweites Sommerprojekt auf die Bühne. Erst Jahre später folgten die Müritz-Saga in Waren und das Piraten-Open-Air in Grevesmühlen.

Das kulturelle Angebot ist auf der Insel Usedom inzwischen breiter geworden. Nicht zuletzt macht sich das Theater mit den Vineta-Festspielen in Zinnowitz und den Schlossfestspielen in Wolgast selbst Konkurrenz. In diesem Jahr stehen im „Chapeau Rouge“ 96 Vorstellungen auf dem Programm, darunter die „Olsenbande II – Der große Theatercoup“ und der Hitchcock-Krimi „Die 39 Stufen“, zwei Kinderstücke und acht Puppenspiele. Als Gäste werden u. a. die Herkuleskeule, Wladimir Kaminer, die Günther Fischer Band sowie Desiree Nick erwartet.

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