Jugend im Landtag : Das klappt nicht mit uns beiden!

 
 

Eine Woche haben die Jugendlichen die Gelegenheit, hinter die Schlossfassade zu schauen und zu erleben, wie die Landespolitik funktioniert. Beim Planspiel besprechen und diskutieren sie über einen Antrag aus diesem Jahr.

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08. November 2010, 07:59 Uhr

Schwerin | Auf dem Fluren des Landtags treffen die Abgeordneten wohl in Wahrheit ihre Entscheidungen. So auch gestern Nachmittag. Die jungen Politiker von der Partei des modernen Sozialismus (PAMOS) treffen auf Vertreterinnen der Umweltinitiative. Es geht um die Überarbeitung der 2007 beschlossenen Kormoranlandesverordnung. Die Liberale Partei (LIPA) hat den Antrag eingereicht, später soll es eine Anhörung von Experten geben und dann darüber abgestimmt werden. Die Vertreterinnen der Umweltinitiative wollen den Kormoran schützen, die PAMOS-Männer machen sich für die Änderung der Verordnung stark, wollen es aber anders machen als die Antragsteller. Nach einem kurzen Gespräch der Vertreter ist klar: das klappt nicht mit uns beiden! Die Jugendlichen ziehen weiter und hoffen auf mehr Übereinstimmungen bei der sozialdemokratisch-politischen Initiative (SOPI) oder den Anglern, damit sie bei der Entscheidung größeren Einfluss haben.

PAMOS, LIPA und die Angler beeinflussen das politische Geschehen im Land aber nicht wirklich. Diese Interessenvertreter sind Schüler, Auszubildende und Studenten, die am Projekt "Jugend im Landtag" teilnehmen, das zum siebten Mal in Schwerin stattfindet und das Motto "Jugendperspektiven? Selbermachen!" trägt. Die 90 Jugendlichen kommen, aus dem ganzen Land, aus Schwerin, Pasewalk, von der Insel Rügen oder aus Parchim. Sie alle haben eines gemeinsam: sie interessieren sich für Politik und wollen einmal hinter die Kulissen schauen.

Politische Arbeit unter realistischen Bedingungen

Eine Woche haben die Jugendlichen die Gelegenheit, hinter die Schlossfassade zu schauen und zu erleben, wie die Landespolitik funktioniert. Beim Planspiel besprechen sie sich in den Fraktionsräumen der Parteien und diskutieren im Plenarssal über einen Antrag, der tatsächlich in diesem Jahr von der FDP-Fraktion gestellt worden ist. Andreas Bluhm (Die Linke), zweiter Vizepräsident des Landtags, erteilt den jungen Leuten das Wort oder ruft sie zur Vernunft, wenn die Debatte unhöflich zu werden droht - ganz wie bei einer regulären Sitzung.

In Arbeitsgruppen zu Themen wie Arbeit, Schule, Ausbildung, Freizeit und Umwelt treffen die Gast-Parlamentarier heute und morgen auf Abgeordnete der entsprechenden Fachausschüsse. Am Donnerstag stellen sie den politischen Landesvertretern ihre Ideen und Vorstellungen dazu vor. Die Jugendlichen begegnen den Politikern auch auf dem Flur, denn die Profiparlamentarier haben in dieser Woche Sitzungen.

Die 15-jährige Anne Maibaum aus Dabel bei Sternberg freut sich auf ein Gespräch mit einem Abgeordneten. "Hier komme ich mal ganz nah an die Politik heran", ist die Gymnasiastin begeistert. Beim Planspiel gehört sie zu den Vertretern der LIPA-Fraktion. "Das entspricht überhaupt nicht meiner Meinung", gibt die Schülerin zu. Dennoch sei es spannend, sich auch einmal in diese Position hineinzuversetzen und sie zu vertreten.

Die Schülerin und ihre Fraktionskollegen machen ihre Haltung in Ausschüssen und in der Debatte deutlich. Sie sprechen von einer "Bedrohung der Bürger" und wünschen einen "kontrollierten Abschuss" der Kormorane. In der Abstimmung können sie sich jedoch nicht durchsetzen. Der Antrag muss überarbeitet werden, etwa die Klauseln zum Abschuss oder dem Verhindern neuer Brutkolonien. "Der Tierschutz ist stärker berücksichtigt worden", fasst es Claudia Richter von der Pressestelle des Landtags zusammen.

Sie begleitet die Jugendlichen während des Projekts und schildert, wie die Politiker und ihre Gäste gleichermaßen profitieren. "Bei Kontakten und Gesprächen erfahren die Abgeordneten, welche Themen den jungen Leuten wichtig sind. Sie bekommen ihrerseits ein differenziertes Bild über die Jugendlichen." Vielleicht können die Gast-Parlamentarier den gewählten Vertretern sogar bei der Kormoranverordnung unter die Arme greifen - schon bei einem Gespräch auf dem Flur.

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