Arbeitslosigkeit sinkt : Das Jobwunder setzt sich fort

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Die Bundesagentur für Arbeit meldet neue Tiefstände bei der Arbeitslosigkeit, gepaart mit hohen Erwerbstätigenzahlen und vielen offenen Stellen. Doch die Chancen und Risiken sind nicht überall gleich verteilt.

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30. November 2010, 10:13 Uhr

nürnberg | Die Bundesagentur für Arbeit meldet neue Tiefstände bei der Arbeitslosigkeit, gepaart mit hohen Erwerbstätigenzahlen und vielen offenen Stellen. "Mit anderen Worten: Es tut sich richtig was am Arbeitsmarkt", sagt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Doch die Chancen und Risiken sind nicht überall gleich verteilt. Hintergründe von Christoph Slangen.

Sind die Zahlen wirklich gut?

Mit 2,931 Millionen Menschen hat sich die Arbeitslosenquote gegenüber Oktober zwar nicht verändert - 7,0 Prozent - doch waren 14 000 Menschen weniger als im Oktober und 284 000 weniger als noch vor einem Jahr arbeitslos. Damals betrug die Quote noch 7,6 Prozent. Fast noch aussagekräftiger ist die Zahl der Erwerbstätigen: Sie lag im Oktober - aus diesem Monat stammen die letzten Daten hierzu - um 405 000 über dem Vorjahresmonat. Nimmt man die Zahl der Unterbeschäftigten, die noch genauer als die Arbeitslosenzahl den tatsächlichen Bedarf an Arbeitsplätzen wiedergibt, so liegt sie bei 4,058 Millionen. Das sind die Menschen, die Arbeit suchen, mitgerechnet also auch Ein-Euro-Jobber. Die Zahl der Unterbeschäftigten ist binnen eines Jahres um 395 000 zurückgegangen. Der Arbeitsmarkt bleibt jedoch gespalten, vor allem in West (6 Prozent Arbeitslosigkeit) und Ost (10,7 Prozent).

Wo ist das Risiko am höchsten?

In Berlin. Die Bundeshauptstadt ist auch die Hauptstadt der Arbeitslosigkeit. Im November lag die Quote bei 12,6 Prozent, bundesdeutscher Rekord. MV liegt mit 11,7 Prozent auf Rang zwei, dicht gefolgt vom Stadtstaat Bremen mit 11,5 Prozent. Sachsen-Anhalt (10,8 Prozent) und Sachsen mit 10,5 Prozent kommen. Danach wird die Arbeitslosenquote einstellig, liegt zwischen 9,9 Prozent in Brandenburg und 3,8 Prozent in Bayern. In fünf der 16 Länder - Bayern, Brandenburg, MV, Schleswig-Holstein und Thüringen - nahm die Arbeitslosigkeit gegen den Trend im Vergleich zum Vormonat etwas zu.

Profitieren Junge oder Alte?
Eindeutig sind die Jungen im Vorteil. Die Zahl der Arbeitslosen zwischen 15 und 25 Jahre ging binnen eines Jahres um 18,7 Prozent zurück, fast ein Fünftel. Nur noch 262 404 waren arbeitslos, 60 344 weniger als im November 2009. Bei den Älteren (55 bis 64 Jahre) nimmt die Arbeitslosigkeit zu: 519 404 Menschen waren ohne Job - plus 6,2 Prozent.

Langzeitarbeitslose mit neuer Hoffnung?
Ja. Die Langzeitarbeitslosigkeit geht langsam aber stetig zurück. Dank Hartz-Reformen und demografischem Wandel sinkt auch die Zahl derjenigen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind. Zwar ist es noch knapp jeder Dritte der Arbeitslosen, doch waren deren Zahl im Jahr 2006 mit 1,76 Millionen auf einem Höhepunkt. Derzeit sind rund 890 000, 80 000 weniger als im März.

Gibt es Mangel an Bewerbern?
Die Debatte über Fachkräftemangel geht weiter: Ärzte, Krankenschwestern, Ingenieure fehlten in manchen Regionen, sagt die Bundesagentur. Langfristig zeichne sich auch in Berufsgruppen wie der Altenpflege ein großer Fachkräftemangel ab.

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