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Naturschutz und Fangquoten - Fischer sehen sich bedrängt : "Das ist wie Berufsverbot"

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Binnen- und Küstenfischer sehen sich durch die Anforderungen des Naturschutzes und Fangquotenkürzungen immer mehr eingeengt. Es gebe viel Unzufriedenheit, sagte der Sprecher des Landesfischereiverbandes.

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erstellt am 17.Apr.2011 | 08:34 Uhr

Schwerin | Binnen- und Küstenfischer sehen sich durch die Anforderungen des Naturschutzes und Fangquotenkürzungen immer mehr eingeengt. Es gebe viel Unzufriedenheit, sagte der Sprecher des Landesfischereiverbandes, Andreas Schlüter, nach einer Mitgliederversammlung am Samstag in Schwerin. Die Realität sehe anders aus als von der Politik dargestellt. Durch die Kürzung der Fangquoten werde der Fischereiberuf in MV aussterben. "Das ist wie Berufsverbot." Nach der neuen Reduzierung der Heringsfangmenge in diesem Jahr um 30 Prozent hätten mehrere Fischer bereits aufgegeben, sagte der Präsident des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Norbert Kahlfuß. Dabei sei die Behauptung von Wissenschaftlern über einen Heringsschwund falsch. "Wir haben in der Hälfte der Zeit die doppelte Menge gefangen", sagte er über die diesjährige Saison. "Die Heringe kommen in hellen Scharen zum Laichen."

Die von der EU vorgeschriebenen Kontrollen zur Einhaltung der Fischfangquoten sind nach Ansicht von Kahlfuß unsinnig. Die elektronischen Geräte, mit denen alle Kutter bis 2015 ausgerüstet werden müssen, kosteten viel Geld, seien aber überflüssig. "Unsere Fahrzeuge kann man vom Ufer aus sehen", sagte der Verbandschef. Die angelandete Fangmenge werde sowieso kontrolliert. Die Kontrollen seien zudem nationale Angelegenheit. Die Drohung mit Sanktionen aus Brüssel sei eine "Luftnummer".

Der Vizepräsident des Landesfischereiverbandes, Ulrich Paetsch, beklagte, das Problem mit den geschützten fischfressenden Kormoranen sei nach wie vor nicht gelöst. Die Küstenfischer würden mit immer geringeren Fangquoten belegt, während der Schaden durch die Kormorane völlig unberücksichtigt bleibe. Allein an der Müritz würden sie die Hälfte der möglichen Fischproduktion wegfressen. Jährlich seien 100 Tage lang etwa 2000 bis 3000 der Vögel an der Müritz. Wenn jeder pro Tag 500 Gramm Fisch fresse, sei das eine Tonne täglich, 100 Tonnen über die Saison. 200 Tonnen im Jahr gebe der 11 000 Hektar große See her.

Neu ist nach den Worten von Paetsch der verstärkte Schutz der Fischotter an Binnenseen, aber auch an der Küste. Reusen sollen mit Schutzgittern ausgestattet werden, damit Otter nicht hineinschwimmen und ertrinken, erläuterte der Prokurist in der Müritz-Plau Fischerei. "Für die Fischer ergeben sich daraus massive Fangprobleme", sagte er. Die Fischer könnten die Maßnahme nicht verstehen, weil der Otter gerade im Osten nicht mehr in seiner Existenz bedroht sei. Jungotter wanderten längst gen Westen aus. "Die meisten Fischotter sterben auf der Straße", sagte Paetsch. Dort würden 90 Prozent aller toten Tiere gefunden.

Die Fischer sehen noch ein weiteres Tier mit zunehmender Sorge: die Kegelrobbe. "Die Robben werden immer mehr, und die fressen auch viel Fisch", sagte Schlüter.

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