Karneval in MV : „Das ist Leistungssport“

Die jüngsten Mitglieder vom Rostocker Karnevalclub zeigen eine Probe ihres Könnens.
Die jüngsten Mitglieder vom Rostocker Karnevalclub zeigen eine Probe ihres Könnens.

Karnevalsvereine stecken viel Energie in die Vorbereitungen für Rosenmontag. Wieder mehr Zulauf von Kindern und Jugendlichen

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22. Januar 2018, 05:00 Uhr

Gut drei Wochen vor Rosenmontag laufen die Vorbereitungen in den Karnevalsvereinen auf Hochtouren. „Wir sind mitten in der heißen Phase“, berichtet der Präsident des Landeskarnevalverbands, Lutz Scherling. Diese heiße Phase, das Ende von monatelangen Vorbereitungen, bedeutet für alle noch mal hartes Training und körperliche Höchstleistung – „das ist Leistungssport“.

Scherling vertritt landesweit 86 Vereine, die sich im Gegensatz zu den Faschingshochburgen im Rheinland durch Mitgliederzahlen im zweistelligen, maximal im unteren dreistelligen Bereich auszeichnen. Seit rund vier Jahren gebe es eine sehr erfreuliche Entwicklung: „Es kommen wieder Kinder und Jugendliche in die Vereine.“ Mehr als 40 Prozent der rund 7000 Mitglieder sind unter 20 Jahren, wie Scherling sagt. Zuvor hatten die Karnevalisten wie alle ehrenamtlich tätigen Vereine mit der negativen demografischen Entwicklung durch sinkende Geburtenzahlen und Abwanderung zu kämpfen. „Unser Ziel ist es nun, bis 2020 rund 100 Vereine zu haben.“

Einer dieser Vereine ohne Nachwuchssorgen ist der Friedländer Karneval Klub, der bereits am vergangenen Wochenende seinen Umzug hatte. „Wir machen das früher, Rosenmontag und Faschingsdienstag machen es ja alle“, sagt Präsident Ralf Stegk. Dann würden auch in der dünnbesiedelten Region keine Besucher kommen. Von den 65 Mitgliedern sind 45 Kinder und Jugendliche. Das fange schon bei den sechsjährigen Minifunken an. Auch die kleinen Mädchen und Jungs trainieren wie die größeren das ganze Jahr über ein, zwei Mal die Woche. Was die Kinder am meisten reizt, seien die Auftritte. „Aber bei den vielen Kindern ist es manchmal ein Problem, alle unterzubekommen“, sagte Stegk.

Fasching ist ein Lebensgefühl, anders zu sein, sich zu verkleiden und fröhlich sein, betont Scherling. Es geht auch um das Gefühl, Gleicher unter Gleichen zu sein. „Denn im Fasching sind alle gleich, egal ob Arzt oder Landarbeiter. Und sie sind fröhlich miteinander.“ Wichtig ist auch das Gefühl, anderen Menschen eine Freude zu bereiten. „Es ist ein völlig falsches Klischee, wenn gedacht wird, dass die Leute Karnevalsklamotten anziehen und sich besaufen“, sagt Scherling.

In Köln dagegen müssten die Verantwortlichen aufpassen, dass ihre Feier nicht zu einer Art Oktoberfest verkommt. „Im kleinen Dorf ist das etwas völlig anderes“, sagt der Karnevalspräsident. Er ist sich sicher: In Dörfern, in denen der Karneval gelebt wird, gibt es einen größeren Zusammenhalt.

In Neukalen gibt es sogar eine Purzelgruppe für Dreijährige, sagt Wilfried Kaiser, Präsident des Carneval Clubs. Personalsorgen hat der Verein auch dort nicht. „Im Gegenteil, wir müssen manchmal die ein oder anderen enttäuschen, wenn es um Auftritte geht.“ Neukalen ist mit einer Diskothek, in die rund 2000 Leute hineinpassen, bestens ausgestattet. An allen Faschings-abenden ist sie gefüllt.

„In 60 Jahren Carneval gab's schon viel zu lachen, zum Jubiläum lässt es der NCC richtig krachen“, lautet 2018 das Motto in Neukalen. Drei Tage so richtig feiern und dann wird am Aschermittwoch als Höhepunkt symbolisch der Prinz verbrannt, gibt Kaiser das Programm vor. Eine gute Zeit also, um vom stressigen Alltag Abstand zu nehmen.

Sein Präsidentenkollege vom Banzkower Carneval Club „Grün-Gold“, Mario Lübbe, sieht, dass es den jungen Leuten einfach Spaß macht, vor den anderen zu tanzen. „Wir haben eine Funken- und Prinzengarde.“ Dabei möchte jeder zur Garde und jede möchte gerne Tanzmariechen sein. „Das aktuelle Tanzmariechen hat ganz lange Sportgymnastik gemacht“, verweist er auf die körperlichen Voraussetzungen. Eine wesentliche Motivation für die Karnevalisten sei jedoch das Dorf, in dem viel soziale Arbeit durch den Club geleistet wird.

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