Tagung in Rostock : Das Image der Kleingärtner

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bei der Tagung in Rostock.
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bei der Tagung in Rostock.

Die Hecken zu ordentlich, die Vorgaben zu strikt - Bundesverband der Kleingärtner kämpft gegen dieses Bild

svz.de von
07. September 2015, 06:30 Uhr

Kleingärtnern haftet oft der Ruf an, ein wenig spießig und engstirnig zu sein. Die Hecke akkurat geschnitten, das Gemüsebeet unkrautfrei, der Rasen exakt drei Zentimeter hoch. Der für die Imagepflege der rund 950 000 deutschen Kleingärtner zuständige Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde, Stefan Grundei, kennt das: „Wir gelten oft als Ansammlung von Spießern, die nichts Besseres zu tun haben als den Nachbarn zu schikanieren.“ Im Bemühen um ein besseres Image haben die Gärtner nach Überzeugung von Verbandschef Peter Paschke aber viele gute Argumente. Früher lag der Schwerpunkt auf der Produktion von Lebensmitteln für den Eigenbedarf. „Heute sind wir Vorreiter der Nachhaltigkeit“, erklärt Paschke am Sonnabend beim Verbandstag des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde in Rostock. Die Menschen wollten wissen, woher die Lebensmittel kommen - und Eltern ihren Kindern zeigen, dass die Kartoffel nicht im Regal wächst.

So liegt der Anteil junger Familien bei Neuverpachtungen bei 40 Prozent. Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) schlägt zudem die Wiedereinführung von Schulgärten vor, um Kindern mit dem Gärtnern vertraut zu machen.

Die Kleingärtner sehen sich als großer Umweltverband. „Wir setzen auf naturnahes Gärtnern, wir sind Vorreiter der Bio- und Ökobewegung“, erklärt Paschke. Die Gärten seien die grünen Lungen der Städte.

Doch es gibt Konflikte mit den Städten: Der Renaissance der Gärten steht das stete Wachstum der Metropolen gegenüber. Es kommt zu erbitterten Auseinandersetzungen, wenn Gärten Wohnbauten weichen müssen. Grundei will solche Streitpunkte entschärfen: „Wir müssen der Gesellschaft etwas zurückgeben, weil wir unter sehr privilegierten Umständen Flächen zur Verfügung gestellt bekommen.“ Grundei sieht die Möglichkeit zum Kompromiss mit den meist finanziell gebeutelten Großstädten in Kleingartenparks. „Die sind städtebaulich so organisiert, dass sie von der Bevölkerung als Durchgang etwa beim Einkauf oder nur zum Spaziergang genutzt werden können.“ Die Gärten seien abwechslungsreich und ein schöner Blickfang.

Ein Vorteil sei auch, dass die Kommunen keinen teuren Pflegeaufwand mehr haben. „Oft ist der Zustand von kommunalen Grünanlagen ein Trauerspiel.“ Die Parks seien die Umkehrung der geschlossenen Kleingartenanlagen.

„Wir propagieren als Bundesverband: Die Gärten müssen öffentlich zugänglich sein. Hohe Zäune, verschlossene Tore - das soll es nicht mehr geben“, sagt Grundei. Oft gebe es die Befürchtung, dass Gemüse und Obst in den offenen Anlagen vor Dieben nicht sicher sind. „Es ist auch nicht schlimmer als bei Anlagen, die einen Zaun darum haben.“ Der Status der Gemeinnützigkeit bedeute auch, dass man für die Gemeinschaft da ist, betont Verbandschef Paschke. „Da kann man sich nicht einigeln.“ Genau hier hakt Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ein - und bringt die Gärtner mit den Tausenden Flüchtlingen in Verbindung, die nach Deutschland kommen oder schon da sind. Sie bräuchten Brücken in die Gesellschaft: „Wer könnte diese Brücken besser schlagen als die ehrenamtlichen Vereine - vom Sport bis zu den Kleingartenvereinen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen