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Merchandising : Das große Geschäft mit Fan-Artikeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit einer breiten Palette an Fan-Produkten werben Sportklubs für sich und verdienen mit dem Verkauf Millionen

In der Breiten Straße in Rostock liegt ein kleines Paradies – genauer gesagt ein Fußball-Paradies in Blau-weiß. Denn hier ist der Fanshop des FC Hansa Rostock ansässig. Fast alles, was ein Anhänger des Traditionsklubs begehrt, ist in dem Laden zu finden.

Für den Verein ist der Verkauf von Fan-Utensilien ein lukratives Geschäft. Knapp eine Million Euro pro Jahr nimmt der FC Hansa darüber ein. Das sind rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes. „Innerhalb des Marketings nimmt das Merchandising mittlerweile einen hohen Stellenwert ein. Es ist ein wesentlicher Baustein für die Fanbindung und es werden mit dem Verkauf entsprechende Einnahmen erwirtschaftet, die insbesondere durch die geringen TV-Einnahmen in der dritten Liga zwingend notwendig sind“, erklärt Remo Kolz, Marketing-Mitarbeiter des FC Hansa. „Anders als Tickets, die nur in einer bestimmten Zahl verkauft werden können, sind Fan-Artikel ein unerschöpfliches Gut, das immer wieder nachproduziert werden kann – das Potenzial, insbesondere im sportlichen Erfolgsfall, ist daher enorm.“

Wie viel Geld sich mit Fan- Produkten verdienen lässt, machen die großen Kicker-Klubs vor. Geschätzte acht Milliarden Euro sollen sie 2012 im weltweiten Einzelhandel mit Fußball-Artikeln umgesetzt haben. Auch in Deutschland schießen die Verkäufe in den Himmel. „In der vergangenen Saison dürften die deutschen Erst- und Zweitligavereine ihre Merchandising-Einnahmen erstmals über die Marke von 200 Millionen Euro getrieben haben“, sagt Marketing-Spezialist Peter Rohlmann dem Manager Magazin: „Knapp ein Drittel davon dürfte auf das Konto des Trikotverkaufs gehen.“

Marktführer ist Real Madrid mit rund 1,5 Millionen Trikots pro Saison. Bei einem Stückpreis von 80 Euro bleiben letztlich 20 Prozent beim Klub – damit lässt sich problemlos der eine oder andere Star bezahlen. FC Bayern München, Deutschlands Topklub, vermeldete für die Saison 2012/13 Rekordzahlen. „Es wurden erstmals über eine Million Trikots verkauft. Das habe ich früher nicht für möglich gehalten, dass das einem deutschen Klub mal gelingt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Um das Ganze möglichst auszuschöpfen, bieten die Klubs Trikots in den unterschiedlichsten Varianten an. Borussia Dortmund beispielsweise offeriert Heim-, Auswärts-, Ausweich-, Europapokal- und Weihnachts-Trikot – in der Hoffnung, dass eisenharte Fans sämtliche Versionen haben möchten.

Auch beim Drittligisten Hansa Rostock gehören Trikots zu den beliebtesten Produkten – stehen sie doch für ein Höchstmaß an Identifikation mit der Lieblingsmannschaft. „Fans haben den Wunsch, ein klares Bekenntnis zum Verein abzugeben. Das gelingt mit keinem anderen Zeichen so wie mit Trikot, Cap oder Schal“, sagt Hansas Marketing-Profi Remo Kolz. Der Fan-Artikel sei daher auch ein einzigartiger Multiplikator, der nicht nur dazu beitrage, zusätzliches Geld zu erwirtschaften, sondern auch die Marke des Vereins nach außen zu tragen, verdeutlicht er.

Kompromisslose Anhänger können nahezu das gesamte Leben in Vereinsfarben bestreiten: Hansa hält unter anderem weiß-blaue Frühstücksbrettchen und Kaffeetassen mit den Konterfeis der Spieler bereit, ebenso Taschen, Bettwäsche und Uhren. Außerdem im Angebot sind Artikel rund ums Auto wie Plüschwürfel, Wackelboxer und Wimpelkette. Und auch an die jüngsten Hansa-Fans ist gedacht. So gibt es Baby-Strampler und Schnuller, auf denen das Vereinslogo, die Hansa-Kogge, prangt.

Wenn es um den Kauf des richtigen Fan-Artikels geht, gibt es durchaus Unterschiede zwischen Frauen und Männern, weiß Anna Gratias, Verkäuferin im Hansa-Fanshop und selbst Anhängerin des Rostocker Fußballklubs, zu berichten. „Frauen kaufen gern kitschigen Kleinkram wie die Badeente oder Anziehsachen, wo das Logo dezenter abgebildet ist – eben Dinge, die alltagstauglich sind. Männern dagegen kann das Logo und der Schriftzug gar nicht groß genug sein.“ Besonders nachgefragt seien derzeit Mützen – passend zur Jahreszeit, so Shop-Leiterin Birgit Rahn. Seit 18 Jahren versorgt sie die Hansa-Anhänger mit Fan-Utensilien und hat dabei so manche Kuriosität verkauft. „Wir hatten auch schon mal Kondome im Sortiment “, erzählt sie.

Dass es quasi nichts gibt, auf das sich kein Klub-Logo drucken, sprühen oder dübeln ließe, beweisen auch andere Fußballvereine. Ein Lizenznehmer von Borussia Dortmund beispielsweise hat für seine ältesten Fans einen BVB-Rollator im Angebot. Fortuna-Düsseldorf zeigt ein Herz für Tiere und bietet ein Vogelfutterhaus an. Skurril geht es international zu. Der russische Erstligist ZSKA Moskau verkauft zum Beispiel eine Gummi-Pferde-Maske, mit der Fans problemlos den eigenen Nachwuchs traumatisieren könnten. Leeds-United bietet für die Kleinsten Schwimmflügel an, Coventry-City Bauarbeiterhelme.

Aber nicht nur Fußballvereine haben das Geschäft mit den Fan-Artikeln als Einnahmequelle für sich entdeckt, auch andere Sportklubs nutzen die Sympathie der Anhänger, um damit Geld zu verdienen. Der Schweriner SC beispielsweise vermarktet seine erfolgreiche Frauen-Volleyballmannschaft in einer breiten Produktpalette. So findet sich das Gesicht jeder Spielerin unter anderem auf SSC-Kaffeetassen wieder oder auf Handy-Hüllen. Am beliebtesten seien aber Fanschals, Promospielbälle und Schlüsselanhänger in Form des Vereins-Maskottchens Volleo, erzählt Marten Banczyk, verantwortlicher Mitarbeiter für das Marketing beim SSC.

Seinen Angaben nach gehe es beim Verkauf der Fan-Artikel in erster Linie um Imagewerbung für den Verein: „Der Anteil des Fan-Artikel-Verkaufs am Gesamtumsatz ist nur ein Bruchteil und dient nicht der Gewinnsteigerung, sondern rein der Fan-Befriedigung.“ Für die Fans seien die Produkte eine tolle Möglichkeit, etwas von ihrem Verein mit nach Hause zu nehmen. Die Nachfrage reiche über die Landesgrenzen hinaus.

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 16.Jan.2014 | 11:45 Uhr

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