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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 05:59 Uhr

Pasewalk : Das große Fischsterben

vom

Grund war eine Großmenge Alkohol aus Bioethanolwerk. Im Prozess weisen Mitarbeiter Vorwürfe zurück.

svz.de von
erstellt am 02.Nov.2017 | 20:45 Uhr

Im Prozess um die Panne in der Ethanolfabrik Anklam, die 2015 ein Fischsterben in der Peene auslöste, haben die Angeklagten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Nach Darstellung der drei Männer ist es durch eine Verkettung unglücklicher Umstände zum Austritt des hochkonzentrierten Alkohols in die Peene gekommen, hieß es zum Prozessstart gestern  am Amtsgericht Pasewalk.  Dem 35-jährigen damaligen Produktionsleiter und zwei 47 und 32 Jahre alten Anlagenfahrern wird fahrlässige Gewässerverunreinigung vorgeworfen.

Sie sollen dafür verantwortlich sein, dass nach einer Panne bei der Revision von Sicherheitsventilen vom 28. bis 31. August 2015 mehr als 112 000 Liter Ethanol aus Produktionstanks vom Gelände der Zuckerfabrik, zu der das Werk gehört, in die Peene gelangten. Das war aber nur möglich, weil eine weitere Klappe in einem anderen Überlaufbecken geöffnet war, von der niemand gewusst haben soll. Von dort floss der Alkohol mit Regenwasser statt in die betriebseigene Klärung, wie alle anderen Leitungen, in ein Rohrsystem nach außen.

Das hatte über eine Straßenentwässerung und einen Graben Verbindung zur Peene. Dies wurde inzwischen gekappt.   Damals wurde tausende tote Fische entdeckt. Die Suche nach der Ursache des  Lecks dauerte  mehrere Tage. Laut Anklage sollen rund 18 Tonnen Fisch durch den Alkohol verendet sein. 4,4 Tonnen Fisch wurden geborgen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Männern unterschiedliche Schuld an dem Vorfall vor. So soll der 32-jährige Arbeiter einer Fremdfirma einen Absperrhahn und eine Klappe geöffnet haben, durch die später das Gros des Ethanols ausgetreten sein soll. Beide Stellen blieben auch nach der Revision, die am 28. August endete, offen. Die Ethanolanlage wurde dann wieder angefahren. Der 32-Jährige bestritt, für die Kontrolle der Revisionsarbeiten zuständig gewesen zu sein.

Den beiden anderen Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft vor, am Abend des 31. August keine klaren Anweisungen an die Nachtschicht im Bioethanolwerk gegeben zu haben. An dem Tag war die Produktion bereits heruntergefahren worden, weil noch immer nicht ganz klar war, wo das Leck ist. Die Nachtschicht soll aber, obwohl das Werk bereits heruntergefahren war, noch einmal Ethanol vom Tages-Tank in den größeren Lagertank umgepumpt haben. Dabei gelangten noch einmal mehr als 10 000 Liter Ethanol in die Peene.

Der 47-jährige Anlagenfahrer und der 35-jährige Ethanol-Produktionsleiter wiesen die Anklage zurück. Der 47-Jährige erklärte, für ihn sei klar gewesen, dass ein Produktionsstopp angeordnet war und nichts mehr angeschaltet werde. Er habe den Geschäftsführer der Zuckerfabrik Matthias Sauer am 31. August abends noch in das Werk gebeten und dieser habe unmissverständlich erklärt, dass nichts mehr angeschaltet werden soll. Der Ex-Produktionsleiter sagte, er habe die Anweisung nach Produktionsstopp weitergegeben und war an dem Abend gar nicht mehr im Werk.

Das Gericht wollte am Nachmittag die ersten Zeugen hören, darunter auch den Technischen Leiter des Werkes. Der Geschäftsführer Sauer ist bei der Fortsetzung am 6. November als Zeuge geladen.

Ein Urteil soll frühestens am 20. November fallen. Auf fahrlässige Gewässerverunreinigung steht nach Angaben des Gerichtssprechers Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.

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