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Autobahnbaustellen belasten Tourismus : Das große Bangen vor 2018

vom
Aus der Onlineredaktion

Bauarbeiten auf der A19 und bei abgesackter A20: Schwere Auswirkungen auf Urlaubssaison befürchtet

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Die Bilder von der eingebrochenen Autobahn 20 bei Tribsees machen auch noch nach Tagen fassungslos. Wie kann so etwas nur passieren, fragen sich die Menschen kopfschüttelnd. Eine umfassende Antwort darauf kann es erst geben, wenn das vom Land bestellte Gutachten vorliegt. So lange dürfen die Verantwortlichen mit dem Handeln nicht warten, fordert der Vorsitzende des Landestourismusverbands, Wolfgang Waldmüller. Das Land müsse ganz schnell aus dem Erschrecken heraus, denn die Zeit laufe – mit Blick auf die nahende Urlaubssaison 2018 – davon. Denn wegen der Bauarbeiten bei der Petersdorfer Brücke auf der A19 gibt es nun ein zweites Nadelöhr, durch das sich die Urlauber quälen müssen. Dort ist für 2020 das Bauende anvisiert.

In den vergangenen Tagen war auf der Fahrspur in Richtung Rostock auf einer Länge von etwa 100 Metern die Autobahn abgebrochen. In diesem Abschnitt ist ein nun riesiges Loch von etwa 10 Metern Breite, 40 Metern Länge und durchschnittlich 2,50 Meter Tiefe entstanden. Grund ist vermutlich eine sogenannte Torflinse, über die die Autobahn verläuft. Der Verkehr Richtung Rostock wird umgeleitet, der in Richtung Stettin ist noch auf einer Spur möglich.

 

„Die Lebensader A20 muss funktionieren“, sagt Waldmüller und spricht von einem Fiasko. Die notwendigen Bauarbeiten müssten umgehend zur Chefsache erklärt werden, bei der neben Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in der Pflicht ist. Natürlich müsse Ursachenforschung betrieben werden. Aber unter Umgehung sämtlicher Fristen müsse rasch begonnen werden, eine Ersatzstraße zu bauen, damit ein Übergang geschaffen wird, fordert Waldmüller. Schon in der kommenden Landtagswoche werde ein Antrag eingereicht, um die Dringlichkeit noch einmal allen klar zu machen.

Der Tourismuschef fürchtet, dass unter Einhaltung des regulären Behördengangs und Ausschreibungen auch in fünf Jahren noch keine befahrbare Straße da ist. „Wir müssen sofort reagieren.“ Dabei dürfe der Blick auf die Kosten keine Rolle spielen. „Die Verluste für die Wirtschaft und den Tourismus sind weitaus größer.“

Die Belastungen vor allem für die Anwohner an der Umleitungsstrecke sind immens – auch durch die vielen Lastwagen, die sich durch die teils schmalen Straßen quälen müssen. Dafür können die LKW-Fahrer nichts, betont der Geschäftsführer des Landesverbands des Verkehrsgewerbes, Norbert Voigt. „Aber die haben ja sowieso den schwarzen Peter.“ Für die Vorsitzende des Steuerzahlerbundes in MV, Sophie Mennane-Schulze, ist klar, dass egal, welche Lösung sich schnell oder in einigen Jahren durchsetzen wird, der Steuerzahler letztlich die Kosten tragen wird. „Sämtliche Haftungsfristen gegenüber den Bauverantwortlichen sind abgelaufen.“ Der Autobahnplaner Deges geht von einer fünfjährigen Regresszeit aus. Die ließe sich laut Mennane-Schulze nur verlängern, wenn ein vorsätzliches Fehlverhalten vorliegt. Mennane-Schulze erinnerte an den Brüllbeton bei Schönberg oder die Asphaltblasen ebenfalls zwischen Lübeck und Wismar. „Da hätte man vermutlich eine Stufe höherwertig bauen können.“ Es stelle sich die Frage nach dem Sinn dieser Art der Ausschreibung, wenn der Güns-tigste genommen wird und letztlich Probleme auftauchen. Auch Pegel hatte angesichts des Dramas gesagt: „Wer billig kauft, kauft doppelt.“

 

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