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Tornado verwüstet Bützow : Das große Aufräumen

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Zwölf Gebäude in Bützow weiterhin gesperrt . Die Schadenshöhe ist weiter völlig unklar.

von
erstellt am 07.Mai.2015 | 21:00 Uhr

Die Stadt Bützow ist zwei Tage nach dem verheerenden Tornado weit von der Normalität entfernt. Die Durchgangsstraße ist wegen herabstürzender Ziegel weiterhin für den Autoverkehr gesperrt. Eventuell wird die Trasse am Abend wieder geöffnet, heißt es aus dem Landratsamt. „Dafür sind derzeit etwa 100 Einsatzkräfte mit Sicherungsarbeiten beschäftigt“, sagt der Landrat des Kreises Rostock, Sebastian Constien (SPD), gegenüber unserer Redaktion. Die meisten von ihnen sind Mitglieder freiwilliger Feuerwehren aus Bützow und Umgebung. Aber auch zahlreiche Helfer leisten Unterstützung.

Am Nachmittag müssen vorübergehend auch für Fußgänger Teile der Innenstadt gesperrt werden, weil ein aufkommender Wind wieder lose Ziegel von den Dächern weht.

Die Stadt gleicht einer riesigen Baustelle. Einige Dächer sind sogar schon wieder vollständig repariert. „Eine gut vernetzte Bützower Dachdeckerfirma hat befreundete Unternehmen um Hilfe für die Stadt gebeten“, erklärt uns der Bützower Bürgermeister Christian Grüschow (parteilos). Das habe gut funktioniert. Fast zwei Dutzend Dachdeckerfirmen arbeiten inzwischen in der leidgeprüften Stadt. „Die Hilfe, die hier geleistet wird, ist beeindruckend“, meint Landrat Constien.

Von den bislang 123 als beschädigt gemeldeten Gebäuden in der Stadt sind noch 12 einsturzgefährdet. Neben einem Anbau der Warnow-Klinik dürfen ein Einkaufsmarkt, eine Schule, ein Gebäude des DRK und mehrere Wohnhäuser nicht betreten werden. Dagegen gaben die Behörden vier Gebäude, die gestern noch gesperrt waren, nach Sicherungsarbeiten wieder frei. Auch an dem Gebäude unserer Redaktion vor Ort wurde gestern das Dach wieder gesichert. Die Notunterkunft in einer Turnhalle für obdachlos gewordene Bützower ist wieder aufgehoben worden. Die Wohnungsgesellschaft konnte die sechs Betroffenen kurzfristig mit Wohnraum versorgen. Sie erhielten alle Wohnungen in der Stadt. Die meisten Geschäfte in der Innenstadt haben inzwischen wieder geöffnet.

Auch die Verwaltung ist von Normalität noch weit entfernt. „Von den 55 Angestellten sind aktuell mehr als die Hälfte ausschließlich mit den Folgen des Tornados beschäftigt“, sagt Bürgermeister Grüschow. Immer wieder brauchen Bürger Hilfe. „Unser Bürgertelefon klingelt den ganzen Tag ununterbrochen“, berichtet der Bürgermeister. Viele Anrufer suchen eine Dachdeckerfirma oder fragen, wann die Feuerwehr endlich die losen Ziegel von ihrem Dach holt. Nicht immer können die Angestellten helfen.

In den beiden Grundschulen fällt der Unterricht auch weiterhin aus. Räume für die Betreuung der Kinder im Bedarfsfall sind allerdings eingerichtet worden. Im Gymnasium, das etwas außerhalb der Stadt liegt und kaum Schäden hat, kann dagegen uneingeschränkt unterrichtet werden. Dort gehen sogar die Abiturprüfungen planmäßig weiter.

Über die Gesamtkosten der Schäden kann bislang niemand auch nur vage Angaben machen. Selbst der Schaden allein an den öffentlichen Gebäuden ist noch unbekannt. „Die Gutachter sind unterwegs, auf Ergebnisse werden wir aber noch einige Tage warten müssen“, sagt Bürgermeister Grüschow. Vergleichbare Katastrophen hat es in den letzten Jahrzehnten auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns nicht gegeben.

 

Weitere Artikel über die Unwetterschäden im Land finden Sie auf unserer Dossierseite zu dem Thema: www.svz.de/tornado

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