Altersbezüge : Das große Aber hinter dem Rentenpaket

 Grafik: denny schröter                                                              
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Deutschland ist 25 Jahre nach dem Mauerfall bei den Altersbezügen noch immer zweigeteilt – nicht nur im Osten wird das als ungerecht empfunden

svz.de von
01. Juli 2014, 11:50 Uhr

Für die gut 20,5 Millionen Rentner in Deutschland gibt es zum 1. Juli mehr Geld. Im Osten beträgt die Anhebung 2,53 Prozent, im Westen 1,67 Prozent. Bei einer Monatsrente von 800 Euro führt das zu einem Aufschlag von brutto 20,24 Euro im Osten und 13,36 Euro im Westen.

Trotz einer schrittweisen Angleichung ist ein Rentenpunkt Ost mit 26,39 Euro für ein Jahr mit Durchschnittsverdienst künftig immer noch 7,8 Prozent weniger wert als ein Rentenpunkt West mit 28,61 Euro. 1287 Euro gegen 1187 Euro - das sind ab heute die Standardrenten für West- und Ostdeutschland. Der Ostwert liegt 100 Euro unter dem Westwert – der Unmut darüber ist hier groß.

Tatsächlich scheint 25 Jahre nach dem Mauerfall die Zeit überreif für die Einheit auch bei der Rente. Viele in den neuen Ländern – allen voran die Linkspartei – fordern schon lange ein in Ost und West einheitliches Rentenrecht. Dass ein Standardrentner in Rostock nach 45 Jahren mit Durchschnittslohn immer noch 100 Euro weniger bekommt als sein Altersgenosse in Stuttgart, hält der Rentenexperte der Linken, Matthias W. Birkwald, für nicht mehr akzeptabel: „Das war ungerecht, das ist ungerecht, und das bleibt ungerecht.“ Doch die Ostrentner werden noch einige Jahre damit leben müssen. Denn auch die schwarz-rote Koalition hat die Lösung des hochkomplexen Problems aufgeschoben – bis Ende 2019. Dann läuft auch der Solidarpakt aus. Erst dann soll laut Koalitionsvertrag gleiches Rentenrecht in Ost und West herrschen.

Dass die Sache nur im Schneckentempo vorankommt, hängt mit dem in Ost und West immer noch unterschiedlichen Lohnniveau zusammen. „Die Relation gegenüber Westdeutschland hat sich ... mit etwa 80 Prozent seit Mitte der 90er Jahre nicht wesentlich verändert“, beschreibt die Bundesregierung im letzten Jahresbericht zur Deutschen Einheit die Entwicklung. Mit anderen Worten: Die Löhne und Gehälter im Osten hinken weiter hinterher. Und das spiegelt sich in der Rente wider. Wer im Arbeitsleben mehr als der Durchschnitt verdient, also mehr in die Rentenkasse einzahlt, bekommt mehr Rente. Wer weniger verdient, bei dem ist es umgekehrt.

Das Lohnniveau lag in den neuen Ländern im Jahr 1992 im Durchschnitt um 44 Prozent unter dem Westniveau. 2014 sind es noch knapp 19 Prozent. Damit fallen Ost-Renten rechnerisch automatisch niedriger aus.

Beschäftigte mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von aktuell 34 857 Euro bekommen dafür genau einen Entgeltpunkt für die Rente gutschrieben. Wer 45 Jahre immer durchschnittlich verdient, hat am Ende des Beruflebens 45 Rentenpunkte. Jeder von diesen hat im Westen einen Wert von 28,61 Euro, im Osten sind es 26,39 Euro. 45 Beitragsjahre ergeben damit die Standardrente von 1287 Euro im Westen und von 1187 Euro im Osten. Die Differenz beträgt 7,8 Prozent. Zum Vergleich: 1992 lag sie noch bei knapp 40 Prozent.

Um den Nachteil zu kompensieren, vereinbarten die Väter des Einheitsvertrages, Ostlöhne und -gehälter für die Rente aufzuwerten, so lange die Differenz bei den Durchschnittseinkommen noch besteht. Derzeit wird um 18,73 Prozent aufgewertet. Das Problem dabei: Die Aufwertung gilt generell – und führt dazu, dass bei gleichen Einkommen Ost-Beschäftigte besser dastehen als ihre West-Kollegen. Ein Beispiel: 2000 Euro Monatslohn werden im Osten so bewertet als wären es 2374,60 Euro. Trotz des niedrigeren Rentenwertes Ost erhalten dadurch die Beschäftigten hier einen höheren Rentenanspruch als die West-Kollegen mit gleichem Gehalt. Der Nachteilsausgleich hat sich in diesen Fällen zu einem vom Gesetzgeber nicht gewollten Vorteil umgekehrt: Für das gleiche Geld gibt es in Rostock mehr Rente als in Stuttgart. Dies empfinden Westler als ungerecht. Die Linkspartei pocht darauf, den Rentenwert Ost umgehend an den West-Wert anzugleichen, die Lohn-Aufwertung aber beizubehalten. Das freilich würde bestehende Verwerfungen noch einmal verstärken. „Man schafft also eine neue Ungerechtigkeit, nämlich für die Westrentner und Westrentnerinnen“, kritisiert der CDU-Rentenexperte Peter Weiß das Linken-Konzept. Das würde nach Rechnung Birkwalds „jede Steuerzahlerin und jeden Steuerzahler in diesem Jahr durchschnittlich nur 1,80 Euro im Monat kosten“, sei also finanzierbar.

Die Herstellung gleichen Rentenrechts muss nach den Worten von Weiß zum Ziel haben, „dass jeder in die Rentenversicherung einbezahlte Euro das gleiche wert ist - im Osten und im Westen“. Und: „Zielmarke ist das Jahr 2019.“

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