Menschliche Überreste in Flugzeugwrack gefunden : Das Geheimnis der Ju 87 vor Rügen

<fettakgl>Der Motor</fettakgl> der Ju 87 wird geborgen. <foto>Foto: dpa</foto>
Der Motor der Ju 87 wird geborgen. Foto: dpa

Bei der Bergung eines im Zweiten Weltkrieg in die Ostsee gestürzten Sturzkampfbombers (Stuka) Junkers 87 sind Taucher gestern erstmals auf menschliche Überreste gestoßen. Im Cockpit des Wracks fanden sie einen Knochen.

svz.de von
14. Juni 2012, 11:28 Uhr

Sassnitz | Bei der Bergung eines im Zweiten Weltkrieg in die Ostsee gestürzten Sturzkampfbombers (Stuka) Junkers 87 sind Taucher gestern erstmals auf menschliche Überreste gestoßen. Im Cockpit des in 18 Metern Tiefe liegenden Wracks fanden sie einen Knochen, den ein Taucherarztgehilfe inzwischen als Oberschenkelknochen identifiziert hat, wie Bundeswehrsprecher Sebastian Bangert bestätigte.

Die Suche wurde daraufhin zunächst eingestellt. Ein Umbetter des Volksbundes für Kriegsgräberfürsorge wurde über den Fund informiert, um die Bestattung vorzubereiten. Man habe mit großer Wahrscheinlichkeit die menschlichen Überreste des Piloten oder Copiloten entdeckt, sagte Bangert. Der Fund lege nahe, dass die Besatzung seinerzeit bei der Notwasserung ums Leben gekommen sei. "Wir werden am Donnerstag die Untersuchungen am Wrack fortsetzen und hoffen, auch die Erkennungsmarken der Männer zu finden." Anhand der üblichen persönlichen Metallmarken könne die Identität der Opfer festgestellt und möglicherweise könnten auch deren Angehörige ausgemacht werden.

Unterdessen rätseln die Bergungsspezialisten über die Absturzursache. Bislang seien weder Einschusslöcher noch Bomben oder Munition gefunden worden, sagte Sebastian Bangert, Sprecher des Militärhistorischen Museums Dresden, das die Maschine restaurieren will. Der hölzerne Propeller sei regelrecht abrasiert worden, was darauf deute, dass die tonnenschwere Maschine seinerzeit mit voller Wucht auf die Wasserfläche aufgeschlagen sei. Einiges deute darauf hin, dass die Landeklappen ausgefahren waren, der Pilot also möglicherweise nur zehn Kilometer von Sassnitz entfernt notwassern wollte.

Unklar ist bislang auch, warum die Maschine offenbar nicht mit der typischen Bewaffnung wie dem üblichen Zwillings-Maschinengewehr MG 81 bestückt war. Möglicherweise habe es sich seinerzeit lediglich um einen Überführungsflug gehandelt, sagte Bangert. Eine andere These gehe davon aus, dass die Besatzung mit der waffenlosen Maschine kurz vor der Kapitulation Deutschlands 1945 auf dem Rückflug aus den besetzten Gebieten und wegen Treibstoffmangels abgestürzt war. Möglicherweise sei die Besatzung aus dem Kurlandkessel in Litauen geflohen.

Die Reste des Wracks sollen zum Museumsflugplatz des Militärhistorischen Museums Dresden in Berlin Gatow gebracht und dort für eine Ausstellung restauriert werden. Militärexperten schätzen den Fund, da von den ursprünglich rund 5700 gebauten Stukas heute weltweit nur noch zwei Maschinen in Museen in Chicago und London existieren.

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