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Russlandtag in Rostock : Das ganz große Rad drehen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beziehungen zwischen Putins Reich und der EU deutlich abgekühlt. Zweiter Russlandtag in Rostock sollte Brücken bauen

In Rostock wird zu Beginn des Russlandtags mit russischer Hilfe am großen Rad gedreht. Die Deutsche Großwälzlager GmbH nahm gestern offiziell die Produktion auf. Das Tochterunternehmen der Kirov-Werke in Sankt Petersburg fügt riesige Metallkränze zu Lagern zusammen, die in Windrädern, Krantürmen oder Tunnelbohrern eingesetzt werden. Mehrheitsgesellschafter ist der russische Investor Georgi Semenenko, einflussreicher Vorstandsvorsitzender der Kirov-Werke.

Der feierliche Produktionsstart fällt wohl nicht zufällig mit dem zweiten Russlandtag in der Hansestadt zusammen. Neben Politprominenz sind 600 Vertreter von Wirtschaft und Verbänden beider Länder nach Rostock gekommen, um über ihre Zusammenarbeit in der politisch gegenwärtig eher schwierigen Zeit zu reden. Wegen der Ukraine-Krise bestehen seit gut zwei Jahren wechselseitige Handelsbeschränkungen zwischen Russland und den Ländern der EU. Die Wirtschaft beklagt Milliardenverluste, die von russischer Seite für die EU mit 100 Milliarden und für Russland selbst mit 40 Milliarden Euro angegeben werden.

Zwar hebt Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) als Initiator den eher regionalen Charakter des Russlandtags in Rostock hervor. Doch nutzen neben ihm Vertreter der russischen Regierung die Bühne ebenfalls, um ein bisschen auch am großen politischen Rad zu drehen. So beklagt Russlands Industrieminister Denis Manturow, dass die „geopolitischen Beschränkungen“ die Wirtschaftsbeziehungen stark belasten würden. „Die vielen Teilnehmer am Russlandtag zeigen aber, wie groß der Bedarf seitens der Unternehmer in Deutschland und Russland ist, ihre Beziehungen weiterzuentwickeln“, sagt Manturow.

Er wirbt um Investitionen in seinem Land, vor allem im Bereich der Hochtechnologie, in dem Russland deutsche Firmen als seinen wichtigsten Partner sehe. Der Staat sei bereit, industrielle Investitionen zu fördern, betont der Minister und verweist auf Änderung in Steuer- und Zollrecht. „Wir zwingen niemandem die Partnerschaft auf. Wir werden uns in unserer Arbeit auf die Firmen konzentrieren, die bewusst die Wahl Russland treffen und ihre Zukunft mit der Zukunft unseres Landes verbinden“, macht Manturow aber auch deutlich. Zudem kündigte er verstärkte Bemühungen russischer Firmen im Ausland an.

Symbolträchtig soll das neue Werk in Rostock zeigen, dass ungeachtet aller Beschränkungen die Wirtschaft gut kooperieren kann. Rund 15 Millionen Euro kostete das Werk, 30 Menschen fanden Arbeit. Es sollen mehr werden. Sellering, der gemeinsam mit Manturow an der Betriebseröffnung teilnahm, sieht die Ansiedlung als Erfolg seines russlandfreundlichen Kurses. „Diese Standortentscheidung ist ein konkretes Ergebnis des Russlandtags vor zwei Jahren“, betont er.

Aller Kritik und allen politischen Widerständen zum Trotz hatte er 2014, unmittelbar nach Verhängung der Handelsbeschränkungen, den ersten Russlandtag in Rostock veranstaltet. Nicht zum Schaden seines Landes. Der Rohölimport über den Rostocker Hafen erreichte 2014 einen Rekordwert und die Russlandexporte der Unternehmen Mecklenburg-Vorpommerns wuchsen 2015 entgegen dem Bundestrend um etwa 30 Prozent.

Doch liegt das Handelsvolumen mit Russland im Nordosten dennoch unter dem Niveau früherer Jahre. Vor allem die Ernährungsgüterbranche in MV, einst einer der größten Käselieferanten für Russland, leidet unter dem als Reaktion auf die EU-Sanktionen verhängten Einfuhrverbot für Lebensmittel. „Wir alle warten darauf, dass die Sanktionen endlich fallen“, sagt Sellering. Dass zum zweiten Russlandtag neben Manturow auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) seine Teilnahme zusagte, wertet Sellering als sehr gutes Zeichen: „Ich nehme wahr, dass es auf beiden Seiten den Wunsch nach einer Wiederannäherung zwischen Deutschland und Russland gibt.“  

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