Einkaufen : Das „Fröschchen“ hat immer offen

 „Zabka“ in Slubice ist sieben Tage pro Woche offen, weil das Geschäft auch einen Paketdienst haben soll. ⇥
„Zabka“ in Slubice ist sieben Tage pro Woche offen, weil das Geschäft auch einen Paketdienst haben soll. ⇥

Mit welchen Tricks manch polnische Läden das seit Kurzem geltende Sonntagsverkaufsverbot unterlaufen

svz.de von
10. Juni 2018, 05:00 Uhr

Seit März dürfen Geschäfte in Polen nicht mehr an jedem, sondern nur am ersten und letzten Sonntag des Monats öffnen. Einige Läden nutzen aber Schlupflöcher im Gesetz, um trotzdem zu verkaufen.

„Ja, bei uns können Sie auch Pakete aufgeben und abholen.“ Der Besitzer des Ladens der Marke „Zabka“ in Slubice, der nur seinen Vornamen Jerzy verrät, schmunzelt, als ihm die Frage gestellt wird. Daran, wann hier zum letzten Mal jemand ein Paket abgegeben hat, kann er sich beim besten Willen nicht mehr erinnern.

„Polak potrafi“ – „Der Pole weiß sich zu helfen“ – lautet eine Redewendung, die im Nachbarland oft zu hören ist. Und so hatten viele Polen keine Mühe, im Gesetz zum Sonntagsverkaufsverbot, das im Frühjahr nach jahrelangen Debatten in Kraft trat, Lücken zu finden. Zum einen sehen die Einschränkungen, die auf Druck der katholischen Kirche und der Gewerkschaft Solidarnosc zustande kamen, noch Übergangszeiten vor: In diesem Jahr dürfen die Supermärkte noch am ersten und letzten Sonntag jedes Monats öffnen. Im nächsten Jahr soll es nur noch ein Sonntag im Monat sein. Erst 2020 soll es höchstens noch vier verkaufsoffene Sonntage im ganzen Jahr geben.

Zum anderen haben die Kritiker des Verbots viele Ausnahmen erkämpft: Bäcker und Konditoreien, Kioske und Tankstellen, Geschäfte auf Bahnhöfen und Blumenläden dürfen weiter immer öffnen. Die Basare der Grenzorte profitieren von der Regel, dass Inhaber von Geschäften sonntags selbst arbeiten dürfen, wenn sie den Mitarbeitern frei geben. „Es wäre schlimm, wenn wir schließen müssten, sonntags kommen die meisten deutschen Kunden“, sagt einer der vielen Händler in Slubice.

Die Lebensmittel-Kette „Zabka“, die nach dem Franchise-Modell arbeitet, nutzt eine weitere Lücke: Postfilialen dürfen am siebten Tag der Woche öffnen. Und so agieren die mehr als 4000 Läden mit dem verschmitzten „Zabka“ (Fröschchen) neuerdings auch als Postdienstleister.

„Unser Management  schreibt mir nicht vor, dass ich sonntags öffnen muss“, sagt der Slubicer Ladenbesitzer Jerzy. Aber würde es sehr wohl gegen das Firmenmotto „Codzienne 6-23“ („Täglich von 6 bis 23 Uhr“) verstoßen, wenn sein Fröschchen einmal geschlossen hätte. Selbst am Donnerstag, an dem Fronleichnam als offizieller Feiertag begangen wurde, war der Laden neben dem kleinen Basar in Slubice 17 Stunden offen.

Die Gewerkschaft Solidarnosc hat bereits Protest bei der staatlichen Arbeitsinspektionsbehörde eingelegt, weil es aus ihrer Sicht offenkundig ist, dass „Zabka“-Läden keine Postfilialen sind. „Dafür müsste es nicht nur den Paketdienst, sondern noch weitere posttypische Dienstleistungen geben“, heißt es in der Beschwerde. Falls es keine Änderungen gebe, droht man gerichtlich gegen die Läden mit dem Frosch-Symbol vorzugehen. Die Arbeitsinspektion in den größeren Städten hat erste Kontrolleure losgeschickt. Bei Ladenbesitzer Jerzy in Slubice waren sie noch nicht. Was würde er ihnen sagen, wenn sie kämen? Auch auf diese Frage lächelt er und antwortet mit dem berühmten „Polak potrafi“.

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