Diese Drohne soll Rettern helfen : Das fliegende Auge

Stralsunder Forscher bauen Drohne zur Aufklärung bei Rettungseinsätzen. dpa
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Stralsunder Forscher bauen Drohne zur Aufklärung bei Rettungseinsätzen. dpa

Das von Motoren angetriebene Fluggerät wird mit einem Mini- Computer gesteuert und kann mit Kameras bestückt werden. Stralsunder Forscher testen das fliegende Auge für Retter.

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06. November 2012, 09:52 Uhr

Stralsund | Wie eine riesige Spinne steht "MORP" auf Stelzen in der Stralsunder Turnhalle. 20 Meter entfernt hantiert Jöran Pieper an einem Tablet-Computer und gibt den Befehl zum Start. An dem futuristisch anmutenden Fluggerät blitzen rote und blaue Positionslichter auf, dann surren die Rotorblätter an den acht Armen der Drohne, mit der Forscher und Studenten der Fachhochschule Stralsund den Aufklärungseinsatz bei Katastrophenfällen testen.

Mit dem Geräusch eines großen Bienenschwarms erhebt sich der Oktocopter in die Höhe und gleitet über das Handballfeld. Am Display steuert der Wissenschaftler mit einem virtuellen Joystick die Flugbahn der Drohne, bis sie geisterhaft und fast still mitten im Raum schwebt. Pieper aktiviert die Sensoren. Kurze Zeit später kann er auf seinem Tablet die gewünschten Daten ablesen.

Der Name MORP stehe für Mobile Rettungsplattform, sagt Projektleiter Christian Bunse. Vor einem Jahr, wenige Monate nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima, hatte der Stralsunder Informatikprofessor die Idee, gemeinsam mit seinen Studenten ein bezahlbares und universell einsetzbares Fluggerät für Rettungseinsätze zu entwickeln. Aus einem handelsüblichen Bausatz konstruierte das Team eine etwa 80 Zentimeter große Drohne, die über einen tragbaren Computer und eine Smartphoneverbindung in bisher nicht erreichbare Lufträume aufsteigen kann.

Bis zu zwei Kilo kann das "Fliegende Auge" heben. Es kann wahlweise mit allerlei Spezialtechnik bestückt werden. "Wir haben eine Software entwickelt, die es ermöglicht, je nach Einsatzzweck die Daten von auswechselbaren Sensoren, diversen Kameras und LED-Scheinwerfern auszulesen", sagt Bunse. So könnten zum Beispiel im Brandfall Temperaturen und Giftgaskonzentrationen gemessen werden. Zudem könnten über Minikameras Echtzeitaufnahmen und Infrarot-Wärmebilder übertragen oder zum Beispiel die Strahlung von Handys verschütteter Personen geortet werden.

"Nach einem Kreideabbruch an Rügens Küste wie zuletzt im Dezember, als am Kap Arkona die kleine Katharina ums Leben kam, könnten sich die Helfer mit unserer Drohne schnell einen ersten Überblick verschaffen", verspricht Bunse. Vorausgesetzt, der Sturm sei nicht so stark, dass das Gerät ins Trudeln gerate. Mit einem Radius von 100 Metern ließe sich der Octocopter problemlos über eine WLAN-Verbindung eines Handys durch die Gefahrenzone steuern. Gekoppelt mit einem Mobilfunknetz und geeigneter Navigations-Software ließe sich das Operationsgebiet sogar noch deutlich ausweiten.

Die Kosten für eine solche Rettungsdrohne belaufen sich nach Angaben der Erfinder auf etwa 2500 Euro, mit entsprechender Sensorik auf das Doppelte. "Wenn das Gerät in Serie gefertigt würde, dürfte es mit geschätzten 3000 Euro deutlich billiger ausfallen", sagt der Experte. "Im Prinzip könnten damit zum Beispiel jede Berufsfeuerwehr und jeder Einsatzzug des Technischen Hilfswerks (THW) ausgerüstet werden."

Ihren Prototyp wollen die Studenten bis Mitte 2013 komplett einsatzfähig haben. Bis dahin tüfteln sie noch an diversen Steuerproblemen, automatischen Start- und Landeabläufen und einer Videoübertragung mit bis zu 30 Bildern je Sekunde. Getestet wird derzeit auch der Flug per Autopilot anhand vorgegebener satellitengestützt abrufbarer Koordinaten im Freien, aber auch innerhalb von Gebäuden. Die Nonstop-Flugzeit soll auf bis zu 40 Minuten ausgedehnt werden.

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