zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 05:42 Uhr

Stasi-IM : Das Ende des IM „Mike König“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Städtetag setzt Geschäftsführer vor die Tür – Gesellschaft sucht neuen Umgang mit einstigen Stasi-Zuträgern

svz.de von
erstellt am 21.Okt.2014 | 21:45 Uhr

25 lange Jahre hat Michael Thomalla ein Geheimnis mit sich herumgeschleppt. Der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages MV hatte einst als Funktionär der Blockpartei LDPD den DDR-Geheimdienst als IM „Mike König“ mit Informationen über Parteiangelegenheiten und Parteimitglieder versorgt. Nur im engsten Familien- und Freundeskreis sei nach 1989 noch darüber gesprochen worden. „Ich habe darauf gesetzt, dass dieses Thema nicht mehr hochkommt“, bekannte Thomalla gestern in Schwerin.

Unmittelbar zuvor hatte ihm der Verband fristlos gekündigt. Die Sache von damals war hochgekommen. Für den Vorsitzenden des Kommunalverbandes, den Teterower Bürgermeister Reinhard Dettmann, gab es in diesem Falle keine Alternative zur sofortigen Trennung. Dabei habe weit schwerer als die Spitzeldienste von damals die falsche Versicherung gewogen, nie für die Stasi tätig gewesen zu sein. Und die hatte Thomalla nach eigenem Bekunden am 1. 1. 1991 unmittelbar nach seinem Dienstantritt 1990 als Geschäftsführer des Kommunalverbandes unterschrieben.

„Er hat seine Karriere auf einer Lüge aufgebaut“, begründete Dettmann die im Vorstand einstimmig beschlossene Kündigung. Der Vertrauensbruch sei nicht zu kitten. „Warum ist er nicht zu uns gekommen“, fragte Dettmann. Thomalla selbst begründete die Leugnung seiner Spitzeldienste mit der Angst vor Konsequenzen für sich und seine damals junge Familie. „Ich war mutlos, habe verdrängt und mich in die Arbeit gestürzt“, sagte er.

Dettmann betonte, dass für alle das gleiche Recht gelte. Selbst in der kleinsten Kommune sei einem Mitarbeiter sofort gekündigt worden, wenn sich dessen schriftliche Versicherung als falsch herausgestellt habe. Die Kündigung Thomallas fuße auf einer festen Rechtsbasis und ergebe sich aus seinem Anstellungsvertrag. „Es gab im Vorstand nie eine Diskussion, sich nicht von ihm zu trennen. Wir meinen, dass wir das auch unseren 700 Kommunen schuldig sind“, sagte Dettmann, räumte aber auch ein, dass es im Verband eine behördliche Überprüfung der Mitarbeiter auf Stasi-Kontakte nicht gab. Die Entlassung Thomallas sei ein Signal, dass auch 25 Jahre nach der Wende die Diskussion über den Umgang mit Stasi-Verstrickungen nicht beendet ist.

Thomalla äußerte sich enttäuscht über die rigorose Entscheidung der Verbandsspitze. „Bei allen Fehlern, die ich gemacht habe und zu denen ich stehe, zeigt sich, wie schwierig Vergangenheitsbewältigung nach 25 Jahren deutscher Einheit heute noch praktiziert wird“, sagte Thomalla. Er halte den von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) initiierten Weg für besser, ehemaligen Stasi-Mitarbeitern, die öffentlich bereuten und zum Gespräch mit den Opfern bereit seien, wieder Vertrauen zu schenken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen