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Einheitliche Standards für Schulabschluss beschlossen : Das Deutschland-Abitur

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Als vor zwei Wochen ein Grundschülervergleich teils gravierende Leistungsunterschiede in den Ländern offenbarte, war der Aufschrei groß. Aber wie sieht es bei Abiturienten mit den Leistungsunterschieden aus?

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erstellt am 19.Okt.2012 | 08:47 Uhr

Als vor zwei Wochen ein Grundschülervergleich teils gravierende Leistungsunterschiede in den Ländern offenbarte, war der Aufschrei groß. Bayern war wieder einmal top, die Stadtstaaten Flop. Aber wie sieht es bei Abiturienten mit den Leistungsunterschieden aus? Darüber ließ sich bislang nichts Verlässliches sagen. Von 2017 an soll sich dies ändern. Dann werden – so der Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) – in allen 16 Bundesländern vergleichbar schwere Abiturprüfungen geschrieben.

Die Kultusminister waren überaus zufrieden mit sich: Exakt fünf Jahre nach dem grundsätzlichen Ja zu einheitlichen Prüfungsanforderungen brachten sie jetzt bundesweit verbindliche Standards auf den Weg. „Das ist ein ganz wichtiger Schritt zu einer verbesserten Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen“, fasste Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) den allgemeinen Tenor zusammen.

Unterschiedliches Niveau bei deutschen Schülern

Seit Jahren hält sich hartnäckig das Gerücht, dass in dem einen oder anderen Bundesland das Abitur viel leichter zu haben ist als anderswo – auch wenn es dafür freilich keine wissenschaftlichen Belege gibt.

Wer Bildungsstudien ernst nehme, räumte KMK-Präsident Ties Rabe (SPD) gestern ein, könne nicht die Augen davor verschließen, dass die Schüler in Deutschland ein unterschiedliches Niveau hätten. Von einem „Abitur light“ in einzelnen Ländern könne aber auch keine Rede sein. Für Bayern – traditionell einer der Spitzenreiter bei ländervergleichenden Leistungstests – beeilte sich Spaenle jedenfalls zu sagen: „Die Qualität des bayerischen Abiturs bleibt erhalten.“

Ein nationales Zentralabitur wie etwa in Frankreich mit einheitlichen Prüfungen, die an einem Tag erfolgen – das wollten die deutschen Kultusminister nicht. Dagegen sprechen nicht nur die unterschiedlichen Ferienregelungen in 16 Bundesländern, auf die Wirtschaft und Tourismusgewerbe vehement pochen und die einen solchen Mammut-Prüfungstag für ganz Deutschland erschweren würden.

Zudem befürchten Schulpraktiker, dass eine zentrale Prüfungsvorgabe zwar ein Minimum an Leistung sichert, zugleich aber auch Spitzenausreißer nach oben erschwert. Doch so viel steht jetzt fest: In knapp fünf Jahren sollen an allen Schulen – mit Ausnahme der Berufsoberschulen – in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch gleich schwere Abiturprüfungen geschrieben werden. Dann sollen sich die Länder aus einem Aufgaben-Pool mit beigefügten Benotungskriterien bedienen können.

Doch ob sie dieses Angebot auch wirklich wahrnehmen und damit für ganz konkrete Vergleichbarkeit sorgen, ist den Ländern selbst überlassen. Nüchtern konstatierte Rabe: „Alles in der Kulturpolitik ist freiwillig – und das auch.“
Dies zeigt sich auch darin, dass sechs Länder in der Frage einheitlicher Abi-Standards vorpreschen, weil ihnen die Diskussion der vergangenen Jahre innerhalb der KMK nicht schnell genug vorangegangen war.

Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen sowie Hamburg wollen daher schon im Mai 2014 mit einem eigenen Aufgaben-Pool starten – und rechnen schon jetzt mit Nachahmern ihrer Planungen.

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