Das Bildungsniveau steigt

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22. Juni 2012, 07:40 Uhr

Deutschland solle sich auf den Weg machen und müsse den Anspruch haben, "Bildungsrepublik" zu werden, gab Kanzlerin Angela Merkel vor vier Jahren als Ziel aus. Doch was ist daraus geworden? Klaffen Anspruch und Wirklichkeit immer noch weit auseinander? Im Bildungsbericht 2012 ziehen Experten im Auftrag von Bund und Ländern eine Bilanz mit Licht und Schatten. Hintergründe zur Lage des deutschen Bildungssystems und zu den Perspektiven junger Menschen auf dem Ausbildungsmarkt von Rasmus Buchsteiner.

Kommt Deutschland voran in Sachen Bildung?

Zumindest sind die Bildungsausgaben in Deutschland zuletzt stärker gestiegen als das Bruttoinlandsprodukt - auf 172,3 Milliarden Euro im Jahr 2010. Der Ansturm auf die Universitäten hält an. Und das Bildungsniveau von Schulabgängern ist gestiegen: 34 Prozent verließen im Jahr 2010 die Schule mit dem Abitur, 15 Prozent erreichten die Fachhochschulreife. Erfreulich: Die Schulabbrecherquote geht allmählich zurück. 2010 beendeten 6,5 Prozent der Jugendlichen die Schule, ohne mindestens den Hauptschulabschluss erreicht zu haben. 2008 waren es noch 7,4 Prozent gewesen. In der Gesamtbevölkerung ist der Anteil derer ohne Schulabschluss und ohne Berufsabschluss aber weiter hoch: Bei den 30- bis 35-jährigen Männern sind es 17,5 Prozent.

Wie hoch ist der Anteil wirklicher Problemschüler?

Jeder fünfte Schüler in Deutschland gilt als Problemschüler - damit bestätigt der Bildungsbericht Befunde früherer Studien. Fast 20 Prozent sind leseschwach. "Es gibt eine Gruppe, die unten hängt und nicht mehr rauskommt ", erklärt Thomas Rauschenbach vom Deutschen Jugendinstitut. Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und Jugendliche aus sozial schwachen Familien verfügen "überdurchschnittlich häufig" nicht einmal über einfache Lesekompetenz, analysieren die Experten.

Dabei wächst der Anteil junger Menschen mit Migrationshintergrund stetig: Bei den unter Einjährigen sind es schon 35 Prozent.

Gibt es genügend qualifiziertes Personal?

Nein. Es fehlen Zehntausende Erzieherinnen und Erzieher, insbesondere zur Betreuung von Kleinkindern. Die demografische Entwicklung bringt weitere Schwierigkeiten mit sich: "Gegenwärtig sind 38 Prozent der Beschäftigten in allen Bildungseinrichtungen und 48 Prozent der Lehrkräfte im Schulwesen 50 Jahre und älter", heißt es im Bildungsbericht. Die zentrale Herausforderung sei es, dieses Personal zu ersetzen.

Wie gut sind die Chancen am Ausbildungsmarkt?

Angesichts gesunkener Schulabgängerzahlen sind die Chancen auf eine Lehrstelle gestiegen. Aktuell sind allein in Industrie und Handel noch mehr als 40 000 unbesetzte Lehrstellen frei. Jeder dritte Schulabgänger – jährlich rund 300 000 junge Menschen – findet keine Lehrstelle muss Warteschleifen drehen und zusätzlich gefördert werden. Darunter sind vor allem Schulabbrecher und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Trotz besserer Lage auf dem Lehrstellenmarkt werden viele Azubis nicht dauerhaft übernommen.

Nur 17 Prozent der Lehrlinge hätten eine Zusage für eine unbefristete Anstellung erhalten, so eine aktuelle DGB-Umfrage. Insgesamt würden 43 Prozent von ihren Betrieben übernommen, zum Teil aber nur für wenige Monate.

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