Haustiere in den vier Wänden : Darf Peterle in die Wohnung?

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Streitereien um Tiere in Mietwohnungen beschäftigen immer wieder die Gerichte - nun sprach der Bundesgerichtshof ein Grundsatzurteil. Ein generelles Verbot von Katzen und Hunden in Mietverträgen ist nicht zulässig.

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20. März 2013, 10:00 Uhr

Der Mann vom Mieterschutzbund sitzt in der Küche einer kleinen Wohnung in Mülheim an der Ruhr - und neben ihm steht ein Lama und schaut ihn an. Darf das sein? Streitereien um Tiere in Mietwohnungen beschäftigen immer wieder die Gerichte - gestern sprach der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein Grundsatzurteil. Es ging um die Frage, ob ein generelles Verbot von Katzen und Hunden in Mietverträgen zulässig ist.

"Es ist schon manchmal erstaunlich, was sich die Leute alles in ihren Wohnungen halten", sagt Claus Deese, Vorstand des Mieterschutzbundes in Recklinghausen. Er saß mit dem Lama in der Küche. Das Tier übrigens aß Pizza. "Wenn in einem Mietvertrag nichts Genaues zur Tierhaltung steht, muss der Mieter keine Extra-Genehmigung einholen", sagt Deese. Das gelte auch für exotische Tiere. Schwierig werde es jedoch, wenn sich andere Hausbewohner beschwerten - aus Ekel oder Furcht.

Vor dem BGH allerdings ging es nur um einen kleinen Mischlingshund in einer Wohnung in Gelsenkirchen - und um eine Klausel im Mietvertrag, die generell Hunde und Katzen verbietet. Ein Amtsgericht hatte für den Vermieter entschieden, das Landgericht für den Mieter. Jetzt steht fest: Eine solche Regelung ist unzulässig. Vermieter dürfen Hunde und Katzen laut dem gestern verkündeten Urteil des Bundesgerichtshofs nicht generell verbieten (Az.: VIII ZR 168/12). Das heißt aber nicht, dass sie generell erlaubt sind. "In vielen Fällen hat der Vermieter ein Mitspracherecht", sagt Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Ein Überblick dazu, was für welche Tiere gilt:

Kleintiere

Goldfische, Kanarienvögel, Schildkröten - diese Tiere können Mieter halten, ohne vorher den Vermieter fragen zu müssen. "Tiere, die man im Käfig halten kann, dürfen immer in die Wohnung", erklärt Happ. Vermieter hätten hier keine Handhabe, die Haltung zu verbieten. Allerdings kann die Größe der Tiere auch in dieser Kategorie eine Rolle spielen. "Bei einem ausgewachsenen Hasen, der in der Wohnung auch mal frei herumläuft, kann der Vermieter das schon kritisch sehen", gibt Happ ein Beispiel. Denn in diesem Fall könne möglicherweise die Wohnung beschädigt werden.

Hund und Katze

Grundsätzlich verbieten darf der Vermieter die Haltung laut BGH nicht. "Aber er kann die Haltung unter einen Erlaubnisvorbehalt stellen", sagt Happ. Hier stehe immer das Interesse aller Mieter im Vordergrund, nicht das Interesse des einzelnen Mieters. "Wenn sich Nachbarn durch das laute Bellen eines Hundes gestört fühlen, kann das ein Grund sein, die Haltung zu verbieten." Allerdings müssen hier alle Mieter gleich behandelt werden. "Dürfen einige Mietparteien schon Hunde oder Katzen halten, kann der Vermieter es anderen Mietern nicht verbieten", sagt Happ.

Exotische Tiere

Bei ungewöhnlichen Tieren wie Echsen oder Schlangen kommt es immer auf den Einzelfall an. "Gefährliche Tiere wie giftige Spinnen darf der Vermieter verbieten", sagt Happ. Bei ungefährlichen Exoten steht immer der Hausfrieden im Vordergrund. "Wenn die Schlange für Nachbarn unangenehm ist, kann das für ein Verbot ausreichen."

Allerdings können solche Exoten auch zum großen Problem werden. Werner Weskamp, Geschäftsführer von Haus & Grund in Essen und damit Vertreter der Hauseigentümer, erinnert sich an den Fall einer sehr giftigen Schlange, die ein Mann aus Mülheim gekauft hatte. Das Tier entwischte, und das halbe Haus musste abgerissen werden, um sie wiederzufinden; der Schadensbetrag war sechsstellig.

Mieterbund-Vorstand Deese erinnert sich an einen Fall, ebenfalls in Mülheim, bei dem ein Mieter zwölf Frettchen besaß. "Die ganze Hütte hat gestunken, ich bin rückwärts wieder raus", sagt Deese. Der Vermieter konnte dem Mann die Frettchen nicht verbieten, ihn aber auffordern, gründlich sauber zu machen. Das Lama übrigens blieb nicht in der Wohnung: Die Mieter brachten es auf einer Wiese unter.

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