Darf man Landeswald gegen Privatwald tauschen?

svz.de von
30. Januar 2013, 07:58 Uhr

Schwerin | Die Landesregierung will landeseigenen Wald südlich von Sternberg an einen privaten Landwirt abgeben. Im Gegenzug will dieser seinen Wald in der Nähe von Torgelow dem Land überlassen. Während SPD und CDU den Tausch gestern im Landtag unterstützten, blieben die Opposition aus Linken und Grünen skeptisch.

Es geht um zweimal rund 0,1 Prozent des Waldes in MV. 609 Hektar groß sind jene Flächen, die die Gut Stieten GmbH und Co.KG in der Nähe von Torgelow im Forstamt Rothemühl abgeben will. Gut Stieten gehört zwei Brüdern der Familie Rethmann, die zu den reichsten in Deutschland zählt. Die Rethmanns hätten vom Land gern Forstflächen in der Nähe ihres Betriebes südlich von Sternberg, um besser Holzwirtschaft betreiben zu können. Die Landesforstanstalt will426 Hektar Wald im Forstamt Gädebehn abgeben, die genauso viel wert sind wie jene 609 Hektar in Vorpommern: 5,25 Millionen Euro. Für Backhaus ein vorteilhafter Tausch fürs Land, denn laut Waldgesetz solle der Landeswald vermehrt werden. Außerdem werde ein Landesförster im Auftrag des Guts Stieten deren Wald betreuen. In Vorpommern sei der Tauschwald von Landeswald umgeben, so dass die zusammenhängenden Flächen besser bewirtschaftet werden könnten.

Während Beate Schlupp (CDU) Backhaus’ Pläne unterstützte, meldete Fritz Tack (Linkspartei) Zweifel an. Nicht die Größe des Waldes sei ausschlaggebend, sondern der Ertrag. Im Forstamt Rothemühl aber gebe es weit weniger wertvolle Buchen als im Forstamt Gädebehn. Da sei Vorsicht geboten. Außerdem müssten die Interessen der Anwohner berücksichtigt werden. Das Landwirtschaftsministerium versicherte indes, dass sich am öffentlichen Zugang zu den Wäldern nichts ändere, wenn der Eigentümer wechselt. Ursula Karlowski (Bündnis90/Grüne) fragte indes, ob ein privater Wald genauso gemeinwohlorientiert bewirtschaftet werden müsse wie ein landeseigener. Ungeklärt sei zudem, wie viel es kostet, aus dem bislang nicht so wertvollen Nadelbaumwald bei Torgelow einen wertvollen Mischwald zu machen. Nicht einsehen wollte Karlowski, warum das Land einem Unternehmen "kostenlos" zu einer besseren Betriebsstruktur verhelfen soll. Die Fragen kann sie in den kommenden Wochen in den Landtagsausschüssen beantwortet bekommen.

Das Gut Stieten bewirtschaftet in der Region südlich von Sternberg 1200 Hektar Land nach ökologischen Grundsätzen. Hinzu kommen vor Ort 350 Hektar Wald. Sollte der Tausch mit dem Land zustande kommen, wären es 800 Hektar Forstfläche, die sich in den Besitz in der Nähe des Gutes einfügen würden, so ein Sprecher des Unternehmens gegenüber dieser Zeitung. Dabei würden weiterhin dieselben nachhaltigen und naturnahen Vorgaben beachtet, nach denen auch die Landesforstanstalt ihre eigenen Wälder bewirtschaftet. Für die Jagd in den Wäldern würden so genannte Begehscheine an ortansässige Jäger vergeben.

Die öffentliche Debatte über den Waldtausch habe man auf Gut Stieten "mit Erstaunen" zur Kenntnis genommen, weil dieser in Fachkreisen seit über vier Jahren diskutiert worden sei. Auf keinen Fall aber, so der Unternehmenssprecher, sei Norbert Rethmann involviert, der Senior der Familie, die mit Ent- und Versorgungsfirmen reich wurde. Gut Stieten gehöre zwei Söhnen Norbert Rethmanns.

Karl-Günter Guiard vom Ökologischen Jagdverband des Landes macht der Waldtausch "nachdenklich", denn auf Anhieb mag ihm nicht einleuchten, worin der Vorteil für das Land liegt. Allerdings räumt er ein, dass die Zusammenlegung von Waldflächen eines Besitzers von Vorteil sei. Zweifellos müsse Rethmann in seinem Wald auch der Jagd nachgehen, wenn er Holzwirtschaft betreibe. Immer noch gebe es zu viel Wild, das die Blätter und Knospen kleiner Bäume abknabbert, welche dadurch verkrüppeln.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen