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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 10:37 Uhr

Damit Kinder genug zu essen haben

vom

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erstellt am 26.Nov.2013 | 09:52 Uhr

Schwerin | Ohne die Kindertafel käme Cidália Rolo kaum über die Runden. Eine Erkrankung hat die alleinerziehende Mutter von drei Kindern gerade ihren Teilzeit-Job in einer Reinigung gekostet. Herzklappenentzündung mit hohem Blutdruck. Jetzt ist die 45-Jährige arbeitslos, muss testen lassen, ob und wohin sie überhaupt noch vermittelbar ist. "Ich schlafe derzeit sehr schlecht", sagt sie. Selbst als sie noch Arbeit hatte, habe der geringe Lohn schon nicht für die Familie ausgereicht. "Anfangs habe ich mich nicht getraut, Hilfe anzunehmen", erzählt die gebürtige Portugiesin, die seit 15 Jahren in Deutschland lebt. Doch im Laufe der Zeit habe sie gelernt, dass sie sich als Alleinerziehende über jede Unterstützung freuen sollte. "Meine beiden jüngeren Kinder sind deshalb regelmäßig zum Essen hier."

Hier - das ist die Kindertafel im Schweriner Stadtteil Lankow. Hier duftet es gerade nach Kartoffelsuppe, als Cidália Rolos jüngster Sohn Max nach Schulschluss eintrifft. Der Siebenjährige stellt seinen Ranzen in die Ecke und drückt Tafelleiterin Grit Juhrke. "Wie geht es dir?", fragt sie. Max lächelt. "Gut", sagt er, nimmt am Esstisch Platz und lässt sich Suppe, Salat und Joghurt schmecken. Eine halbe Stunde später kommt auch seine Schwester Steffi dazu. Die Elfjährige umarmt die anderen Mädchen, die inzwischen eingetrudelt sind. "Unter den Kindern hat sich ein richtiger Freundeskreis gebildet", erzählt Grit Juhrke.

Geborgenheit und feste Regeln

Wärme für den Magen, Wärme für die Seele - in der Kindertafel geht es um mehr als Frühstück oder Mittagessen. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Sybille Remuß, Grit Tucholski und Sarah Meißen sorgt die Leiterin dafür, dass die 15 bis 20 Jungen und Mädchen, die teilweise täglich die Schwelle überschreiten, ein Stück häusliche Normalität betreten. Die Tafel in der umgebauten Vier-Raumwohnung mitten im Plattenbaugebiet hat von 8 bis 16 Uhr geöffnet. In der Ferienzeit ist sie besonders gut besucht.

Wer eintritt, findet eine familiäre Atmosphäre vor, einen Treffpunkt für Freunde, einen Ort zum Spielen und Lachen. Auch Hausaufgabenbetreuung für die Sechs- bis 14-Jährigen wird hier geleistet, wie Grit Tucholski erzählt. Ob Zoobesuche, Bastelnachmittage oder ein Kurzurlaub auf dem Kinderbauernhof: Je nach Spendenlage versuchen die Mitarbeiterinnen, den Kindern eine schöne Zeit zu bereiten.

Vertrauen und Geborgenheit gehören dazu. Aber auch feste Regeln, wie zwei Plakate an der Wand zeigen. "Wir waschen uns vor und nach dem Essen die Hände", steht dort beispielsweise geschrieben. Oder auch: "Wir haben vor jedem Respekt."

Sich treffen, miteinander essen, soziales Verhalten lernen. All das gehöre zur Tafel, betont eine andere Mutter, die derzeit ebenfalls keine Arbeit hat. Und genau das entgegnet sie auch jedem, der abfällige Bemerkungen darüber macht, dass ihre elf Jahre alte Tochter hierherkommt. "Ohne die Tafel wüssten die Kinder doch gar nicht mehr, wo sie in ihrer Freizeit hingehen sollten", sagt sie mit Blick auf die schrumpfenden Angebote im Stadtteil.

Bedürftigkeit hat zugenommen

Abfällige Bemerkungen, die kennt auch Cidália Rolo. Doch sie versucht, sich nicht mehr darüber zu ärgern. Das Geld, das sie durch die Tafel spart, braucht sie dringend für die Schulsachen ihrer drei Kinder. Immer wieder muss etwas Neues besorgt werden, etwas Unvorhergesehenes, das sonst ein Loch in die Haushaltskasse reißen würde.

Die Bedürftigkeit im Stadtteil hat in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen, wie Grit Juhrke bestätigt. Vor allem Arbeitslose, Alleinerziehende und Eltern mit Suchtproblemen nutzen das Angebot der Tafel. Aber auch zunehmend Geringverdiener, die jeden Cent umdrehen müssen.

"Man lernt hier, aus wenig viel zu machen", sagt die Leiterin. Da das Mindesthaltbarkeitsdatum bei den gespendeten Lebensmitteln für Kinder im Gegensatz zu denen für Erwachsene noch nicht abgelaufen sein darf, ist die "Ausbeute" nicht gerade üppig. Was morgens angeliefert wird, landet in der Regel noch am gleichen Tag im Kochtopf. Obst und Gemüse gibt es zwar immer, doch Fleisch ist Mangelware und Fisch gibt es gar nicht. Das liegt vor allem an den strengen Auflagen zur Einhaltung der Kühlkette.

Was die Schweriner Tafel mit ihren Ausgabestellen von Gadebusch bis Boizenburg deshalb derzeit besonders dringend benötigt, ist ein Kühlauto. Nur so können auch leichter verderbliche Lebensmittel die bedürftigen Kinder und Erwachsenen erreichen. Aufgrund der hohen Nachfrage von Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen wurden mittlerweile drei Kindertafeln in der Landeshauptstadt eingerichtet. Die mobile Kindertafel ist in Schwerin, Gadebusch und Ludwigslust unterwegs. Insgesamt versorgt die Tafel 1300 bedürftige Jungen und Mädchen mit Frühstückbeuteln oder einem Mittagessen.

Allen Hürden zum Trotz: "Bislang ist noch immer etwas auf den Tisch gekommen", sagt Grit Juhrke. Und den Kindern scheint es zu schmecken. Ein Nachschlag von der Kartoffelsuppe ist an diesem Tag heiß begehrt. Auch Max lässt seinen Teller noch einmal auffüllen, bevor er sich in die Spieleecke zurückzieht. Cidália Rolo weiß, dass es ihren Kindern hier gut geht, wenn sie Ärzte oder die Arge aufsuchen muss. Und sie weiß, wie sie ihre Kinder auch in Zukunft sattbekommen kann.

 

Hilfe für Bedürftige –Jeder Euro zählt

 

Die Adventszeit ist die Zeit der  Besinnung,  der Freude, der Familie und Kinder.  Doch nicht allen Eltern, Kindern und Großeltern in unserer  Gesellschaft geht es  gut.  Bei manchem reicht das Geld  nicht über die  Monatsmitte hinaus. Deshalb wollen wir gemeinsam mit unseren Lesern helfen.

Mit der diesjährigen  Weihnachts-Spendenaktion unserer Zeitung und der Tafeln  wollen wir die Arbeit von Tafel-Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern und in der Prignitz unterstützen.   Geld benötigen die Helfer vor allem für Autos, um die Lebensmittel zu den Bedürftigen transportieren zu können. Die Schweriner Tafel hat ein zentrales Spendenkonto eingerichtet. Zudem stellen die Tafel-Vereine vor Ort Sammelbüchsen unter dem Motto  „Ein Euro gegen die Armut“ auf. Helfen Sie mit, liebe Leserinnen und  Leser. Jeder Euro zählt. 

 

Spendenkonto:  

Schweriner Tafel e.V.

Ev. Kreditgenossenschaft eG

BLZ: 520 604 10

Konto-Nr.: 73 10 404

Stichwort: Unsere Hilfe für die Tafeln

 

Spendenbescheinigungen erhalten  Sie auf Wunsch von der Schweriner Tafel (Tel.0385-5006 151; E-Mail: kanis@diakonie-mv.de).

Die Spender möchten wir gern namentlich erwähnen. Wenn Sie einverstanden sind, dann stimmen Sie der Veröffentlichung Ihres Namens bitte per Vermerk im Verwendungszweck zu.

 

 

 

 

 

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