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Wirtschaftstag USA : „Da ist noch Luft nach oben“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Wirtschaftstag USA“ der IHK Schwerin wirbt für engere Zusammenarbeit

Daniel Schönfelder versteht, dass die Unternehmer in Mecklenburg-Vorpommern wegen der Geschichte des Landes eher nach Russland schauen. „Aber wir haben gerade in den USA einen sehr interessanten Markt“, betont der Geschäftsführer der „Allergo Natur“, die in Hagenow spezielle Bett- und Matratzenbezüge für Allergiker für den US-Markt herstellt. „Dieser Markt ist sicher – wirtschaftlich und rechtlich“, beteuerte Schönfelder gestern auf dem „Wirtschaftstag USA“, den die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwerin veranstaltete.

Anlass für die Veranstaltung war die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin und den USA vor 200 Jahren. Mit dem Russlandtag, zu dem die Landesregierung am Mittwoch nach Rostock eingeladen hatte, habe der USA-Tag nichts zu tun, versicherte IHK-Präsident Hans Thon. Rund 80 Teilnehmer hatten sich angemeldet. Die Hälfte von ihnen konnten dem „Unternehmer-Lager“ zugeordnet werden. Für den Russlandtag hatten sich rund 600 Unternehmer und Verbands-Vertreter interessiert.

Die USA sind laut Thon der neunt-wichtigste Exportpartner für Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern. „Da ist noch Luft nach oben“, konstatierte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Es gebe Bereiche, in denen die Zusammenarbeit vertieft werden könne. Die erneuerbaren Energien seien dafür ein Beispiel. Prognosen sagten für den US-Markt Steigerungsraten in dieser Branche voraus, die das Wachstum bei anderen Energieträgern in den nächsten Jahrzehnten deutlich übertreffen werden. „Da bieten sich Chancen etwa für die Windkraftindustrie bei uns im Land“, sagte Sellering. Auch die Medizintechnik aus Mecklenburg-Vorpommern könnte den US-Markt noch stärker nutzen.

Andererseits wünschte Sellering sich mehr Investitionen von US-Firmen in Mecklenburg-Vorpommern. Bislang haben elf Unternehmen im nordostdeutschen Bundesland amerikanische Eigentümer. Als Beispiele nannte der Ministerpräsident die TRW Airbag Systems in Laage, Caterpillar Motoren in Rostock oder MAT Foundries Europe in Ueckermünde. Außerdem sei der Kreuzfahrttourismus ein wichtiges Bindeglied zwischen Mecklenburg-Vorpommern und den USA. Jedes Jahr kämen 55 000 US-Amerikaner dadurch ins Land.

Natürlich seien deutsche Unternehmer in den USA nicht vor „Risiken und Überraschungen“ gefeit, betonte Unternehmer Schönfelder. Zum Beispiel habe seine Firma nicht damit gerechnet, dass Fax-Geräte in den USA nicht mehr genutzt werden. „Darauf musste sich der Vertrieb bei uns erst einmal einstellen.“

Der Botschafter der USA in Deutschland, John B. Emerson, warb unterdessen für das umstrittene Handelsabkommen TTIP, das derzeit zwischen der Europäischen Union und den USA ausgehandelt wird. US-Präsident Barack Obama habe sich vorgenommen, es in den verbleibenden sieben Monaten seiner Amtszeit unter Dach und Fach zu bekommen. Anderenfalls drohe es für lange Zeit auf Eis gelegt zu werden.

TTIP wird den Worten Emersons zufolge besonders für den Mittelstand beiderseits des Atlantiks Vorteile mit sich bringen, da Vorschriften gestrichen werden sollen, die den Handel erschweren. Große Unternehmen hätten genug Mitarbeiter und Produktionsmöglichkeiten, um solche Hemmnisse zu überwinden, nicht aber die kleinen. Auch gebe es keinen Grund sich zu fürchten, dass bestehende Standards gesenkt werden. Das sei weder mit dem EU-Parlament noch mit dem US-Kongress zu machen, stellte der Diplomat klar.

Emerson verwies zudem auf die strengen US-Kontrolleure. Die hätten sogar eine europäische Größe wie VW sowie auch die FIFA in Schwierigkeiten gebracht.


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erstellt am 26.Mai.2016 | 21:00 Uhr

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