zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

26. September 2017 | 00:31 Uhr

Schwerin : Cybermobbing kommt häufig vor

vom

Jugendliche und Eltern unterschätzen die Gefahr im Internet völlig. Diese Ansicht vertritt Gesa Stückmann - und dabei kann die Rechtsanwältin aus Rostock aus eigener beruflicher Erfahrung sprechen.

svz.de von
erstellt am 16.Nov.2011 | 08:19 Uhr

SCHWERIN | Jugendliche und Eltern unterschätzen die Gefahr im Internet völlig. Diese Ansicht vertritt Gesa Stückmann - und dabei kann die Rechtsanwältin aus Rostock aus eigener beruflicher Erfahrung sprechen. Gestern wurde sie beim 6. Landespräventionstag Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin zu den Themen "Web 2.0, Download, Cybermobbing" mit einem Landespräventionspreis geehrt. Übergeben wurden die Auszeichnungen von Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

Gesa Stückmann kam zum ersten Mal durch einen Fall in ihrer Kanzlei mit Cybermobbing in Berührung: Zwei Geschwister, 14 und 16 Jahre alt, wurden von einer Gruppe Siebt- bis Zwölftklässler in der Online-Community "schülerVZ" massiv belästigt und übel beleidigt. So wurde zum Beispiel vorgeschlagen, die Jugendlichen wie Hexen zu verbrennen, die Familie wurde zur Auswanderung aufgefordert. "Als Anwältin habe ich zunächst dafür gesorgt, dass die Gruppen, in denen die Beleidigungen stattfanden, bei schülerVZ gelöscht wurden", erzählte Gesa Stückmann. "Dann haben wir Unterlassungsaufforderungen verschickt." Sie rät allerdings dazu, vor allem auf Prävention zu setzen. Inzwischen hält sie Vorträge in Schulen und für Eltern, über 100 Mal war sie dieses Jahr bereits im ganzen Land unterwegs. "Über Cybermobbing müssten alle Bescheid wissen, das gehört heute zum Grundwissen", sagte Stückmann. Während Filme und Bücher vom Jugendschutz kontrolliert würden, stünde den Kindern und Jugendlichen im Internet alles offen.

Neben Gesa Stückmann erhielten auch das Computerspiel zu sozialen Netzwerken "Netzwerk-Star" von Wismarer Ingenieursstudenten sowie das Schweriner Schülerteam "Safernet" den Landespräventionspreis. Bei "Safernet" werden Jugendliche von verschiedenen Schweriner Schulen ausgebildet, um Gleichaltrige über die Möglichkeiten und Gefahren im Internet professionell aufklären zu können.

Tatsächlich sind die meisten Eltern zu naiv: 41 Prozent lassen bereits ihre 6- bis 13-jährigen Kinder ohne Aufsicht im Internet surfen. Für Mobbing bieten besonders Fotos eine Vorlage, zudem sind sie nur schwer oder gar nicht wieder zu löschen. Das scheint vielen Jugendlichen nicht bewusst zu sein: Zwei Drittel haben schon mal Fotos und Videos von sich in Netz gestellt. Auch wissen nur wenige um ihr Recht am eigenen Bild. Insgesamt nutzen 91 Prozent der 12- bis 19-Jährigen täglich das Internet. Zahlen zu Cybermobbing gebe es bisher nicht, allenfalls Tendenzen, erklärte Armin Schlender, Geschäftsführer des Landesrates für Kriminalitätsvorbeugung. Laut Landeskriminalamt gab es 2009 im Nordosten 3686 Fälle von Online-Kriminalität, meist Betrug, dazu Beleidigung oder Erpressung. 2010 waren es bereits 4853 Delikte. "Internetkriminalität hat deutlich zugenommen, das Dunkelfeld ist riesig", sagte Schlender. Soziologin Dr. Catarina Katzer schätzte aus ihrer Forschung, dass etwa ein Drittel aller 10- bis 19-Jährigen bereits Opfer von Cybermobbing geworden sei, rund 5 Prozent seien im Netz erpresst oder bedroht worden. Dass Cyber-Mobbing so verbreitet sei, erklärte Gesa Stückmann unter anderem mit der Anonymität der Täter: Sie müssten ihren Opfern nicht persönlich gegenübertreten, was die Hemmschwelle sinken lasse. Sie schlug zur Prävention vor, das Schulfach "Medienkompetenz" einzuführen. Auch müsse Cybermobbing ein eigener Straftatbestand werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen