Güstrow : Cyberknife nur für Privilegierte?

Moderne Medizin hilft gegen den Krebs: Im 'CyberKnife Zentrum' in Güstrow demonstrieren die medizinisch-technischen Assistentinnen Janine Kobylanski (stehend) und Diana Völzer (liegend) eine mögliche robotergesteuerte Strahlentherapie. Foto: dpa
Moderne Medizin hilft gegen den Krebs: Im "CyberKnife Zentrum" in Güstrow demonstrieren die medizinisch-technischen Assistentinnen Janine Kobylanski (stehend) und Diana Völzer (liegend) eine mögliche robotergesteuerte Strahlentherapie. Foto: dpa

Sie ist für viele Krebskranke die letzte Hoffnung: die robotergestützte Radiochirurgie mit dem Cyberknife in Güstrow. Der Ruf der Methode ist so gut, dass auch in Abu Dhabi ein Cyberknife Zentrum errichtet werden soll.

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09. Juli 2012, 08:00 Uhr

Güstrow/Schwerin | Sie ist für viele Krebskranke die letzte Hoffnung: die robotergestützte Radiochirurgie mit dem Cyberknife in Güstrow. So gut ist der Ruf der Methode und der Behandler, dass jetzt mit Unterstützung durch die Barlachstädter in Abu Dhabi ebenfalls ein Cyberknife Zentrum errichtet werden soll.

Im Land selbst allerdings muss Cyberknife um seinen Ruf kämpfen, denn für viele gesetzlich versicherte Patienten bleiben die Türen zum Behandlungszentrum verschlossen. Wie im Falle des Rostockers Hans-Dieter Juraschek (wir berichteten) lehnen die Kassen die Kostenübernahme ab, weil die Behandlung keine Standard-Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung ist. Lediglich die KKH Allianz, der BKK-Landsverband Nordwest, die Deutsche BKK, die Mobil und die Audi BKK haben bisher Verträge mit dem Cyberknife Zentrum abgeschlossen.

"Diese Kassen wollen ihren Versicherten bewusst die modernsten verfügbaren Verfahren anbieten", betont der Sprecher des Cyberknife Zentrums, Oliver Blanck. Auch bei den anderen Kassen sei die Akzeptanz aber gewachsen. "Wir sind zwar eine privat geführte Einrichtung, aber wir stellen keine Indikationen selbst. Das tun die Tumorboards der Unikliniken in Rostock, Greifswald, Lübeck und Kiel, mit denen wir kooperieren", so Blanck. Deren Kompetenz sei auch bei den Kassen anerkannt, so dass sie für Patienten, die auf diesem Weg nach Güstrow kämen, auch zahlten. Grundsätzlich seien allerdings nur fünf bis zehn Prozent aller Tumoren für die Behandlung mit dem Cyberknife geeignet, so Blanck.

Dass Leistungen des Cyberknife Zentrums nicht generell vergütet würden, sei der Rechtslage geschuldet, erklärt die Vertragsabteilungsleiterin der DAK Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern, Sabine Hansen. Es dürfte nur bezahlt werden, was von einem Vertragspartner erbracht wurde, also von einem Krankenhaus oder einem Vertragsarzt. "Das Cyberknife steht aber weder in einem Krankenhaus, noch wird das Zentrum in Güstrow von einem Vertragsarzt geführt." Dazu käme, dass der Gemeinsame Bundesausschuss - ein Gremium aus Leistungserbringern und -finanzierern im Gesundheitswesen - sich noch nicht zur Behandlungsmethode geäußert hätte. "Im ambulanten Bereich darf aber nur bezahlt werden, was der Ausschuss ausdrücklich genehmigt hat", so Hansen. Im Krankenhausbereich sei dagegen alles legitim, was nicht ausdrücklich verboten wurde - hier könnte auch eine Lösung für das Güs trower Cyberknife Zentrum liegen, deutet Hansen an. "Denn im Interesse unserer Versicherten wollen wir zu einer Lösung kommen." Derzeit würde man Krebskranke aus MV zu einer vergleichbaren Behandlung bis nach Krefeld schicken - ein unhaltbarer Zustand, findet auch die DAK-Vertragschefin.

"Leistungen, die im Land erbracht werden, sollten zunächst allen Menschen hier im Land zugänglich gemacht werden, bevor wir daran denken, sie zu exportieren", erneuerte Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) ihre vor wenigen Tagen im Vorfeld der Rostocker Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft geäußerte Kritik. Die Leistungen des Cyberknife Zentrums müssten so schnell wie möglich zu Regelleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung werden, appellierte die Ministerin an die Kassen.

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