Karneval MV : Cowboys ja, Terroristen nein

Zu Cowboy-Kostümen gehören Spielzeug-Pistolen oft dazu.
Zu Cowboy-Kostümen gehören Spielzeug-Pistolen oft dazu.

Karneval in MV findet in diesem Jahr unter erhöhten Sicherheitsstandards statt. Gehören Spielzeugpistolen verboten?

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21. Januar 2016, 21:00 Uhr

Die Narren in Mecklenburg-Vorpommern wollen ihren Karneval nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen feiern. Absagen von Umzügen – wie in Rheinberg in Nordrhein-Westfalen geschehen – gibt es nach Angaben des Präsidenten des Karneval-Landesverbandes, Lutz Scherling, bisher jedoch nicht.

„Wir sind närrisch, aber nicht blauäugig“, meint Scherling. Die Vereine seien noch einmal extra sensibilisiert worden. „Es wird mehr Sicherheitspersonal geben und es wurde auch schon mit der Polizei gesprochen.“ So bat der Friedländer Karneval Klub, dessen Umzug bereits am vergangenen Sonnabend stattfand, die Polizei um eine besonders starke Präsenz. „Alles lief reibungslos“, berichtete hinterher Präsident Ralf Stegk. Auch rund 50 Flüchtlinge hätten begeistert mitgefeiert.

In Rheinberg war der Karnevalsumzug aus Sicherheitsgründen abgesagt worden, unter anderem weil dort ein Flüchtlingsheim mit 500 Plätzen an der Strecke liegt. Der Verein sah sich nicht in der Lage, das von den Behörden geforderte Sicherheitskonzept zu erarbeiten.

Von einem Verbot von Spielzeugpistolen, wie sie beispielsweise zu Cowboy- oder Polizeikostümen gehören, hält Scherling nichts. Entsprechende Verordnungen wurden nicht verhängt. „Wer sich jedoch als Terrorist verkleidet, ist geschmacklos. Da sollte man schon reagieren“, so Scherling. Bisher hätte er so etwas in MV jedoch nicht erlebt. Trotz großer Kritik bieten Verkaufsplattformen wie amazon.de online nach wie vor „Terroristen-Kostüme“ an.

In den nächsten Wochen finden allein in Südwestmecklenburg vier Faschingsumzüge statt, darunter am 7. Februar der landesweit größte in Dömitz an der Elbe. Dort werden mehr als 300 Teilnehmer und fast 10    000 Zuschauer entlang der Strecke erwartet.

Die Polizei sieht erhöhte Sicherheitsmaßnahmen nach jetzigem Kenntnisstand nicht als nötig an, wie der Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust, Klaus Wiechmann, sagte. „Wir werden wie in den Jahren zuvor mit Verkehrssicherungsmaßnahmen vor Ort sein. Sollte sich eine andere Lage ergeben, werden wir reagieren.“ Das traditionelle Landespräsidententreffen am Aschermittwoch (10. Februar), das dieses Jahr in Spornitz stattfindet, wird Scherling zufolge sicherheitstechnisch besonders vorbereitet. Am Eingang werde es Personen- und Taschenkontrollen geben. „Andererseits darf sich gerade der Karneval auch nicht einschüchtern lassen“, sagte er.

Die Karnevalisten wollen ihr Brauchtum den Migranten gerne näherbringen. So sollen die in Demen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) untergekommenen Flüchtlingsfamilien zum Männerballett-Turnier am 5. März eingeladen werden. „Aber ob die Einladung angenommen wird, kann ich nicht sagen“, sagte Scherling. „Karneval ist ja kulturell eher eine ganz andere Welt.“

Den besten Weg, mögliche Hemmnisse auf beiden Seiten abzubauen, sehe er in einer Beteiligung der Flüchtlingskinder am Kinderfasching in den Kitas und Schulen.

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