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Mecklenburgischen Seenplatte : Coole Hirsche aus Mecklenburg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rentierzüchter in MV mag Eis und Schnee. Die Haltung der Tiere lernte er in der finnischen Tundra.

svz.de von
erstellt am 21.Jan.2017 | 15:45 Uhr

Fast wie zu Hause in Lappland fühlen sich Rentiere an der Mecklenburgischen Seenplatte. Bei Schnee und Eis spazieren die an extreme Kälte gewöhnten Hirsche, die in der Tundra beheimatet sind, durch das hügelige Gelände in Strasen bei Wesenberg. Seit 2009 züchten Andreas und Cornelia Hoffmann hier professionell Rentiere.

Ihre Kenntnisse eigneten sie sich am Polarkreis an: Seit Jahren hilft Andreas Hoffmann, gelernter Zoo- und Agrotechniker, mehrmals im Jahr im finnischen Kuusamo bei Rentierzüchtern der Samen, des letzten Urvolkes Europas. „Ich bin von der Sami-Familie adoptiert worden“, sagt Hoffmann nicht ohne Stolz. Durch harte Arbeit habe er das Handwerk studieren können. Sonst ließen sich Rentierzüchter nicht gern in die Karten gucken, Fremden verrieten sie nichts über ihre halb domestizierten Herden.

Seinen „Ritterschlag“ erhielt Andreas, der von seiner Sami-Familie „Ante“ gerufen wird, vor zwei Jahren. „Ich bekam meine Messer mit persönlicher Gravur überreicht und damit bestätigt, dass ich anerkannter Rentierzüchter in Finnland und auch in Deutschland bin.“ Die Messer trägt Hoffmann stets am Gürtel, wenn er sich um seine kleine Herde in dem rund drei Hektar großen umzäunten Seegrundstück kümmert.

Die Gehege-Haltung von Rentieren sei schwierig, er habe auch Rückschläge erlitten, sagt der Züchter. „Wir können hier keine Tundra nachbauen.“ In ihrer nordischen Heimat zögen die Herden frei durch die Kältesteppen und würden nur im Herbst beim „Rentier-Scheid“ zusammengetrieben. Die natürliche Nahrung bestehe aus Moosen, Kräutern, Gräsern, Pilzen, Blättern. Hoffmann füttert seine Weidetiere zusätzlich mit Rüben, Mineralien, Pellets und getrockneten Birkenzweigen.

Vor allem müsse das Gelände für die Exoten aus der Kälte vielfältig und interessant sein – kein Problem in der Landschaft der Mecklenburgischen Seenplatte, sagt der gebürtige Berliner. Wasser zum Saufen gebe es nur aus der Natur, nie aus der Leitung. Einen besonders sensiblen Umgang bräuchten trächtige Kühe – fünf Kälber würden im Frühjahr in Strasen erwartet, sagt Cornelia Hoffmann. Der Nachwuchs sei das Wertvollste. „Das Gold der Sami“, meint die Züchterin.

Kälbchen bedeuteten Zukunft, auch für ihre Farm, wissen die Hoffmanns. In den nächsten Jahren solle die Herde auf 30 bis 50 Tiere wachsen. Dann würden Mecklenburger Rentiere auch erstmals zum Schlachter gehen. Frisches Fleisch, das als mager und bekömmlich gilt, und Wurst für den Hofladen könnten selbst produziert werden.

Noch holten sie Rohwaren aus Finnland, um kulinarische Spezialitäten anzubieten. Tou- risten könnten die Tiere streicheln, im Sami-Zelt, dem „Lavvu“, übernachten oder an Trekkingtouren und bei Schnee an Schlittenfahrten teilnehmen.

Tierische Erlebnisse bietet auch Thomas Golz in der brandenburgischen Uckermark. Im Wildgehege nahe Prenzlau züchtet er nicht nur Rentiere, sondern auch Elche, Wapitis und Bisons. 130 Tiere tummeln sich derzeit auf seiner 40 Hektar großen Farm, wie er sagt. Touristen könnten von Mai bis September Führungen und Übernachtungen buchen.

Schwerpunkt sei das Trainieren von Elch, Rentier & Co. für Film und Fernsehen, sagt Golz. Eine landwirtschaftliche Fleischproduktion plane er nicht. Der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern lobt die Angebote der Rentierzüchter von Strasen als willkommene Saisonverlängerung in der kalten Jahreszeit. Wintertourismus nehme im Nordosten überproportional zu, sagt Sprecher Tobias Woitendorf. Die Gästeübernachtungen von November bis April machten 2014/15 bereits 30 Prozent aus, fünf Jahre zuvor waren es noch 25 Prozent. „Winterurlaub ist im Kommen.“ Gebannt verfolgt „Ante“ Hoffmann derzeit jeden Tag die Wettervorhersagen. Er hoffe, dass Schnee und Eis bis in die anstehenden Winterferien erhalten bleiben, sagt er.

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