zur Navigation springen

Guttenberg meldet sich zurück : Comeback-Versuch in Kanada

vom

Es ist kurz nach zwölf, als Karl-Theodor zu Guttenberg auf die Bühne zurückkehrt. Die Kameras surren, die Fotoapperate blitzen und die Moderatorin begrüßt ihn als„bedeutenden Staatsmann“.

svz.de von
erstellt am 20.Nov.2011 | 08:00 Uhr

Es ist kurz nach zwölf, als Karl-Theodor zu Guttenberg auf die Bühne zurückkehrt. Die Kameras surren, die Fotoapperate blitzen und die Moderatorin begrüßt ihn als „bedeutenden Staatsmann“. So beginnt das Comeback jenes Mannes, der einmal der große Hoffnungsträger der deutschen Politik war.
Acht Monate nach seinem Rücktritt als Bundesvertreidigungsminister tritt Karl-Theodor zu Guttenberg erstmals wieder öffentlich auf. Der Ort des Geschehens: die renommierte Sicherheitstagung „Halifax International Security Conference“. Als Vertreter einer amerikanischen Denkfabrik ist er nach Kanada gekommen, um mit etwa 300 Experten über die weltweite Wirtschaftskrise zu diskutieren.

Auf den ersten Blick ist der ehemalige CSU-Minister kaum wiederzuerkennen. Ein paar Pfunde hat er zugelegt, seitdem er wegen seiner zum Teil abgeschriebenen Doktorarbeit die deutsche Politik verließ und in die USA ausgewandert ist. Er trägt keine Brille mehr und auch kein Gel im Haar. Fast scheint es so, als wolle er mit seinem neuen Outfit deutlich machen, dass für ihn jetzt ein Neuanfang beginnt.
Als sich Guttenberg auf das Podium setzt, wirkt er zunächst ein wenig nervös. Er ahnt wohl, viele Augen in Deutschland und Europa sind auf ihn gerichtet. Der einstige Polit-Liebling beginnt die Diskussion mit ungewohnter Aggressivität. Er wettert gegen das Krisenmanagement in Europa, gegen die verantwortlichen Politiker und auch gegen die deutsche Regierung, der er bis vor Kurzem selbst noch angehört hat. Europa habe die Krise nicht im Griff und es könne kaum noch schlimmer kommen. „Es ist nicht nur eine Eurokrise oder eine Schuldenkrise“, kritisiert Guttenberg. „Es ist vor allem eine Krise des Verständnisses und eine Krise der politischen Führung.“

Guttenberg erwähnt die Kanzlerin nicht ausdrücklich, und doch wird bald klar, dass er mit der Politik in Berlin alles andere als zufrieden ist. „Ich sehe keine überzeugende Lösung, auf keiner Seite.“ Die deutschen Bürger hätten keine Vorstellung davon, welches Ausmaß die Krise habe und niemand sei in der Lage, es ihnen zu erklären. „Die Politiker erreichen die Öffentlichkeit nicht, sie erreichen die Menschen nicht.“ Ob er es besser könnte?

Ziemlich pessimistisch wirkt Guttenberg, manchmal belehrend. Im Laufe der Diskussion wird er selbstsicherer. In fließendem und akzentarmem Englisch wirft er den Deutschen vor, sie nähmen ihren Erfolg für selbstverständlich und den Europäern, sie hätten keine Visionen mehr und keine Kreativität. Toll und interessant sei es, sagt er schließlich, dass er die derzeitige Euro-Krise aus der Ferne von Washington aus beobachten könne.

Klingt so einer, der an einer Rückkehr in die deutsche Politik arbeitet? Manchmal klingt Guttenberg in der Diskussionsrunde zwar, als sei er noch Minister. Als er etwa dem Podium erklärt, warum die von ihm eingeleitete Bundeswehrreform so wichtig ist. In den meisten Momenten aber zeigt er Distanz zu seinen alten Weggefährten von einst, seinem ehemaligen Job, der Politik und wirkt beinahe ungnädig.
Etwas mehr als 75 Minuten dauert Guttenbergs erster Auftritt auf internationalem Parkett seit seinem tiefen Fall. Dann entschwindet der Rückkehrer so schnell wie er gekommen ist und verlässt Halifax. Es heißt, er würde an seinem Comback arbeiten. Ob es gelingt, bleibt offen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen