Mecklenburgisches Staatstheater : „Coitus interruptus“ im Grusical

Jekyll- und Hyde-Darsteller Marc Clear bei der Probe
Jekyll- und Hyde-Darsteller Marc Clear bei der Probe

Mecklenburgisches Staatstheater probt in Schwerin öffentlich für das Musical „Jekyll & Hyde“. Premiere am Freitag

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13. Februar 2018, 12:00 Uhr

Theaterproben durchlaufen die berüchtigten Mühen der Ebene, und in gewisser Weise haben sie auch etwas Zwiespältiges. Denn anstelle der bruchlosen Illusion erleben wir ein Hin und Her zwischen dem privaten Schauspieler und dem spielenden. Dazwischen agiert der Regisseur. In unserem Fall Kay Kuntze, Generalintendant des Theaters und der Philharmonie Altenburg-Gera. Er führt die Regie im Musical-Krimi „Jekyll & Hyde“ (oder ist es ein Grusical?) und moderierte gemeinsam mit dem Intendanten Lars Tietje die öffentliche Probe.

Noch tragen die Darsteller Alltagskleidung, und es wird nur mit Klavierbegleitung geprobt. Die großen symphonischen Mollklänge werden wir erst zur Premiere hören können. Ein Prospekt verhüllt den Guckkasten, beschrieben mit naturwissenschaftlichen Formeln. Auf Ansage des Regisseurs wird der Hänger hochgezogen und gibt den Blick in Dr. Jekylls Laboratorium frei.

Dort hockt Marc Clear, der den Doktor und Mr. Hyde spielt und singt, auf dem Boden und Marie-Theres Anselm – sie stellt Jekylls Verlobte Lisa dar – zieht sich gerade traurig und enttäuscht den Verlobungsring vom Finger. Clear alias Jekyll springt auf. Aber er liebe sie, brauche sie, ruft er. „Wenn du mich liebst...“, singt Lisa und legt den Ring fast zärtlich zurück. Dann macht der Regisseur einen Schnitt. Sinngemäß: Marie-Theres solle dem Abnehmen des Rings mehr innerlichen Ausdruck verleihen. Lisa, nein, Marie-Theres, signalisiert: „In Ordnung“ und wiederholt.

Ein großer, drehbarer Rahmen, erfahren wir, ist ein zentrales Objekt der Bühnenausstattung (Duncan Hayler). Jetzt durchschneidet er die Bühne und deutet die verschiedenen Welten von Lisa und Lucy (Femke Soetenga) an, letztere wird die Geliebte des brutalen Hyde. „Nur sein Blick“ singen Marie-Theres Anselm und Femke Soetenga getrennt und dennoch gemeinsam. Jekyll muss derweil auf die innere Streckbank, steht wie angeschmiedet an der Schmalseite des Rahmens, mit ausgebreiteten Armen zwei Ketten haltend, und Kuntze überlegt laut, ob Clear die Ketten nicht um die Arme wickeln könne. Die Szene wird wiederholt, Clear wurstelt ein wenig, aber es klappt nicht. „Das Duett ist wohl zu kurz“, sagt der Regisseur und man meint, einen Hauch von Belustigung in seiner Stimme zu hören.

Und wenig später passiert es: Clear und Femke Soetenga proben „Gefährliches Spiel“, sicher eine Höhepunktszene. Es kommt zum Liebesspiel, wenn man das so nennen will. Irgendwann liegt Lucy auf dem Boden, die Beine leicht gespreizt. Hyde beugt sich über sie... Das sollen sie bitte wiederholen, so der Regisseur. Marc Clear witzelt: „Coitus interruptus“, und beugt sich noch einmal – und da fängt die so gesangssichere und bühnenerfahrene Femke Soetenga an zu lachen. Liegt auf dem Boden und lacht und lacht…

Theatermenschen, „privat“ und in ihren Rollen, das war ein amüsanter Effekt dieser Probe. Auf die fertige Inszenierung müssen wir bis zur Premiere am Freitag warten.

„Jekyll & Hyde“, Premiere am Freitag, 16. Februar 2018, bis 28. Mai 2018 14 weitere Vorstellungen im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters


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