Chirurgen und Orthopäden führen Fehlerstatistik an

Fehlerhafte Operationen lassen Patienten besonders leiden. Foto: Archiv
Fehlerhafte Operationen lassen Patienten besonders leiden. Foto: Archiv

svz.de von
31. Januar 2013, 08:00 Uhr

Schwerin | Einen Tupfer in der Bauchhöhle vergessen, das neue Hüftgelenk nicht richtig fixiert, trotz Unverträglichkeit ein Medikament verordnet - ärztliche Behandlungsfehler sind der Albtraum jedes Patienten. Allein die AOK Nordost hat im vergangenen Jahr in fast 1400 laufenden Versicherungsfällen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin geprüft, ob Ärzte Fehler gemacht haben. Einer gestern veröffentlichten Statistik zufolge werden von der größten Krankenkasse im Nordosten jedes Jahr rund 1000 neue Patienten beim Verdacht auf Behandlungsfehler beraten, darunter sind 160 Mecklenburger und Vorpommern. Diese Zahlen seien seit Jahren relativ konstant, so AOK-Nordost-Sprecher Markus Juhls. In vier von fünf Fällen würde der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) eingeschaltet, seine Gutachter bestätigten bei jedem dritten Verdachtsfall einen Behandlungsfehler. Der Schaden ließe sich schwer beziffern, so Juhls, allein ein Geburtsfehler könne mit einem Kostenvolumen von drei Millionen Euro zu Buche schlagen. Seit 2011 habe die Dreiländerkasse vor Gerichten 7,5 Millionen Euro Schadenersatzansprüche geltend gemacht - eine Reihe von Verfahren liefen noch. Geschädigte Patienten könnten parallel zivilrechtlich Ansprüche geltend machen. Die AOK würde ihnen dabei seit zehn Jahren freiwillig zur Seite stehen - rechtlich dazu verpflichtet werden sollen die Kassen erst durch das neue Patientenrechtsgesetz, über das der Bundesrat heute abschließend befindet.

Die meisten Fehler machen offenbar Chirurgen und Orthopäden - "jeder zweite Verdachtsfall bezieht sich auf diese Fachgebiete", so der AOK-Sprecher. Auch in der Gynäkologie/Geburtshilfe und der Inneren Medizin werden besonders häufig Behandlungsfehler vermutet.

Das neue Patientenrechtegesetz sei ein erster Schritt zur Stärkung der Verbrauchersouveränität, so der Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, Frank Michalak. Er fordert aber weitere Verbesserungen. So sei im Gesetz zwar bei groben Behandlungsfehlern die Beweislastumkehr zugunsten der Patienten festgeschrieben. Es bestehe aber die Gefahr, dass das Gesetz damit teilweise hinter die bestehende Rechtssprechung zurückfällt, die Ärzte bereits stärker in die Pflicht nimmt. Halbherzig seien auch die Regelungen in Bezug auf Selbstzahlerleistungen: Nicht nur über die Kosten, sondern auch über den medizinischen Nutzen müssten Patienten aufgeklärt werden, fordert Michalak.

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