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Tödlicher Angriff : Chinaseuche im Kaninchenstall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Viruskrankheit bedroht zehntausende Tiere in MV. Die Krankheit wurde bei Routineuntersuchungen in jedem dritten Fall festgestellt

svz.de von
erstellt am 18.Jul.2017 | 20:55 Uhr

Gefahr im Kaninchenstall: Plötzliche Todesfälle binnen zwölf Stunden nach Fieber, Apathie und Fressunlust – in Mecklenburg-Vorpommern bedroht eine neue Viruskrankheit den zehntausende Tiere zählenden Kaninchenbestand. Bei seit Oktober 2016 erfolgten routinemäßigen Untersuchungen von Verdachtsfällen aus der Pathologie sei bei molekularbiologischen Tests in fast jedem dritten Fall eine neue Form der Chinaseuche, die so genannte Rabbit Haemorrhagic Disease Virus Typ 2, RHDV2, festgestellt worden, hat das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern in Rostock ermittelt. Im vergangenen Jahr seien 44 Hauskaninchen bzw. vier Wildkaninchen auf RHDV2 untersucht worden – in 15 Fällen positiv. Damit seien in 31 Prozent der untersuchten Fälle die Krankheit festgestellt worden, heißt es in dem gerade vorgelegten neuesten Verbraucherschutzbericht der Behörde. Die Krankheit scheint aber vermutlich noch weit verbreiteter, erklärte Peter Kalugin, Vorsitzender des Landesverbandes Deutscher Rassekaninchenzüchter. Genaue Daten fehlten aber, da die Chinaseuche nicht meldepflichtig sei.

Der neue Virustyp breitet sich seit Jahren in Deutschland aus. Erstmals sei der Virusstamm 2010 in Frankreich festgestellt worden, so das Landesamt. Seitdem breite sich die Krankheit rasch in Europa aus. Dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit FLI zufolge ist inzwischen in allen Bundesländern die Chinaseuche festgestellt worden – vor allem aber in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern. Im vergangenen Jahr hatten bundesweit 275 Kaninchenhalter die Krankheit gemeldet – fast doppelt soviele wie ein Jahr zuvor. In Deutschland halten organisierte Züchter etwa eine Million Kaninchen. Der Virus kam einst über den Import von Angorakaninchen aus China nach Europa. Im Land der Mitte war in den 80er-Jahren 1984 die bis dahin nicht bekannte Erkrankung erstmals bei Haus- und Farmkaninchen aufgetreten – daher Chinaseuche.

Die 1200 Züchter in Mecklenburg-Vorpommern sind alarmiert: 6000 Zuchttiere und etwa 17 500 Jungtiere werden in MV in den Kaninchenställen gehalten. Hinzu kämen Tausende Masttiere. Die neue Virusform sei gefährlich, meinte Kalugin: „Ist ein Bestand erstmals befallen, sind die Tiere in wenigen Tagen tot.“ Gerade in der Kaninchenzucht gingen so wertvolle Tiere verloren. Der einzig wirksame Schutz sei die Impfung der Tierbestände, meinte Kalugin. Damit könne die Krankheit zwar nicht besiegt, aber zumindest eingedämmt werden. „Damit lässt sich das Krankheitsgeschehen in den Griff bekommen.“ Inzwischen würden sich 90 Prozent der Züchter im Land an der Impfung ihrer Kaninchen beteiligen. Allerdings: Die große Gefahr bestehe in den Mastbeständen. Keiner könne sagen, wie sich jene Tierhalter an der Impfaktion beteiligten. Viele scheuten angesichts der relativ hohen Kosten der Impfung, die jedes Jahr neu erfolgen müsse, sagte Kalugin. Pro Tier müsse mit bis zu sechs Euro je Tier und Jahr gerechnet werden.

Die Züchter mahnen zur Vorsicht: Im vergangenen aber auch in diesem Jahr hätten eine Reihe von Zuchtschauen aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr abgesagt werden müssen, sagte Kalugin. Dabei macht der Verband keine Kompromisse: Züchter könnten mit ihren Tieren nur an den Schauen teilnehmen, wenn die Kaninchen vorher geimpft worden seien.

 

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