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Kinder-Trickfilm zum Holocaust : „Chika, die Hündin im Ghetto“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Premiere ist morgen in Wismar. MV steuerte Geld für Filmförderung bei

Batsheva Dagan hat ein Vermächtnis. Sie ist Überlebende der Judenverfolgung durch die Nazis und rastlos in ihrem Bemühen, die Erinnerung wach zu halten. Beharrlich warnt sie vor den Folgen von Hass, Ausgrenzung und Gewalt und wirbt für Mitmenschlichkeit, Achtung und Toleranz. „Man hat immer die Wahl zwischen Gut und Böse. Dafür müssen Menschen aber von Klein auf lernen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden“, sagt die 90-Jährige und begründet damit, weshalb sie sich mit dem Thema auch schon an die Jüngsten wendet. In Gesprächen, mit Büchern – und jetzt erstmals auch mit einem Puppen-Trickfilm.

Der im Hamburger Studio Trikk17 entstandene Streifen basiert auf dem gleichnamigen Buch der Kinderpsychologin und Autorin Dagan, die heute in Holon bei Tel Aviv lebt. Erzählt wird die Geschichte einer tiefen Freundschaft zwischen dem jüdischen Jungen Mikash und der Hündin Chika. Beide müssen sich trennen, um zu überleben. Denn die Familie von Mikash kann nur in einem Kellerversteck der von den Nazis angeordneten Deportation und damit dem sicheren Tod entgehen. „Wie alle meine Geschichten hat auch diese ein Happy End. Denn man darf Kindern nie die Hoffnung nehmen“, sagt Dagan.

Trotz ihres Alters kommt sie noch immer regelmäßig aus Israel nach Deutschland, um mit Schülern über ihre eigene Lebensgeschichte zu sprechen. Und, um mit ihnen gemeinsam Gedenkstätten wie das ehemalige Konzentrationslager in Ravensbrück nördlich von Berlin zu besuchen. Dort war sie auf dem sogenannten Todesmarsch, von Auschwitz kommend, im Frühjahr 1945 gelandet und hatte als eine von wenigen überlebt.

„Bald wird es aber keine Zeugen aus dieser Zeit mehr geben. Deshalb muss es Zeugen der Zeugen geben, die unsere Botschaft weitertragen“, sagt Dagan. Das sei auch der Grund, weshalb sie trotz aller Reisestrapazen immer wieder den Dialog suche. Zur Premiere des 15-minütigen Trickfilms morgen in Wismar wird sie erneut in Deutschland erwartet.

Lange war ungewiss, ob das schon 2011 initiierte Filmvorhaben überhaupt umgesetzt werden kann. „Holocaust und Kindertrickfilm – das ist eine Kombination, bei der Geldgeber doch eher zurückhaltend sind.

Der Film war uns aber ein Herzensprojekt. Wir haben nie aufgegeben und sind belohnt worden“, sagt Sabine Matthiesen, Leiterin der Kulturellen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern und Geschäftsführerin des Filmbüros MV in Wismar, wo der Film nun seine feierliche Uraufführung erleben wird. Fünf Monate lang war daran gearbeitet worden. In der zeitaufwendigen animierten Stop-Motion-Technik entstanden pro Tag gerade fünf Sekunden Film.

Laut Matthiesen steuerte Mecklenburg-Vorpommern 20 000 Euro als Filmförderung bei und finanzierte auch das Drehbuch, das Carmen Blazejewski verfasste. Mit größeren Beiträgen hätten das ZDF und das Kulturstaatsministerium in Berlin maßgeblich dazu beigetragen, die benötigten 165 000 Euro zusammenzubekommen. Geld sei schließlich auch von Stiftungen und Privatsponsoren gekommen. „Nur weil alle an einem Strang zogen, konnte dieser Film entstehen. Er zeigt, dass man Kindern dieses Thema behutsam nahebringen kann“, sagt Matthiesen.

Auch Regisseurin Sandra Schießl ist überzeugt davon, dass der Film Grundschüler weder überfordern noch verstören wird. „In Deutschland leben wir doch auf einer Insel der Ruhe, auf der Kinder glücklicher Weise sehr behütet aufwachsen“, sagt sie. Die täglichen Bilder aus den Kriegsregionen der Welt zeigten, was den Kindern dort zugemutet wird.

„Das nehmen auch die Kinder hier wahr. Und sie machen sich Gedanken“, ist sich Schießl sicher. Der Film passe daher gerade in diese Zeit der Flüchtlingsdebatte. „Denn er macht deutlich, wie wichtig es ist, selbst in schwierigen Zeiten für ein menschliches Miteinander zu kämpfen.“ Ein Urteil, zu dem auch Batsheva Dagan gekommen war, nachdem sie die Rohfassung gesehen hatte.

 

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