zur Navigation springen

Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Höchststand : Chemiekeule auf dem Acker

vom

Giftgefahr auf dem Acker: Der Verkauf von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland hat einen Höchststand erreicht. Eine deutliche Zunahme gab es auch im Agarland Mecklenburg-Vorpommern. Experten sind besorgt.

svz.de von
erstellt am 12.Dez.2012 | 06:31 Uhr

Schwerin | Giftgefahr auf dem Acker: Der Verkauf von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland hat einen Höchststand erreicht. Mit 43 900 Tonnen wurde 2011 so viel Ackerchemie abgesetzt wie in den letzten fast 20 Jahren nicht mehr, geht aus Berichten des Deutschen Bauernverbandes und des Umweltbundesamtes hervor. 1994 wurden noch nicht einmal 30 000 Tonnen abgesetzt. Das Geschäft legte allein im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent zu. Große Mengen dürften auch im Agrarland Mecklenburg-Vorpommern zum Einsatz gekommen sein. "Ich gehe von einer analogen Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern aus", erklärte Fritz Tack, Agrarexperte der Linken-Landtagsfraktion. Trotz der bundesweit vorliegenden Absatzzahlen hüllt sich das Schweriner Landwirtschaftsministerium allerdings in Schweigen. In der Antwort auf eine kleine Anfrage des linken Landtagsabgeordneten machte die Landesregierung mit Verweis auf eine fehlende Anzeigepflicht keine Verbrauchsangaben. Die Landesregierung nehme dagegen anhand von Tests in Demonstrationsbetrieben an, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht angestiegen ist, erklärte Tack. Derzeit arbeiteten Bund und Länder an der Fortschreibung des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (PSM), der die Reduzierung der Risiken der PSM-Anwendungen enthält. Die absoluten Mengen der Pflanzenschutzmittel, die von Ackerkulturen und Witterung abhängig seien und schwanken könnten, "sind nicht das einzig entscheidende Kriterium bei der Beurteilung des nachhaltigen Einsatzes der PSM, jedoch eine wichtige Größe. Wer diese nicht kennt, kann auch die Erfüllung des Nationalen Aktionsplanes nicht messen und stochert im Nebel", kritisierte Tack die mangelhaften Informationen: Pflanzenschutzmittel seien zwar "unverzichtbarer Bestandteil zum Schutz der Kulturpflanzen, aber der Einsatz muss höchsten Ansprüchen an die Minimierung der Risiken für Gesundheit und Umwelt genügen".

Solange sprühen die Bauern bundesweit offenbar vor allem immer mehr Herbizide auf die Ackerpflanzen. Allein der Absatz der Unkrautvernichtungsmittel erhöhte sich 2011 im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent - auf rund 18 000 Tonnen. Der Bauernverband sieht das vor allem im erweiterten Getreideanbau begründet. Auch in MV vergrößerten sich die Getreidefelder 2012 um drei Prozent auf 588 800 Hektar. Zudem setzen die Bauern Experten zufolge immer weniger den Pflug zur Feldbearbeitung ein, um den Boden zu schonen. Um dem Unkraut Herr zu werden, kommt dafür aber vermehrt Roundup zum Einsatz, ein Herbizid gegen viele Pflanzenarten.

Die Folgen sind verheerend: Erst im vergangenen Jahr waren in MV nach dem Einsatz von Clomazone-Unkrautvernichtungsmitteln vermehrt gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden aufgetreten. Mindestens acht Anzeigen wegen Verstoß gegen das Pflanzenschutzgesetz waren erstattet worden. Anwohner hatten nach dem Herbizid-Einsatz u. a. über Atembeschwerden und Geruchsbelästigungen geklagt. Erst vor kurzem stellten zudem Forscher der Uni Leipzig nach dem umstrittenen Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel bei Rindern und auch bei Menschen Glyphosat im Urin fest. Der Wirkstoff soll gesundheitsfördernde Bakterien abtöten und so den Magen-Darm-Trakt aus dem Gleichgewicht. Zuvor hatten Imker in MV bereits Pflanzenschutzmittel auf Rapsfeldern für die Dezimierung der Bienen verantwortlich gemacht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen