Fachkräftemangel in MV : Chefs legen Lohn drauf

Mehr Firmen in MV orientieren sich an Tarifverträgen. Aber nur noch für 42 Prozent der Beschäftigten gebunden

svz.de von
18. März 2016, 08:00 Uhr

Der Fachkräftemangel zwingt Arbeitgeber in MV zu Lohnzugeständnissen: Fast drei Viertel der Beschäftigten im Land erhalten derzeit die zwischen den Sozialpartnern vereinbarten oft höheren Tarifeinkommen oder zumindest Löhne, die sich daran orientieren. Das ist der höchste Anteil seit Jahren, teilte das Sozialministerium auf eine Parlamentsanfrage des Linken-Landtagsabgeordneten Henning Foerster mit. Vor zwei Jahren lag der Anteil bei 70 Prozent. Auch die Zahl der Unternehmen, die sich an Tarifverträge halten oder sich an ihnen orientieren, ist gestiegen. 61 Prozent richten sich danach, ergab die Analyse.

Der Fachkräftemangel und der demografische Wandel lasse den Druck auf die Unternehmen steigen, erklärte Jens Matschenz, Sprecher der Vereinigung der Unternehmensverbände MV (VUMV). Es gebe „tendenzielle Lohnsteigerungen“ in MV. Wer gute Mitarbeiter haben wolle müsse gute Löhne zahlen, meinte Matschenz.

Allerdings scheuen es den Angaben zufolge so viele Unternehmen wie seit Jahren nicht mehr, verbindliche und einklagbare Tarifverträge einzugehen. Entsprechende Vereinbarungen gelten in MV nur noch für 42 Prozent der Beschäftigten - Tiefstand seit 2007. Immer mehr Firmen richten ihr Lohnniveau lediglich an den Tarifverträgen aus, ohne sich an die Vereinbarungen der Sozialpartner zu binden. „Raus aus dem Lohnkeller geht es nur mit Tarifverträgen“, forderte der Linken-Abgeordnete Foerster eine stärkere Tarifbindung in MV. Das zahle sich für alle Seiten aus: Beschäftigte würden besser gestellt, Unternehmen könnten Fachkräfte binden oder neue anwerben. Allerdings: Vor allem kleineren Unternehmen falle es häufig schwer, die über die Lohnhöhe hinaus vereinbarten Standards einzuhalten, meinte Matschenz. Dennoch sei beispielsweise die Tarifbindung in der Tourismuswirtschaft in MV inzwischen überdurchschnittlich hoch. Während bundesweit VUMV-Angaben zufolge nur 36 Prozent der Betriebe in der Hotel- und Gaststättenbranche Tarifverträge eingingen, im Osten sogar nur 29 Prozent, seien es in MV 49 Prozent. Die Branche war in den vergangenen Jahren wegen häufig gezahlter Billiglöhne massiv in die Kritik geraten und hatte nach wachsendem Fachkräftemangel deutliche Lohnsteigerungen vereinbart.

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