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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 03:03 Uhr

Landwirtschaft in MV : Chefs gesucht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landwirtschaftsbetrieben fehlt der Führungsnachwuchs – Dabei mangelt es ohnehin an Fachkräften – größte Hürde: Geld

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2014 | 19:59 Uhr

Den Landwirtschaftsbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern gehen die Chefs aus. Etwa 300 der 4700 Unternehmen im Land suchen nach Angaben der DKB-Bank dringend einen Nachfolger. Jeder vierte Betriebsleiter ist bereits über 58 Jahre alt. Immer mehr von ihnen arbeiten deutlich über das Rentenalter hinaus.

Die Gründe dafür sind neben dem Fachkräftemangel vor allem finanzieller Natur. Wer etwa Chef einer Agrargenossenschaft oder -gesellschaft werden will, muss sich in dem Unternehmen „einkaufen“, er muss Anteile erwerben, erklärt DKB-Sprecher Gerald Hein. In der Regel übernimmt der Nachfolger auf dem Chefsessel die Anteile des ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden oder Geschäftsführers. Je nach Unternehmen können diese mehrere zehntausend bis mehrere Millionen Euro wert sein. Keine Bank aber gebe einem 28-Jährigen Hochschulabsolventen einen Kredit über zwei Millionen Euro. Die Unternehmen sind daher gefordert, Modelle zu finden, wie sie einem jungen Menschen den Weg ebnen können.  

In Hanstorf im Landkreis Rostock ist das gelungen. Dort stand Willi Reiter fast 50 Jahre an der Spitze des Agrarbetriebes – erst der LPG, dann der Hanstorfer Landbau GmbH. Vor fünf Jahren, mit über 70, kam mit einer Krankheit von einem Tag zum anderen das berufliche Aus. Doch er hatte vorgesorgt und seinen heutigen Nachfolger Joachim Schuldt von der Hochschule weg in den Betrieb geholt.

Er habe einen Kredit aufnehmen müssen, aber nicht über Hunderttausende Euro, berichtet der 32-jährige Schuldt, der schon fünf Jahre lang den Betrieb mit 1400 Hektar und 350 Milchkühen leitet. Seinen Kredit abzuzahlen findet er nicht schlimm. „Das ist meine private Altersvorsorge“, sagt er. Das Geld sei gut angelegt, wenn er das Unternehmen nicht gegen die Wand fahre.  „Ich habe bereits als Schüler immer mal im Unternehmen geholfen“, berichtet Schuldt. Schon als Abiturient saß er auf dem Mähdrescher. Während des Studiums an der Hochschule Neubrandenburg absolvierte er in Hanstorf mehrere Praktika. Als sich vor Abschluss seines Studiums die Frage stellte, wo er die Laufbahn starten sollte, gab es für Reiter nur eine Antwort: „Du bleibst hier!“

Einfacher, nämlich in der Familie, löste sich das Nachfolgeproblem im Agrarbetrieb Groß Grenz, ebenfalls im Landkreis Rostock. Dort steht seit dem Sommer mit Kathrin Naumann (40) eine promovierte Landwirtin an der Spitze. Die Tochter des langjährigen Geschäftsführers Rainer Tschirner löste ihren Vater ab, nachdem sie mehrere Jahre als Assistentin der Geschäftsführung arbeitete. „Dadurch war ich immer ganz nahe dran an den Aufgaben und auch Problemen. Das hat mich geprägt“, sagt die Neuchefin von 35 Mitarbeitern.

Anders als in Familienbetrieben, wo ein Hoferbe zumeist noch gefunden wird, bleibt in Genossenschaften und GmbHs die Suche nach einem Nachfolger oft lange erfolglos. Für einen Hochschulabsolventen, der keine Bindung zu einem Betrieb habe, sei es eigentlich unmöglich, einen Chefposten zu übernehmen, sagt Hein. Die Betriebe seien einfach zu teuer. Die DKB-Bank bietet Neueinsteigern zwar die Möglichkeit, sie bei der Übernahme eines Führungspostens finanziell zu unterstützen, doch sie ist vorsichtig. „Wenn es schiefgeht, wird ein junger Mensch seines Lebens nicht mehr froh“, meint Hein.

Dass die Nachfolge-Frage ein zunehmendes Problem ist, zeigt sich am Kreditvolumen, das die Bank für die Anteilsfinanzierung ausgibt. In diesem Jahr ist es Hein zufolge bereits viermal so hoch gewesen wie im gesamten Jahr 2013. In sehr vielen Unternehmen scheiden jetzt diejenigen aus, die nach der Wende als Mittdreißiger bis Mittvierziger in Führungspositionen kamen.

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