zur Navigation springen

Karrierebremse kind : Chefs fehlt Verständnis für Eltern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Karrierebremse Kind: Eltern in Mecklenburg-Vorpommern fühlen sich im Job benachteiligt

svz.de von
erstellt am 29.Mai.2014 | 20:00 Uhr

Mit dem Partner ein gemeinsames Leben planen, Kinder kriegen, ein Haus bauen und im Job durchstarten: Im Alter von 25 bis 39 Jahren ballen sich bei Männern wie Frauen die Wünsche und Anforderungen aus Familie und Beruf. Sie befinden sich in der so genannten „Rushhour“ des Lebens“.

Doch wie geht es ihnen dabei? Sind sie gestresst oder sogar schon krank? Die DAK-Krankenkasse wollte es genauer wissen und widmete sich in ihrem diesjährigen Gesundheitsreport dieser Altersgruppe. Die Kasse analysierte den Krankenstand ihrer Mitglieder und befragte mehr als 3000 Beschäftigte: Männer und Frauen mit und ohne Kinder – auch in MV. Mit verblüffenden Ergebnissen.

Das Positive: Obwohl viele 25- bis 39-jährige Arbeitnehmer in MV aufgrund der Mehrfachbelastung unter Druck stehen, seien sie besonders fit. Sie seien deutlich weniger und kürzer krank als ihre jüngeren und älteren Kollegen. Im Vergleich zu den über 40-Jährigen haben sie rund 34 Prozent weniger Ausfalltage.

Dennoch dürfe der niedrige Krankenstand nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich bei den jungen Berufstätigen erste Ansätze von chronischen Krankheiten bilden, sagte Regina Schulz, Landeschefin der DAK-Gesundheit in MV. So suchten knapp 40 Prozent der Versicherten im Land den Arzt wegen Muskel- und Skelettproblemen wie Rückenschmerzen auf. 28 Prozent mussten wegen psychischer Leiden behandelt werden.

Besonders problematisch dabei: Arbeitnehmer mit Kindern achten weniger auf ihre Gesundheit als Arbeitnehmer ohne Kinder. Vor allem eine ausgewogene Ernährung und Sport komme bei ihnen zu kurz. Zudem schlafen sie weniger.

Erstaunlich ist, dass sich Erwerbstätige, die sich zuerst ihrem Beruf widmen und später die Familienplanung in Angriff nehmen wollen, sich genauso gestresst fühlen wie Arbeitnehmer, die bereits Job und Familie vereinen.

Allerdings sehen Eltern für sich berufliche Nachteile: Jede zweite Mutter gibt an, ihre Karriere werde durch die Kinder gebremst. Bei den Vätern ist es jeder Fünfte. Zudem sehen viele in den Betrieben im Land Nachholbedarf in Sachen Familienfreundlichkeit. Oft gehen Angebot und Nachfrage deutlich auseinander. So sagen zwei Drittel der Erwerbstätigen mit Kindern aus, dass Gleitzeit ihren Alltag erleichtern würde. Aber nur ein Drittel der Firmen in MV biete sie an. Zudem sei die Nachfrage nach Betriebskrippen und -kindergärten hoch (jeweils mehr als 50 Prozent), aber nur ein Bruchteil der Unternehmen (rund 5 bzw. 8 Prozent) halte ein entsprechendes Angebot bereit. Vor allem aber fehle es den Eltern an mehr Verständnis. Zwei Drittel wünschen sich, dass ihre Arbeitgeber und Kollegen die Familiensituation bei der Planung von Terminen besonders berücksichtigen. Dies sei nur bei einem Viertel der Befragten der Fall.

Die DAK-Landeschefin, Regina Schulz, fordert daher ein Umdenken der Chefs in MV: „Wir brauchen einen kulturellen Wandel in den Unternehmen, der Müttern wie Vätern größtmögliche Flexibilität ermöglicht.“

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen