Stralsund : Check in der Schildkröten-WG

Taucher Mirko Becker versucht eine Meeresschildkröte aus dem Wasser zu holen – sie muss zum jährlichen Gesundheitscheck.
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Taucher Mirko Becker versucht eine Meeresschildkröte aus dem Wasser zu holen – sie muss zum jährlichen Gesundheitscheck.

Tierarzt bescheinigt Tieren im Stralsunder Meeresmuseum einen „Top-Zustand“

svz.de von
08. Februar 2018, 20:55 Uhr

Die fünf Meeresschildkröten des Meeresmuseums in Stralsund haben ihren alljährlichen Gesundheitscheck mit Bravour bestanden. Der auf Exoten und Reptilien spezialisierte Tierarzt Dieter Göbel bescheinigte den Tieren gestern einen Top-Zustand. Die Schildkröten wurden dazu aus dem Becken gehoben, gewogen und vermessen. Die inneren Organe untersuchte der Arzt per Ultraschall.

Drei Tiere – die Echte und die beiden Unechten Karettschildkröten – dürfen sich über etwas mehr Futter freuen. Sie hatten gegenüber dem vorangegangenen Check 4 bis 5,5 Kilogramm Gewicht verloren. Dieser Gewichtsverlust sei unproblematisch und sogar positiv für den Stoffwechsel, sagte Göbel. Nun sollen die Tiere, die in den vergangenen Jahren eher etwas zu viel auf die Waage brachten, wieder mehr Fischanteil in ihrer ansonsten vegetarischen Kost erhalten.

Das Aquarium im Stralsunder Meeresmuseum ist mit fünf Tieren Deutschlands größtes Meeresschildkrötenbecken. Drei der streng geschützten Tiere waren vor Jahren illegal nach Deutschland geschmuggelt, beschlagnahmt und später in Obhut des Museums gegeben worden. Zwei Tiere kamen zu DDR-Zeiten ins Museum – die inzwischen 53-jährige Unechte Karettschildkröte im Jahr 1985 als Geschenk des kubanischen Fischereiministeriums, eine der beiden Suppenschildkröten ein Jahr später aus dem Berliner Tierpark.

In dem 350 000 Liter fassenden Becken mit Strandzone und bei wohltemperierten 24 Grad Wasser- und Lufttemperatur sollen die Tiere so naturnah wie möglich gehalten werden. Aus Gründen des Artenschutzes dürften illegal geschmuggelte Tiere nicht wieder ausgewildert werden.

Wie Aquariumsleiterin Nicole Kube sagte, arbeitet das Meeresmuseum in einem europäischen Netzwerk von Meeresschildkrötenaquarien und Auffangstationen, um beschlagnahmte Tiere aufzunehmen und sich über die besten Haltungsbedingungen auszutauschen. Weitere Tiere sind in Stralsund nicht zu erwarten. Mit fünf Schildkröten – die schwerste wiegt 112 Kilogramm und hat eine Panzerlänge von 89 Zentimetern – habe das Meeresschildkrötenbecken seine Kapazitätsgrenze erreicht.

Beim alljährlichen Gesundheitscheck nahm der Tierarzt auch Tupferproben von Augen, Nase, Rachen, Haut und Panzer. Diese würden nun im Labor auf mögliche Keime untersucht, sagte Göbel. Bevor die Tiere wieder zurück ins Wasser durften, reinigte der Arzt den Panzer der Tiere, entfernte lose Hornpartikelchen und versorgte kleinere Blessuren.

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