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Ausländische Mediziner : Chance für Einwanderer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landesweit einzigartiges Projekt hilft ausländischen Medizinern. Die Gesundheitsversorgung auf dem Land ist zunehmend lückenhaft

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2016 | 06:30 Uhr

Seit vier Monaten ist Saad Aldin Al Moulki in Deutschland. Nach seinem Studium der Humanmedizin in Syrien hat der 25-Jährige seine Heimat wegen des Bürgerkriegs verlassen. In Deutschland möchte er ein neues Leben anfangen, seine Facharztausbildung machen und dann als Mediziner arbeiten. Hilfe hat er im „Health and Care Office“ (HCO) der Gesellschaft für nachhaltige Regionalentwicklung und Strukturforschung (genres) gefunden. Das HCO begleitet Gesundheitsberufler mit im Ausland erworbenen Qualifikationen auf dem Weg in die deutsche Arbeitswelt und bietet in Neubrandenburg und Greifswald Integrationskurse an – bisher ein landesweit einzigartiges Projekt, das vom Sozialministerium mit 135 500 Euro gefördert wird.

Weitere Standorte in Schwerin und Rostock sollen folgen. Es fehle zunehmend pflegerisches und medizinisches Personal in Mecklenburg- Vorpommern. „Es gibt da Lücken, die geschlossen werden müssen, sich aber aufgrund der demografischen Entwicklung nicht von allein schließen werden“, sagt Elisa Hofert, Mitarbeiterin im HCO. Zum anderen sind im vergangenen Jahr mit den Flüchtlingen viele sehr gut ausgebildete Menschen ins Land gekommen. Um hier als Vermittler zu agieren, sei Ende 2015 das Gesundheitsbüro eröffnet worden. Mittlerweile betreuen die Mitarbeiter um die 70 zugewanderte Fachkräfte, die in Deutschland so schnell wie möglich wieder in ihrem Beruf arbeiten möchten – vom Allgemeinmediziner und der Krankenschwester über den Apotheker bis zum Zahnarzt.

Vergangene Woche sind die ersten Integrationskurse gestartet – die Teilnehmer ausschließlich Syrer. Hier geht es erst einmal darum, die Grundlagen der deutschen Sprache zu lernen. Ergänzend dazu werden Inhalte zum deutschen Gesundheitssystem vermittelt. Bis November sollen die Teilnehmer auf dem Sprachniveau B1 angekommen sein. Anschließend belegen sie zwei weitere Kurse, um das Niveau C1 zu erreichen und sich einer Fachsprachenprüfung vor der jeweiligen Kammer zu stellen. „Der Nachweis und die Feststellung der Gleichwertigkeit des ausländischen Berufsabschlusses mit einem deutschen, dieses Sprachniveau und ein erfolgreiches Bestehen dieser Prüfung sind notwendig, um die Approbation beantragen zu können“, erklärt die HCO-Mitarbeiterin. Neben bereits ausgebildeten Fachärzten wie Chirurgen, Anästhesisten und Internisten, besuchen den Kurs in Neubrandenburg auch zwei Syrer, die ihr Medizin-Studium in Deutschland beenden wollen.

Die meisten Teilnehmer sind Mitte bis Ende 20. „Wir haben aber auch einen 62-jährigen Apotheker mit 30 Jahren Berufserfahrung im Kurs“, sagt Elisa Hofert. Parallel zur sprachlichen Ausbildung kümmert sich das Gesundheitsbüro um die Anerkennung der Abschlüsse. Die Mitarbeiter helfen dabei, alle Nachweise zusammenzustellen. „Wir gewinnen außerdem Mentoren“, berichtet die Mitarbeiterin. Hiesige aktive Mediziner oder Ruheständler begleiten die Zuwanderer und wirken als Netzwerkpartner. Damit die zukünftigen Fachkräfte richtig in der Region ankommen, stehen ihnen die Mitarbeiter des HCO auch bei alltäglichen Problemen, wie etwa der Wohnungssuche zur Seite. Zudem haben sie beispielsweise in Neubrandenburg eine Stadtführung organisiert. Die Flüchtlinge sollen sich wohlfühlen und Wertschätzung erfahren.

„Wir wollen natürlich, dass die Fachkräfte in der Region bleiben“, sagt Elisa Hofert. Die meisten können sich das mit der nötigen Unterstützung durchaus vorstellen. So auch Saad Aldin Al Moulki. Er hat sich noch nicht fest für eine Fachrichtung entschieden, überlegt aber, später als Kardiologe in Mecklenburg-Vorpommern zu arbeiten.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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