Parteitag der Union im Land : CDU den Mitgliedern zurückgeben

Vincent Kokert (M.) mit Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD,r.) und Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD)
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Vincent Kokert (M.) mit Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD,r.) und Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD)

Auf ihren Parteitag in Grimmen wählt die CDU heute einen neuen Landesvorsitzenden und einen neuen Landesvorstand

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08. April 2017, 09:00 Uhr

Heute will die CDU im Land einen neuen Landeschef wählen. Als einziger Kandidat stellt sich Landtagsfraktionschef Vincent Kokert zur Wahl. Er ist am Donnerstag dieser Woche 39 Jahre alt geworden. Mindestens zwei neue Köpfe wird es bei den drei Stellvertretern geben. Als einziger der bisherigen Amtsträger wurde der einflussreiche Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg für die Wiederwahl nominiert. Mit Vincent Kokert sprach Max-Stefan Koslik.

Herr Kokert, es ist nach der Wahlniederlage im September still geworden um die CDU, was ist los im Landesverband?
Kokert: Wir haben ein halbes Jahr sehr intensiv das Wahlergebnis mit der Parteibasis aufgearbeitet. Man kann ja nicht so tun, als seien die 19 Prozent einfach vom Himmel gefallen und so weitermachen wie bisher. Da gab es spannende Diskussionen, aber auch einen großen Willen, die CDU wieder zu einem Wahlgewinner zu machen.


Wie stellen Sie sich das vor?
Die CDU wird sich ein Grundsatzprogramm geben. Viele an der Parteibasis fragen sich, wofür die CDU in MV überhaupt steht. Wir müssen uns wieder angewöhnen, über Inhalte zu diskutieren. Wir brauchen eine Kommunikation, bei der die Mitglieder Politik wirklich mitbestimmen. Ein Problem der Vergangenheit war, dass sich viele Mitglieder nicht mitgenommen fühlten. Das ist meine Lehre aus Kreisgebietsreform, Amtsgerichtsreform und Polizeistrukturreform. Wir haben Politik vorgegeben. Oben wurde bestimmt. Aber bei den Leuten kam das nicht an. Ich möchte diese Partei wieder den Mitgliedern zurückgeben.


Müssen Sie die CDU im Lande nicht erst einmal einen, vor allem den rechtskonservativen Vorpommernflügel um Sascha Ott und den christsozialen Mecklenburg-Teil um Eckhardt Rehberg?
Ich glaube nicht, dass wir gespalten sind. Ja, es gibt Mitglieder im konservativen Kreis, die ihrer politischen Auffassung mehr Gehör verschaffen wollen. Genau das soll das Grundsatzprogramm leisten. In ihm sollen sich Konservative, der Christsoziale, aber auch der Liberale wiederfinden. Das sind die drei Strömungen in der CDU. Der Spagat muss uns gelingen. Wir wollen über Inhalte reden, nicht über Personen. Das führt nur zu Verletzungen.


Aber beide, Ott und Rehberg, wollen Ihre Stellvertreter werden. Sind Sie Masochist Herr Kokert?
Ich glaube, dass man beide Personen und wofür sie stehen nur über eine inhaltliche Diskussion zusammenbringt. Die muss geführt werden. Und die muss auch zu etwas führen. Wenn wir wollen, dass sich die Flügel wiederfinden, müssen wir sie im Grundsatzprogramm einigen.


Im Vorfeld Ihrer Wahl hieß es gelegentlich, Herr Kokert muss zum Jagen getragen werden. Ihre Familie spielte da auch eine Rolle. Wollen Sie jetzt wirklich CDU-Landesvorsitzender werden?
Ich habe mich entschieden, mit ganzer Kraft das Amt des CDU-Landesvorsitzenden auszufüllen. Das würde ich nicht tun, wenn es meine Frau und meine Familie nicht mittragen würden. Das ist für mich wirklich ein ausschlaggebender Punkt gewesen. Meine Frau und meine Familie sind mir sehr wichtig.
 

Sie sind von der jungen Union nominiert. Die JU forderte zugleich einen aktiven Generalsekretär, tragen Sie das mit?
Zuerst müssen wir inhaltlich unseren Kompass justieren. Wir müssen sagen, wofür die CDU steht.
 

Plädieren Sie für einen Generalsekretär?
Ich werde der Partei einen Generalsekretär vorschlagen.
 

Wen?
Das will ich zunächst dem Parteitag vorschlagen.


Welches Ergebnis strebt die CDU bei der Bundestagswahl an?
Wir haben jetzt sechs Direktmandate in den sechs Wahlkreisen in MV, eines mit bundesweiter Bedeutung: das Mandat der Kanzlerin. Diese Direktmandate wollen wir wieder bekommen. Das wird ein hartes Stück Arbeit. Ich habe jetzt schon Anzeichen, dass dieser Wahlkampf so hart werden wird, wie wir ihn noch nicht erlebt haben.


Wo wird es eng, im Osten gegen die AfD, in Rostock mit einem Gegner Dietmar Bartsch von der Linkspartei?
Die AfD hat ihren Höhepunkt hinter sich. Ihr gehen die Themen aus. Daher habe ich im Osten gute Hoffnung. Rostock war für uns schon immer ein schwieriges Pflaster. Aber da haben wir das letzte Mal trotzdem knapp gewonnen.
 

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