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Chorfest in Schwerin : „Carmina Burana“ aus 400 Kehlen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Vorbereitungen für das große Schweriner Chorfest laufen auf Hochtouren – ein Probenreport.

svz.de von
erstellt am 24.Okt.2014 | 11:50 Uhr

„Wir beginnen vier Takte vor Cäsar.“ „Zurück auf Ziffer 28 - mit Auftakt.“ Was für Außenstehende nach böhmischen Dörfern klingt, sind für Musiker und Sänger klare Ansagen durch Chordirektor Ulrich Barthel.

Der steht an diesem Mittwochabend vor einer ungewöhnlichen Aufgabe: Zum ersten Mal während der Proben für das Festkonzert „Schwerin singt!“ führt er Gesang und musikalische Begleitung zusammen. 100 Musikerinnen und Musiker und mehr als 400 Sängerinnen und Sänger sollen am Sonnabend die Schweriner Sport- und Kongresshalle zum Klingen bringen. Zur Hauptprobe am Mittwochabend sind allerdings nur rund 300 der Chorsänger ins Mecklenburgische Staatstheater gekommen. „Die Chöre aus Hamburg und Stralsund stoßen erst am Freitagabend zur Stellprobe zu uns“, so Projektkoordinatorin Katharina von der Heide. Das sei der weiten Anreise geschuldet. Die Chöre aus Rehna, Ludwigslust, Sanitz und Klein Trebbow und erst recht die Schweriner – der Theodor-Körner-, der Gospel- und der Polizeichor, der Chor der katholischen Kirche St. Anna, der Chor Kuljugin, die Singakademie mit ihrem Kinderchor und der Opernchor des Staatstheaters – hätten dagegen bereits zweimal gemeinsam geprobt. „Die Hamburger und Stralsunder werden nur die ,Carmina Burana‘ mitsingen, die sowieso zu ihrem Repertoire gehört, deshalb ist das trotzdem machbar“, erklärt Katharina von der Heide. Überhaupt würden nicht alle der 14 am Festkonzert beteiligten Chöre alle Stücke mitsingen. Stefan Malzews eigens für das Jubiläum komponiertes Stück „Whakarongoa Turituri“ zum Beispiel sei sehr anspruchsvoll…

Das erkennt auch der aus Neubrandenburg angereiste Komponist in der Probe an. „Ich glaube, das ist nicht einfach zu singen“, sagt er – und erntet erleichtertes Lachen. Vor allem an den Sprechpassagen – das Stück basiert auf Goethes „Gesang der Geister über den Wassern“ – möchte er noch feilen. Und an dem Klippensturz. Das „Aaaah“ solle doch bitte intensiver erschallen. „Da bricht eine Welt zusammen“, versucht Ulrich Barthel klarzumachen, welche Emotion er widergespiegelt haben möchte. „Dass die Welt zusammenbricht, passiert später. Das jetzt ist pure Angst“, insistiert Stefan Malzew.

Etliche „Aaaahs“ später sitzt der Schrei. Chorleiter Ulrich Barthel gibt den Mitwirkenden als Hausaufgabe auf, bis Sonnabend auch den Namen des Stückes auswendig zu lernen. „Dass mir dann keiner Waka Waka sagt“, droht er schelmisch.

In der Pause verjüngt sich das Ensemble. Neben den Musikern der Staatskapelle nehmen die des Schweriner Jugendsinfonieorchesters Platz. Im wahrsten Sinne des Wortes – diese Sitzordnung sei ganz bewusst gewählt worden, um helfen zu können, so Violinistin Angela Künzel. Mentoren aus dem Profiorchester und von den Musikschulen der Stadt hätten im Vorfeld bereits mit den einzelnen Stimmgruppen der Jugendlichen geübt. Sie werden nur die „Carmina Burana“ begleiten – obwohl sie, wie Angela Künzel weiß, gern auch die anderen Stücke mitgespielt hätten, neben Malzews „Whakarongoa Turituri“ also auch noch den Schlusssatz aus Beethovens 9. Sinfonie. „Aber die ,Carmina‘ allein ist schon anspruchsvoll genug.“ Das erkennt auch ihr junger Pultpartner Kasra Binaie an. Trotzdem gibt sich der 17-Jährige selbstbewusst: „Ich verbringe viel Zeit mit meiner Violine, da ist auch so ein schwieriges Stück kein Problem.“

Auch der Theodor-Körner-Chor singt „nur“ die „Carmina“. „Wir haben ja noch jede Menge andere Aufgaben“, erklärt Chorleiter Peter Dethloff. Dennoch: Seit Juni liefen die Vorbereitungen auf das Festkonzert. „Was wir machen, machen wir auch richtig.“ Für den A-Capella-Chor sei es besonders spannend, nun auch zusammen mit einem Orchester aufzutreten.

Damit das in der Kongresshalle genauso gut wie im Theater klingt, werden dort heute noch mehr als 100 Mikrofone und vier Mischpulte aufgebaut. Am Sonnabendvormittag gibt es dann einen letzten Soundcheck mit allen Beteiligten. Und am Abend ab 19.30 Uhr erklingt auch die „Carmina Burana“ wieder – aus 400 Kehlen. Gänsehaut pur.

 

 

Das gesamte Programm zu „Schwerin singt!“ ist im Internet zu finden unter:
http://theater-schwerin.de/repertoire/sonderveranstaltungen
Kartentelefon: 0385/5300 - 123;

kasse@theater-schw

 

erin.de


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