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Rostock/Gnemern : Cannabis-Prozess: „Es war alles so leicht"

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Erneut beschäftigte sich die 3. Große Strafkammer des Landgerichtes mit Ngoc Tuan N., der sich wegen Beihilfe zum unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln verantworten muss.

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erstellt am 01.Feb.2012 | 10:13 Uhr

Rostock/Gnemern | Erneut beschäftigte sich gestern die 3. Große Strafkammer des Landgerichtes Rostock mit Ngoc Tuan N. (41), vietnamesischer Staatsbürger aus Hameln, der sich wegen Beihilfe zum unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln verantworten muss. Er soll 2009 in Tarnow ein Einfamilienhaus angemietet haben, in dem bis Oktober 2010 Cannabispflanzen angebaut wurden. Laut Ermittlungen soll er aber auch dabei gewesen sein als am 9. Juli 2009 ein Einfamilienhaus in Gnemern gemietet wurde. Der, dessen Unterschrift unter diesem Mietvertrag steht, saß gestern auf der Zeugenbank.

Hong Son N. (44) war aus der Gegend um Hannover angereist. Er sei an dem Tag der Besichtigung mit dem Angeklagten aus Hameln gekommen, berichtete er. Er wäre von einem Bekannten namens Thien gebeten worden, den Mietvertrag zu unterschreiben. In dem Haus sollte eine Näherei eingerichtet werden. Zum Abschluss des Mietvertrages sollte er jemanden mitnehmen, der gut Deutsch spricht. Da sei er auf den Angeklagten gekommen, den er über einen gemeinsamen Freund kannte. Auf der Fahrt nach Mecklenburg mit dem Auto des Angeklagten sei nicht viel gesprochen worden. Jedenfalls habe ihm der Angeklagte nicht erzählt, dass er zu der Zeit schon Mieter eines Hauses in Tarnow, Hauptstraße 27 a, war, also in der Nähe. Die Unterzeichnung des Mietvertrages wäre ganz einfach gewesen. Nach der Besichtigung des Hauses wollte die Vermieterin nur seine Papiere sehen und dann habe er unterschrieben. Um alles andere brauche er sich nicht zu kümmern, hätte der Mann namens Thien, den keiner kennt, gesagt. Die Miete von 650 Euro sei pünktlich gezahlt worden, das wisse er. Irgendwann im Herbst 2010 sei eine unbekannte Person zu ihm nach Hause gekommen und hätte ihm von Thien ausrichten lassen, in Gnemern sei etwas Schlimmes angebaut worden. Das sollte er wissen und sich einen Rechtsanwalt nehmen.

Der Vorsitzende Richter konfrontierte den 44-Jährigen mit Aussagen anderer Zeugen. Er forderte ihn auf, die Widersprüche aufzuklären. So hätten sich der Angeklagte und er vor der Vermieterin als Brüder ausgegeben, die in Rostock ein Restaurant führen, was nicht der Wahrheit entspricht. Auf dem Mietvertrag, den er unterzeichnete, steht auch noch der Name einer Frau als Ehegattin. Das sei kein Widerspruch, erklärte der Zeuge. Da er nicht genügend Geld verdienen würde, habe er den Namen der Bekannten als Sicherheit hinzu gesetzt, obwohl sie von der Sache nichts wisse. Für den Freundschaftsdienst sei nichts gezahlt worden, das sei unter Vietnamesen so.

Als im Oktober 2010 der Cannabis-Anbau aufflog, fanden die Polizeibeamten verwahrloste Häuser. Dicke Lüftungsrohre durchzogen die Räume, Pflanzerde lag in allen Etagen. In Gnemern war der Strom für die Wasserpumpen wegen einer nicht bezahlten Rechnung von 70 000 Euro abgeschaltet. Das Haus stand unter Wasser.

Der Prozess gegen den Hauptangeklagten Le Coung H.(48) wird am 7. Februar und der gegen Ngoc Tuan N am 14. Februar fortgesetzt.


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