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Gründer von Brutsimplantat-Firma festgenommen : Busen-Betrüger in Haft

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Darauf hatten viele Frauen längst gewartet: Jean-Claude Mas, Gründer des umstrittenen Brustimplantate-Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP), wurde gestern in Südfrankreich festgenommen und in Polizeigewahrsam genommen.

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erstellt am 26.Jan.2012 | 10:19 Uhr

Paris | Darauf hatten viele Frauen längst gewartet: Jean-Claude Mas, Gründer des umstrittenen Brustimplantate-Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP), wurde gestern in der Villa seiner Lebensgefährtin im südfranzösischen Küstenort Six-Fours-les-Plages festgenommen und in Polizeigewahrsam genommen wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung. Auch der ehemalige PIP-Manager Claude Couty wurde verhaftet. Gegen Mas laufen bereits Ermittlungen wegen schweren Betrugs. Auch steht er im Verdacht, die Insolvenz seiner Firma im Frühjahr 2010 organisiert und sein Vermögen in Briefkastenfirmen versteckt oder Familienangehörigen übertragen zu haben.

Der 72-jährige Franzose wird für den internationalen Skandal um mangelhafte Silikonkissen verantwortlich gemacht. Durch das ungeeignete Material reißen die Implantate schnell und können Entzündungen hervorrufen. Mas hat zugegeben, bei den vorher angekündigten Kontrollen systematisch getäuscht zu haben, weist aber ein Risiko durch sein billigeres, nicht zugelassenes Silikon zurück. In einem Interview mit einem französischen Radiosender kritisierte er die "kriminelle" Entscheidung der Behörden, den 30 000 Frauen mit PIP-Implantaten in Frankreich zu raten, sich diese vorsorglich entfernen zu lassen. Auch andere Länder, darunter Deutschland, riefen inzwischen dazu auf. Mas hält das für nicht notwendig und schockierte mit der Aussage, den Klägerinnen gehe es doch nur ums Geld.

Muriel Ajello, Vorsitzende einer Betroffenen-Vereinigung, zeigte sich gestern erleichtert über seine Festnahme. "Unsere große Sorge war die Gefahr, dass er fliehen könnte. Ich hoffe, dass es bald ein Datum für den Prozess gibt." Allein in Frankreich haben fast 2500 Frauen sowie die staatliche Krankenkasse Cnam Klage eingereicht. Insgesamt wurde bei 20 Trägerinnen von PIP-Implantaten Krebs festgestellt, bei 16 davon Brustkrebs. Ein Zusammenhang ist allerdings nicht erwiesen.

In der Kritik stehen auch die Gesundheitsbehörden, Warnungen und Beschwerden jahrelang ignoriert zu haben. Als Konsequenz fordern Abgeordnete des EU-Gesundheitsausschusses eine Verschärfung der Kontrollsysteme. Auch der Tüv Rheinland, der die Zertifikate für PIP ausstellte, sieht sich Klagen ausgesetzt. Ein Tüv-Sprecher betonte, man habe im März 2010 durch Insider von den Machenschaften erfahren, sofort das Zertifikat entzogen und im Februar 2011 selbst Anzeige wegen Betrugs erstattet. Der französische Anwalt, Olivier Gutkès, sagte in der Zeitung "Figaro", der Tüv sei nicht für die Prüfung der Implantate selbst zuständig gewesen, sondern für die Produktunterlagen und das Qualitätsmanagement-System. Der Betrug sei extrem gut organisiert gewesen, so Gukès: "Eine echte Inszenierung."

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