Ausstellung „Schatz entdeckt!“ in Schwerin : „Busch, spitz er seinen Griffel“

Schatzfinderin Sigrid Puntigam erläutert den Plan einer Kaskade.
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Schatzfinderin Sigrid Puntigam erläutert den Plan einer Kaskade.

Neue Ausstellung im Staatlichen Museum Schwerin begibt sich auf die Spuren herzoglichen Bauens. Verschollene Pläne überraschend aufgetaucht

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22. März 2018, 12:00 Uhr

Der Herzog befiehlt, und sein Architekt baut. Keine Diskussion! So stellte man sich bisher das Verhältnis Bauherr und Baumeister im Herzogtum Mecklenburg-Schwerin vor. Doch so absolut war der absolutistische Alleinherrscher wohl doch nicht. Jedenfalls bezeugen Zeichnungen, wie eine ursprünglich geplante Pyramide als Kirche und Grab für Friedrich, Herzog zu Mecklenburg (1717-1785), nach und nach schrumpfte und schließlich nur noch als kleiner Aufbau an der Ludwigsluster Schlosskirche erhalten blieb.

Wir wissen das, weil der Kunsthistorikerin Sigrid Puntigam 2010 die Entdeckung ihres Lebens glückte. In einer Kiste im Schweriner Hauptarchiv fand sie 300 eng übereinandergestapelte, bisher unbekannte Baupläne und Zeichnungen zur Mecklenburger Architektur- und damit auch Landesgeschichte. Später entdeckte sie weitere. „Der erste Blick in die Kiste war überwältigend“, so Puntigam.

Alle diese 560 Dokumente firmieren unter dem Namen Planschatz und wurden auch mit Hilfe internationaler Forscher wissenschaftlich ausgewertet.

Zentrale Werke dieses spektakulären Fundes werden seit gestern nun im Staatlichen Museum Schwerin unter dem Titel „Schatz entdeckt!“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Und die Entwürfe, Federzeichnungen, Aufrisse, Kupferstiche und Skizzen erzählen dem, der sie zu lesen versteht, nicht nur von herrschaftlichem Bauen, sondern gestatten auch neue Einblicke in die Landesgeschichte.

Sie zeigen Friedrich den Frommen zum Beispiel als begabten Laienarchitekten und das kleine Mecklenburg einmal mehr nicht hinterwäldlerisch, sondern durchaus als europäisch vernetzt. Auch architektonisch orientierte man sich in Schwerin und Ludwigslust nach Rom und Paris, wie noch heute an den Schlössern und Herrensitzen des Landes abzulesen ist. Das mussten Herzogs auch, um ihren Machtanspruch nach innen gegen die aufmüpfige Ritterschaft und nach außen – unter anderem gegen die ungeliebten Preußen in Berlin und Potsdam – demonstrieren zu können.

Auch wenn manches ambitioniert geplante Lustschloss nicht aus dem Stadium eines Luftschlosses hinauskam, als Lehrmaterial oder Stoff für höfischen Klatsch war es allemal gut. Wie man an den Schlössern in Schwerin und Ludwigslust, dem überdimensionierten Fürstenstuhl in der Rostocker Marienkirche oder den vielen Herrenhäusern und Gutsanlagen heute noch sieht, reiften einige architektonische Blütenträume dennoch.

Inspiriert von der Schatzkiste mit den Bauplänen, haben die Kuratoren im Neubau des Museums Räume geschaffen, die sich in fünf Themen der komplexen Materie zu nähern suchen. Ein Raum etwa, ganz in europäischem Blau gehalten, widmet sich den Reisen der Herzöge Christian Ludwig und seinem Sohn Friedrich nach Paris oder Rom und ihrem Bestreben, wichtige Stiche zu königlichen Bauten und Gärten aus Frankreich, dem Heiligen Römischen Reich, Russland, Schweden oder Dänemark für ihre Bibliothek zu erwerben.

Im Untergeschoss wird das Verhältnis Bauherr-Architekt beleuchtet und höfisches Bauen von Schwerin und Klevenow/Ludwigslust selbst bis nach Hamburg beleuchtet, denn Louise Friederike, die Frau von Herzog Friedrich, liebte es, im Sommer auf der Alster zu schippern.

Mit einigen wenigen Fotos und Gemälden, Hörstationen, animierten 3-D-Filmen über das Leben in alten Mecklenburger Schlössern, gar Sprechblasen („Busch, spitz er seinen Griffel“), einem Daumenkino oder einem Actionraum zum Zeichnen und Bauklötzerbauen und sogar Singleführungen mit Ausklang im Museums-café, wo dann vielleicht so mancher seinen persönlichen Schatz gewinnen mag, versucht das Museum, den doch eher spröden Stoff effektvoll zu vermitteln. Freilich solle man sich überlegen, ohne eine Führung in diese Ausstellung zu gehen. Denn was dort gezeigt wird, sind, nehmen wir alles in allem, immer noch Architekturzeichnungen.

„Schatz entdeckt! – Der verschollene Planschatz der Mecklenburger Herzöge“

Staatliches Museum Schwerin
Alter Garten 3

Tel.: 0385 / 588 47 222
www.museum-schwerin.de
info@museum-schwerin.de
Öffnungszeiten:
April bis Oktober
Di bis So, 11 bis 18 Uhr
November bis März
Di bis So, 11 bis 17 Uhr
Führungsanmeldung unter 0385-58847 221 / -222

Zur Ausstellung ist ein umfangreiches Begleitheft erschienen.

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